Was tun, wenn es im Pflegeheim brennt?

Bei einer Brandschutzübung im Aspacher Alexander-Stift haben die Pflegekräfte das Verhalten im Ernstfall – also im Fall eines Brands in einem Bewohnerzimmer – geprobt. Auch in weiteren Häusern des Alexander-Stifts sind solche Übungen geplant.

Einweisung in die Bergungsunterlagen bei der Brandschutzübung im Gemeindepflegehaus Aspach des Alexander-Stifts. Fotos: Alexander Becher

© Alexander Becher

Einweisung in die Bergungsunterlagen bei der Brandschutzübung im Gemeindepflegehaus Aspach des Alexander-Stifts. Fotos: Alexander Becher

Von Simone Schneider-Seebeck

Aspach. Ein Hauch von Spannung liegt am frühen Dienstagmorgen in der Luft. Eine Bewohnerin des Pflegeheims Alexander-Stift in Aspach scheint es ebenfalls zu spüren. Aufmerksam beobachtet sie die Menschen in Warnwesten, die sich im Foyer versammelt haben. Und auch eine ältere Dame kommt mit ihrem Rollator den Flur entlang und sagt scharfsinnig: „Ich bin doch nicht von der Feuerwehr.“ Plötzlich geht der Alarm los. Erleichterung auf der einen Seite – jede Sekunde hatte man damit gerechnet, dass der Rauchmelder anschlägt. Dennoch gespannte Erwartung, weil es nun losgeht mit der Brandschutzübung in dem Pflegeheim.

Trotz Prävention kann es unerwartet zu einem Brand kommen

„Die Bewohner und auch die Mitarbeiter wissen, dass eine Übung stattfindet“, sagt Sandra Stadel, Referentin Kommunikation und Marketing für das Alexander-Stift. Doch worum es genau geht, welcher Art die Übung ist, das wurde bis zum Schluss geheim gehalten, denn man wolle eine realistische Situation darstellen. Obwohl angekündigt, stellt die Ausgangslage also doch eine Extremsituation dar. Dennoch bleibt das Pflegepersonal ruhig. Zügig geht es den Gang entlang, die Türen werden geöffnet, man schaut, ob es Bewohner gibt, die evakuiert werden müssen.

Im Nachgang gibt es eine Besprechung

In Zimmer sechs ein Ruf, der Herd der Rauchentwicklung ist entdeckt. Doch nicht nur dies, eine „Person“ – aus Übungsgründen eine lebensgroße Puppe – liegt neben dem Bett. Die Sicht ist schlecht, nicht nur wegen der Rauchentwicklung, auch wegen der herabgelassenen Jalousien. Eine Pflegerin kümmert sich um den „Bewohner“, ein Pfleger eilt zum nächsten Feuerlöscher, schnell wird der Brandherd gelöscht. Nach der Übung trifft man sich zur Nachbesprechung im Foyer. „Leider zeigen die Zahlen, dass es trotz präventiver Maßnahmen unerwartet zu einem Brand kommen kann“, sagt Marc Müller, Brandschutzbeauftragter des Alexander-Stifts, der die Übung organisiert hat. „Uns ist es wichtig, dass wir zunächst intensiv üben, welche Maßnahmen bis zum Eintreffen der Feuerwehr ergriffen werden müssen. Nur so können wir im Ernstfall gut zusammenarbeiten.“

Simulation eines Feuers im Zimmer einer Bewohnerin. Eine Person kümmert sich um die verletzte „Person“, die andere löscht das Feuer.

© Alexander Becher

Simulation eines Feuers im Zimmer einer Bewohnerin. Eine Person kümmert sich um die verletzte „Person“, die andere löscht das Feuer.

So prüfe man auch bei den jährlichen Begehungen im Haus, ob weitere Maßnahmen getroffen werden müssen oder das Evakuierungskonzept angepasst werden muss. „Brandschutz darf gerade in einem Pflegeheim keine Nebenrolle spielen“, sagt auch Gaby Schröder, Geschäftsführerin des Alexander-Stifts. „Ich freue mich sehr, dass wir jetzt auch tatsächliche Ernstfallübungen im Haus durchführen und nicht nur Löschübungen im Hof. Dies trägt besser dazu bei, dass Mitarbeitende wissen, wie sie sich verhalten müssen. Das ist schließlich eher eine Ausnahme in den Pflegeheimen.“

Weitere Übungen sind geplant

Bereits in zwei Häusern des Alexander-Stifts hatte es zuvor Ernstfallübungen gegeben, in zwei weiteren Häusern sind bis Ende des Jahres noch Übungen geplant, in den restlichen Häuser wird es im kommenden Jahr so weit sein.

Neben den Pflegepersonen des Aspacher Hauses sind auch Azubis der anderen Häuser vor Ort, um zuzusehen und mitzulernen. So darf jeder mitüben beim Versuch, eine „Person“ mithilfe eines Evakuierungstuches aus dem Bett zu hieven. Gar nicht so einfach, selbst wenn es sich bei der Person zunächst nur um die Übungspuppe handelt, die immerhin auch ihre 20 Kilo auf die Waage bringt. Nacheinander stellen sich als Versuchsobjekte auch Pfleger zur Verfügung. Schnell wird die bettlägerige Person mithilfe der Gurte des Tuches, das unter der Matratze angebracht ist, fixiert; zu zweit hebt man sie auf den Boden und zieht sie den Flur entlang.

Der richtige Umgang mit dem Feuerlöscher gehört dazu

Marc Müller lobt die Pflegekräfte. Man habe gleich reagiert und Leute angesprochen, die mitgekommen seien, um zu helfen. Eindringlich weist er darauf hin, dass oberste Priorität habe, die Person zunächst aus dem Gefahrenbereich zu bringen und die Tür zu schließen. Dann erst sei mit eventuell notwendigen Reanimierungsversuchen zu beginnen, denn „der Rauch ist lebensgefährlich!“ Weiterhin sei zu beachten, dass so schnell wie möglich die Brandschutztüren zu schließen seien, um den gefährdeten Bereich einzugrenzen und abzuschotten.

Das Brandschutzkonzept und der richtige Umgang mit dem Feuerlöscher sind im Alexander-Stift wesentliche Teile der Pflichtschulungen. Gleichzeitig werden die einzelnen Schritte im Falle einer Evakuierung jedes Jahr mit dem Brandschutzbeauftragten in den einzelnen Teams besprochen. Die einmalige Schulung als Brandschutzhelfer nach DGUV kann jeder Mitarbeiter des Stifts absolvieren.

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Erstellt:
12. Oktober 2022, 06:00 Uhr

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