„Wir müssen mal wieder zu null spielen“

Nationalspieler Maximilian Mittelstädt will mit dem VfB Stuttgart in Kiel zurück in die Erfolgsspur.

Maximilian Mittelstädt setzt sich die Qualifikation für den Europapokal zum Ziel und betont: „Es ist noch alles drin.“

© Pressefoto Baumann/Volker Müller

Maximilian Mittelstädt setzt sich die Qualifikation für den Europapokal zum Ziel und betont: „Es ist noch alles drin.“

Von David Scheu

Stuttgart - Maximilian Mittelstädt steht mit dem VfB Stuttgart vor einem herausfordernden Saison-Endspurt. Vor dem Auswärtsspiel bei Holstein Kiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) spricht der Linksverteidiger über die Gründe für die zuletzt durchwachsenen Ergebnisse, den Umgang mit Leistungsdruck – und die Gerüchte um Trainer Sebastian Hoeneß.

Herr Mittelstädt, haben Sie eigentlich schon mal in Kiel gespielt?

Tatsächlich nicht, es ist für mich eine Premiere am Samstag. Aber man bekommt über die TV-Bilder schon einen Eindruck, was uns da erwartet. Es wird sehr schwierig, die Platzbedingungen sind auch nicht optimal. Zunächst einmal geht es um Intensität und Kampf gegen eine Mannschaft, die nach dem jüngsten Sieg bei Union Berlin mit Rückenwind und Euphorie antritt.

Ein Gegensatz zur Situation beim VfB? Sie haben nur eines der vergangenen sechs Bundesliga-Spiele gewonnen.

Das ist nicht unser Anspruch. Es war aber mehr drin in den Spielen, fußballerisch sehe ich uns auf dem richtigen Weg. Grundsätzlich greifen die Automatismen in dieser Saison nicht ganz so selbstverständlich wie in der vergangenen, wir müssen uns die Dinge härter erarbeiten. Es ist aber nicht so, dass wir uns fragen: Wie in aller Welt sollen wir ein Spiel gewinnen? Es fehlt nicht viel.

Und was fehlt?

Vorne sind wir nicht so effizient wie in der Vorsaison, hinten verteidigen wir in einigen Momenten nicht konsequent genug. Unsere Fehler werden gerade aber auch fast immer bestraft, in Summe lassen wir ja nicht unzählige Chancen zu.

Ist die Offensive oder die Defensive aus Ihrer Sicht der Schlüssel, um wieder bessere Ergebnisse einzufahren?

Das gehört zusammen, aber in erster Linie müssen wir mal wieder zu null spielen. Vorne sind wir mit unserer Qualität immer in der Lage, ein Tor zu machen. Vielleicht braucht es in der jetzigen Phase hinten auch mal die einfachen Mittel. Manchmal wollen wir es zu schön lösen. Defensive Konstanz und Konsequenz über 90 Minuten sind eine entscheidende Grundlage, um wieder erfolgreicher zu werden.

Wie sehen Sie Ihre Rolle dabei?

Es kommt auf die Spielsituation an. Wenn wir führen, muss ich mich nicht in jeden Angriff einschalten und vielleicht eher für den Fall eines Ballverlustes absichern. Dieses Gespür muss man auf meiner Position entwickeln.

Sie stehen aber in dieser Saison schon bei neun Torvorlagen in Pflichtspielen.

Es freut mich, dass ich den Offensivdrang aus der Vorsaison beibehalten konnte. Ich sehe mich aber in erster Linie als Verteidiger, der sich immer wieder nach vorne mit einschaltet.

Hat Ihr Vorwärtsdrang auch damit zu tun, dass Sie bis zur U 15 im zentralen und teils auch offensiven Mittelfeld gespielt haben?

Die Erfahrungen helfen mir auf jeden Fall. Ich bin jemand, der spielerische Lösungen sucht und gerne Impulse setzt, wenn es die Situation zulässt.

Wie kam es damals überhaupt zum Positionswechsel?

