Proteste in der Türkei

Warum Pikachu für den Widerstand gegen Erdogan steht

Eine Pokémon-Figur verkörpert in der Türkei den Protest gegen das Handeln von Präsident Erdogan. Regierungsnahe Medien sehen darin „psychologische Kriegsführung“.

Auch bei einer Kundgebung in Mannheim war das gelbe Pokémon Pikachu zu sehen.

© Dieter Leder/ 

Auch bei einer Kundgebung in Mannheim war das gelbe Pokémon Pikachu zu sehen.

Von Valentin Schwarz

Millionen von Menschen protestieren in der Türkei seit Tagen gegen die Festnahme des Oppositionspolitikers Ekrem Imamoglu von der Partei CHP. Inzwischen mischt sich immer wieder eine Figur der Popkultur unter die Massen auf den Straßen: Pikachu. Das fiktive Wesen aus der Videospielreihe Pokémon hat sich zu einem Symbol für den Widerstand gegen die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan entwickelt.

Ausgangspunkt dafür war ein Video, das Berichten zufolge in der südtürkischen Stadt Antalya entstand. Darin ist eine Menschenmenge zu sehen, die vor der Polizei flieht. Aus der Gruppe der Protestierenden ragt eine Person im gelben Pikachu-Kostüm heraus.

Türkischer Oppositionspolitiker als Pikachu in KI-Video

Der Clip ging in den sozialen Medien viral. Dort häufen sich nun Fotos und Videos, die Pikachu im Zusammenhang mit den Protesten zeigen. So hatte ein Kind das Pokémon bei einer Demonstration in Istanbul als Stofftier an seinem Rucksack angebracht. Und das Plakat eines Mädchens zierte der Spruch: „Ich habe dich gewählt, Pikachu.“ Bei Kundgebung in Mannheim und Paris wurde Pikachu ebenfalls schon entdeckt.

Auch in KI-generierten Videos findet die Figur Verwendung. Auf der Plattform X wurde ein Clip hunderttausendfach geklickt, in dem ein als Pikachu verkleideter Demonstrant den Kopf seines Kostüms abnimmt. Er gibt sich so Imamoglus Parteikollege Kemal Kilicadaroglu zu erkennen – und schlendert seelenruhig vor einer Gruppe Polizisten entlang. Hier treffen mit Pikachu und dem CHP-Politiker Kilicdaroglu zwei Symbolfiguren des Widerstands aufeinander.

Verharmlosung der Proteste in der Türkei?

Allerdings regt sich Kritik an dieser satirischen Form des Protests. Sie verharmlose die Demonstrationen, beklagten einige Nutzer im Internet. Das stehe im Kontrast zu der gewaltsamen Reaktion des Staates. Aktuellen Berichten zufolge wurden bislang rund 2000 Menschen festgenommen. Die Polizei ging demnach mit Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen gegen die Protestierenden vor.

TV-Experte spricht bei Pikachu von „psychologischer Kriegsführung“

Regierungsnahe Medien haben das Thema Pikachu ebenfalls aufgegriffen. Im Sender CNN Türk wurde der Vorwurf laut, die Verwendung der Pokémon-Figur gehe auf eine gezielte Strategie der Opposition zurück. Ziel sei es, die von Erdogan immer wieder als „Straßenterror“ bezeichneten Proteste in einem sympathischen Licht erscheinen zu lassen. Ein Experte verstieg sich gar zu der Aussage, es handle sich dabei „psychologische Kriegsführung“.

Doch damit nicht genug: Im türkischen Fernsehen wurden außerdem die angeblichen Eigenschaften Pikachus diskutiert. Dazu sollen die Fähigkeit, Feinde mit Elektrizität anzugreifen und über Blitze zu kommunizieren, zählen.

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Erstellt:
31. März 2025, 12:28 Uhr

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