Inseln Heard und McDonald
Trump belegt unbewohnte Inseln mit Zöllen – „Kein Ort der Welt ist sicher“
Die Schockwellen von Donald Trumps Zollpaket schwappen bis in das antarktische Meer. Selbst die Inseln Heard und McDonald sind betroffen – zur Überraschung des australischen Premierministers.

© dpa// How Hwee Young
Königspinguine sind auf den Inseln Heard und McDonald nahe der Antarktis heimisch – im Gegensatz zu Menschen.
Von Valentin Schwarz
Auf den Inseln Heard und McDonald im südlichen Indischen Ozean lebt buchstäblich kein Mensch – und dennoch ist das Gebiet ins Visier von Donald Trump geraten. Der US-Präsident hat im Zuge seiner aggressiven Handelspolitik ankündigt, auch auf Importe von den beiden Inseln Zölle von zehn Prozent zu erheben.
Die unbewohnte Region Heard und McDonald liegt 1668 Kilometer nördlich von der Antarktis. Ihre Landfläche umfasst ingesamt 372 Quadratkilometer. Landschaftlich sind die kargen Inseln geprägt von Gletschern und hohen Berggipfeln, darunter der aktive Vulkan Big Ben. Auf Heard befindet sich außerdem eines von sieben Brutgebieten des Königspinguins.
Australiens Premier Anthony Albanese ist schockiert
Seit 1947 sind die Inseln zusammen ein australisches Außengebiet. Territorien mit diesem Status gehören zwar zu Australien, allerdings nicht als Teil eines Bundesstaates und werden deshalb gesondert verwaltet.
Auf Trumps Zoll-Liste finden sich mit den Kokosinseln, der Weihnachtsinsel und der Norfolkinsel noch weitere solcher Außengebiete. Sie werden dort allesamt zusätzlich zu Australien geführt – obwohl sie keine eigenen Länder sind. „Kein Ort der Welt ist sicher“, sagte der australische Premierminister Anthony Albanese als Reaktion am Donnerstag.
Trump plant Zölle von 29 Prozent für kleine Insel
Für Australien im Allgemeinen betragen die angekündigten Zölle zehn Prozent. Sogar 29 Prozent wollen die USA künftig auf importierte Waren von der 2000-Einwohner-Insel Norfolk erheben. Dabei ist umstritten, ob das Territorium in der Vergangenheit überhaupt Handelsgüter in die Vereinigten Staaten exportiert hat.
Zwar gibt die Statistik-Plattform Observatory of Economic Complexity an, die USA hätten 2023 Waren im Wert von 655.000 US-Dollar von der Norfolkinsel importiert. George Plant, bei der australischen Regierung für die Verwaltung des Gebietes zuständig, zweifelt diese Zahl jedoch an. Der britischen Tageszeitung The Guardian sagte er, es seien keine Exporte von Norfolk in die USA bekannt.
Heard und die McDonaldinsel: Exporte von unbewohntem Gebiet?
Noch kurioser mutet der Fall der Inseln Heard und den McDonald an. Schließlich leben dort anders als auf der Norfolkinsel überhaupt keine Menschen – im Gegensatz zu Robben und Vögeln, die sich dort pudelwohl fühlen. Zwar findet in Gewässern um Heard und McDonald Fischerei statt. Auf der Landfläche stehen jedoch keine Gebäude. Australien erlaubt maximal 400 Besuchern pro Jahr und höchstens 60 auf einmal das Betreten der Inseln.
Dennoch hat das Gebiet im Jahr 2022 der Weltbank zufolge Produkte im Wert von 1,4 Millionen US-Dollar in die Vereinigten Staaten exportiert – Grund genug für Trump, die Inseln Heard und McDonald in seine Liste aufzunehmen.
Mit den Zöllen bringt der US-Präsident die Welt an die Schwelle eines Handelskriegs. Nach seiner Aussage soll die Maßnahme alle Länder betreffen, bei denen die Vereinigten Staaten derzeit weniger Abgaben auf Waren verlangen als die Handelspartner. Dass die australischen Außengebiete keine Länder sind, spielt dabei scheinbar keine Rolle.