Der Berliner Auswahltrainer Henry Rehnisch hat das angeregt, mein Hertha-Vereinstrainer Thomas Plohmann dann übernommen. Anfangs dachte ich noch, dass es ein Spaß ist. Ich konnte mir das überhaupt nicht vorstellen. Letztlich war es natürlich die beste Entscheidung. Als Linksverteidiger hat mein Weg bis in die Nationalmannschaft und auf Club-Ebene bis in die Champions League geführt.

Um sich wieder dafür zu qualifizieren, fehlen momentan fünf Punkte. Schauen Sie eigentlich regelmäßig auf die Tabelle?

Das macht wahrscheinlich jeder nach dem Spiel. Es sind noch zehn Spiele und entsprechend viele Punkte zu vergeben. Wir haben es in der eigenen Hand, da hinzukommen, wo wir hinwollen.

Und wo genau wollen Sie hin? Gibt es ein Saisonziel?

Wir sind nicht in der Kabine zusammengesessen und haben eine Vorgabe definiert. Für mich persönlich ist es schon ein Ziel, wieder international zu spielen. Und das ist absolut möglich. Alles ist eng zusammen in der Tabelle, alles kann sehr schnell gehen. Schauen Sie: Wir sind als Zehnter in die Winterpause gegangen, haben dann im Januar dreimal gewonnen und waren Vierter. Es ist noch alles drin.

Spüren Sie einen besonderen Druck in dieser Saisonphase, in der es um viel geht?

Druck hast du im Profifußball immer, auch nach drei Siegen in Folge. Wir können damit umgehen. Man muss den Druck in positive Energie umwandeln, dann ist Druck nichts Schlechtes.

Eine Qualifikation für den internationalen Wettbewerb würde auch die Chance erhöhen, dass Sebastian Hoeneß dem VfB erhalten bleibt. Sind die Gerüchte um den Trainer Thema in der Mannschaft?

Ich würde lügen, wenn ich sage, dass man davon nichts mitbekommt. Man hört, dass unser Trainer begehrt ist – was daran liegt, dass er einfach ein sehr guter Trainer ist.

Die Mannschaft würde sich einen Verbleib des Trainers in Stuttgart wünschen?

Sie werden keinen finden, der das nicht möchte. Sebastian Hoeneß hat hier eine attraktive und gleichzeitig erfolgreiche Spielweise etabliert, er kommuniziert klar mit jedem Spieler. Natürlich wünschen wir uns alle, dass er auch nächste Saison unser Trainer ist. Ich habe nicht mit ihm gesprochen, aber ich glaube schon, dass er weiß, was er an uns und dem Verein hat.

Ist die Gruppe in dieser Saison noch enger zusammengewachsen?

Ja. Wir arbeiten jetzt das zweite Jahr zusammen, hatten in dieser Saison durch die Champions League auch mehr Spiele und damit mehr gemeinsame Erfahrungen. Die Mannschaft hat ein sehr gutes Verhältnis zum Trainerteam.

Sie haben Ihren Vertrag beim VfB Stuttgart im vergangenen August vorzeitig verlängert. Ein Zeichen, dass Sie Ihre Zukunft auch längerfristig in der Landeshauptstadt sehen?

Das kann ich mir sehr gut vorstellen, sonst hätte ich nicht verlängert. Ich fühle mich hier sehr wohl und wertgeschätzt. Dass sich im Profifußball – aus welchen Gründen auch immer – die Richtung schnell ändern kann, wissen wir aber alle auch. Ich habe aber momentan überhaupt keinen Gedanken an einen Wechsel.

Wie sehen Sie denn generell die Perspektive des VfB?

Es ist unser Ziel, uns in der Bundesliga dauerhaft in der oberen Hälfte zu etablieren. Das muss nicht jedes Jahr der zweite Platz sein, die vergangene Saison war da sicher nicht der Normalfall. Aber der Verein geht aus meiner Sicht in die richtige Richtung.

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Erstellt:
7. März 2025, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
8. März 2025, 22:04 Uhr

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