Schlapp, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche

Woher kommt die Frühjahrsmüdigkeit – und was hat das Wetter damit zu tun?

Viele Menschen leiden derzeit unter Erschöpfungssymptomen. Was hat das mit der Wetterlage zu tun?

Ein Nickerchen mitten am Tag: Danach ist es derzeit vielen Menschen.

© /MAGO/Wolfgang Maria Weber

Ein Nickerchen mitten am Tag: Danach ist es derzeit vielen Menschen.

Von Michael Bosch und Anna Simon

Ständig müde, ein stechender Kopfschmerz oder einfach abgeschlagen – so fühlen sich derzeit viele Menschen. Ist das die klassische Frühjahrsmüdigkeit, oder hängt es mit dem Wetter zusammen?

Die Antwort darauf lässt sich nicht eindeutig geben. Zum einen ist das Phänomen „Frühjahrsmüdigkeit“ nicht vollends geklärt. „Frühjahrsmüdigkeit ist wissenschaftlich ein nicht klar definiertes und verstandenes Phänomen“, sagt beispielsweise der Chronobiologe Manuel Spitschan von der TU München gegenüber dem BR. Umgangssprachlich sind vor allem Ermüdungs- und Stimmungserscheinungen gemeint, teils treten auch Konzentrationsschwierigkeiten auf. Doch wissenschaftlich belegt sei das nicht, sagt der Wissenschaftler. Im Frühjahr klagen manche Menschen zudem über Kreislaufprobleme.

Frühjahrsmüdigkeit: Mögliche Ursachen

Laut Experten können die Symptome, die mit der Frühjahrsmüdigkeit einhergehen, vor allem zwei Ursachen haben. Die auftretende Müdigkeit und Antriebslosigkeit kann einerseits auf einen gestörten Hormonhaushalt zurückgeführt werden.

Die Gegenspieler Serotonin („Glückshormon“) und Melatonin können ins Ungleichgewicht geraten. Evolutionsbedingt schaltet der Körper im Winter auf Sparmodus und die Produktion des Schlafhormons Melatonin ist erhöht. Tagsüber wird es nicht produziert, der Körper beginnt es üblicherweise erst ein bis drei Stunden vor unserer üblichen Bettgehzeit auszuschütten. Das heißt: „Je länger der Tag, desto kürzer die Nacht, desto kürzer die Zeit, in der Melatonin produziert wird“, sagt der Forscher. Diese Umstellung macht uns müde.

Frühjahrsmüdigkeit: Kreislaufprobleme und Wetterlage

Der zweite Grund für die Müdigkeit können Kreislaufprobleme sein – und die könnten tatsächlich mit der Wetterlage zusammenhängen. An wärmeren Tagen weiten sich die Blutgefäße, während sie bei kalten Umgebungstemperaturen enger sind, damit der Körper weniger Wärme verliert. Durch diese Umstellung sinkt der Blutdruck, was bei manchen Menschen zu Müdigkeit und sogar Schwindel führen kann.

Hinzu kann ein weiteres Phänomen kommen, das Marc Joußen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) erklärt: Große Luftdruckschwankungen, also schnell wechselnde Hoch- und Tiefdruckgebiete – wie es sie zuletzt im Südwesten gab – können anstrengend für den Körper sein. Der DWD bietet dazu eine Übersicht zu sogenannten „Gefahrenindizes für Wetterfühlige“. Neben „Allgemeinen Befindensbeeinträchtigungen“ gibt es auch Karten, die das Risiko für „Herz-Kreislauf-Beschwerden“.

Kurzfristig zeigen die Karten keinen nennenswerten Einfluss – gute Nachrichten also für alle von Müdigkeit geplagten. Allerdings: Wetterfühlige könnten schon wieder um den 10. April herum leiden – dann sagt ein Modell des DWD einen Temperaturschutz von zehn Grad oder mehr voraus.

Übrigens: in aller Regel treten die Beschwerden von Mitte März bis Mitte April auf. Dann hat sich der Körper wieder an die äußeren Begebenheiten gewöhnt.

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Erstellt:
27. März 2025, 17:08 Uhr

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