Türkische Gemeinde hofft auf mehr Demokratie
dpa/lsw Berlin/Stuttgart. Die Türkische Gemeinde in Deutschland hofft nach der Wahl von Ekrem Imamoglu zum Bürgermeister Istanbuls auf mehr Demokratie in dem Land am Bosporus. Dass ein Oppositionspolitiker trotz aller Anfeindungen von Seiten der Regierungspartei AKP geschafft habe, das Amt zu gewinnen, zeige auch den Hunger der Menschen nach Veränderung, sagte der Vorsitzende Gökay Sofuoglu am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Gökay Sofuoglu. Foto: Gregor Fischer/Archivbild
Während AKP-Anhänger in der Vergangenheit bei Bedenken der Abstimmung ferngeblieben seien, hätten sie jetzt erstmals die Opposition gewählt, sagte Sofuoglu, der zugleich Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg ist. Darunter seien auch zahlreiche konservative Frauen. Diese hätten der AKP einen Denkzettel dafür verpasst, dass sie aus dem öffentlichen Leben verdrängt würden. Auch viele junge Menschen hätten wegen Einschränkungen der Meinungsfreiheit unter der AKP auf Imamoglu gesetzt.
Dieser sei der erste Chef im Istanbuler Rathaus mit mehr als 50 Prozent der Stimmen. Der heutige Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan habe in den 90er Jahren das Amt des Bürgermeisters von Istanbul nur mit etwa halb so viel Stimmen bekleidet. Der Kandidat der Regierungspartei AKP von Erdogan, Binali Yildirim, kam am Sonntag auf 44,99 Prozent.
Erdogans Plan, Imamoglu über den mehrheitlich mit AKP-Vertretern besetzten Gemeinderat zu boykottieren, werde nicht aufgehen, sagte Sofuoglu. Dieser übertrage seine Sitzungen öffentlich, so dass eine Blockadehaltung für jeden sichtbar werde. Imamoglu sei Erdogan strategisch überlegen.