Stadt Backnang legt beim Ausbau der Kitas nach
Obwohl die Nachfrage bei der Kinderbetreuung aktuell gedeckt werden kann, sollen bis 2025 weitere 132 Betreuungsplätze entstehen.

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Im Mai haben die ersten vier Gruppen die Sportkita in der Plaisir bezogen. Zwei weitere Gruppen sollen in den kommenden Wochen folgen. Foto: Alexander Becher
Von Kornelius Fritz
Backnang. Bundesweit fehlen laut einer Prognose der Bertelsmann-Stiftung im kommenden Jahr rund 384000 Kitaplätze, in Baden-Württemberg sollen es etwa 58000 Plätze sein. In Backnang, wo die Stadt das Angebot in den vergangenen Jahren bereits massiv ausgebaut hat, stellt sich die Situation momentan nicht ganz so dramatisch dar. Wie Regine Wüllenweber, Leiterin des Amtes für Familie, Jugend und Bildung, im Gemeinderat erklärte, stehen zurzeit ausreichend Plätze für über Dreijährige zur Verfügung. Bei den unter Dreijährigen ist das Angebot sogar höher als die Nachfrage, sodass einige Plätze mit Ü-3-Kindern belegt werden konnten. Laut Wüllenweber lassen in Backnang nämlich nur etwa 25 Prozent der Eltern ihre Kinder unter drei Jahren in einer Einrichtung betreuen – die Quote liegt damit deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 35,5 Prozent.
Trotzdem bekommen nicht immer alle Eltern einen Platz in ihrer Wunschkita und schon jetzt ist klar, dass der Bedarf in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Das liegt zum einen an der regen Bautätigkeit, die zu einem Anstieg der Bevölkerung führen wird. Zum anderen kommen wieder deutlich mehr Geflüchtete nach Backnang, insbesondere aus der Ukraine. Je nachdem, wie lange der Krieg dort noch dauert, werden auch diese früher oder später Betreuungsbedarf für ihre Kinder anmelden.
Zwischen 80 und 100 Kinder könnten länger in der Kita bleiben
Erschwerend kommt hinzu, dass der Stichtag für die Einschulung vom 30. September auf den 30. Juni vorverlegt wurde. Dies führt laut Wüllenweber dazu, dass in Backnang zwischen 80 und 100 Kinder noch ein Jahr länger in der Kita bleiben und entsprechend weniger Plätze durch die Einschulung frei werden.
Der Backnanger Gemeinderat hat deshalb einstimmig einem weiteren Ausbau der Betreuungsplätze zugestimmt. So soll die Zahl der Ü-3-Plätze bis 2025 von derzeit 1492 auf 1607 erhöht werden. Für unter Dreijährige sind 370 Plätze geplant, aktuell stehen 353 zur Verfügung. Unter anderem ist eine weitere Kleingruppe mit zwölf Ü-3-Plätzen in der Kita der Paulinenpflege geplant. Im September 2023 soll außerdem eine weitere Naturkitagruppe mit 20 Plätzen an eine bestehende Kita angedockt werden, der genaue Standort ist noch offen. Bereits in diesem Herbst sollen zudem zwei weitere Gruppen in der Sportkita Plaisir und eine Interimsgruppe hinter der Plaisirhalle in Betrieb gehen. Außerdem wird das Backnanger Tageselternhaus im nächsten Sommer in einen Neubau in der Mühlstraße umziehen. Damit verbunden ist auch eine Verdoppelung der Kapazitäten.
Wie sich die Zahlen entwickeln werden, weiß niemand
Mit den nun beschlossenen Maßnahmen sei der rechnerische Bedarf an Kitaplätzen bis 2025 gedeckt, erklärt Regine Wüllenweber. Ob sich die Zahlen tatsächlich so entwickeln wie prognostiziert, weiß allerdings niemand. Bei unvorhergesehenen Entwicklungen müsse man daher kurzfristig reagieren. Die beiden großen Bauprojekte auf der Oberen Walke und dem IBA-Areal sind in diesen Planungen ohnehin noch nicht berücksichtigt, da die Wohnungen dort wohl erst nach 2025 bezogen werden. Wenn es so weit ist, wird der Bedarf an Kitaplätzen noch einmal sprunghaft steigen. Nach ersten Schätzungen braucht Backnang dann noch einmal mindestens vier weitere Krippengruppen für unter Dreijährige sowie sieben bis acht Gruppen im Ü-3-Bereich.