Kind im Schwarzwald gerettet
So funktioniert eine Wildtierkamera
Ein Zweijähriger ist am Dienstagabend bei Hornberg aus dem Wald gerettet worden – dank 500 Helfern und Hubschraubereinsatz. Der entscheidende Hinweis kam aber von der Kamera eines Jägers.

© dpa/STZN
Luchs auf einer Wildtierkamera bei Murg an der Schweizer Grenze.
Von Michael Maier
Glückliches Ende für einen emotionalen Tag im Schwarzwald: Ein kleiner Junge spielte am Dienstag auf dem Grundstück seiner Familie bei Hornberg - dann verschwand er in Richtung Wald. 500 Helfer suchten stundenlang nach ihm, bis er von einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera entdeckt wurde. Der entscheidende Hinweis kam jedoch von einem Jäger – dank einer „Wolfskamera“.
Aber wie funktionieren solche Wildtierkameras genau? „Es gibt ganz unterschiedliche Modelle und Preisklassen. Allen gemein ist die Technik mit Bewegungssensoren“, sagt Geschäftsführer René Greiner vom Landesjagdverband. Es gebe Kameras mit Infrarotblitz für Nachtaufnahmen in Schwarz-Weiß – ähnlich wie bei Radarfallen für Autofahrer – aber auch Weißlichtblitz für Farbaufnahmen. Selbst mit Infrarot sei es kein Problem, zum Beispiel zwischen einem Hasen und einem Rehkitz zu unterscheiden.
Der Clou dabei: Die meisten Modelle haben inzwischen eine SIM-Karte integriert und senden Fotos- und Videoaufnahmen per E-Mail oder auf eine Handy-App, so Greiner.
Zum einen geht es beim Einsatz von Wildtierkameras um die Jagd, denn man sehe darauf, welche Tiere im Wald unterwegs sind. Außerdem sind die Kameras ein Hilfsmittel bei der Wildtierforschung und helfen der Wissenschaft beim Monitoring von geschützten Arten wie Wolf, Luchs oder Wildkatze. Dabei schreibt das Landesjagdgesetz auch eine Verpflichtung zum Wildtier-Monitoring vor, stellt die Mittel und Wege jedoch frei. Jagdpächter unterstützen oft die zuständigen Institute und staatlichen Stellen bei der Betreuung von Kameras.
Wildtierkamera unter 100 Euro vom Discounter
Teuer sind die Geräte übrigens nicht. Manchmal gibt es beim Discounter schon Sonderangebote unter 100 Euro. Eine Wildtierkamera mit Sendefunktion ist laut René Greiner ab etwa 150 bis 200 Euro erhältlich. Gute Modelle kosten ab 200 Euro, Spitzenkameras auch 500 bis 600 Euro. „So etwas braucht man für die Wissenschaft, zum Beispiel für die Fellerkennung beim Luchs. Jedes Fellmuster kommt nur einmal vor und ist wie ein Fingerabdruck“, berichtet Greiner begeistert aus eigener Tätigkeit im Bayrischen Wald.
Wildtierkamera und Bewegungsbilder
Das wichtigste Element einer Wildtierkamera ist der passive Infrarot-Sensor (PIR). Dieser registriert Wärmeunterschiede in seiner Umgebung. Bewegt sich ein warmblütiges Tier durch den Erfassungsbereich, erkennt der Sensor die Temperaturveränderung und löst die Kamera aus. Die Reaktionszeit liegt dabei meist bei unter einer Sekunde.
Infrarot-LEDs für Wildtierkamera
Tagsüber funktioniert eine Wildtierkamera wie eine normale Digitalkamera. Bei Dämmerung oder Dunkelheit schaltet sie automatisch in den Nachtmodus um. Dabei kommen unsichtbare Infrarot-LEDs zum Einsatz, die das Umfeld ausleuchten, ohne die Tiere zu verschrecken. Ein spezieller Filter vor dem Objektiv macht diese IR-Strahlung für den Sensor sichtbar.
Wildtierkameras in der Praxis
- Sie werden meist mit Batterien oder Akkus betrieben.
- Moderne Modelle haben Stromsparmodi.
- Die Aufnahmen werden auf SD-Karten gespeichert.
- Viele Modelle übertragen Bilder per SIM-Karte.
Bildoptionen und Ausstattung für Wildtierkameras
- Einzelbilder oder Serienaufnahmen
- Videosequenzen
- Zeitraffer-Aufnahmen
- Kombination aus Foto und Video
- Einstellung der Auslöseverzögerung
- Wasserdichtes Gehäuse
- Gummidichtungen an allen Öffnungen
- Spezialbeschichtungen gegen Kondenswasser
- Getarnte Außenhülle
Die Technik der Wildtierkameras entwickelt sich ständig weiter. Neueste Modelle verfügen bereits über KI-gestützte Tiererkennung, Tracking und Live-Übertragung der Aufnahmen, wobei es jedoch Einschränkungen durch Speicherkapazität und Kosten für die Datenübertragung gibt. Bei der Aufstellung sind auch Datenschutzfragen zu beachten, insbesondere mit Sichtfeld außerhalb von Wäldern und anderen Privatgrundstücken.