Einzelkritik Deutschland gegen Italien
Rückkehrer Goretzka trifft zum Sieg – DFB-Elf gewinnt Viertelfinal-Hinspiel
Dank Joker Tim Kleindienst und Rückkehrer Leon Goretzka siegt die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinal-Hinspiel der Nations League in Italien. Wir haben alle mindestens 15 Minuten eingesetzten DFB-Spieler mit einer detaillierten Einzelkritik bewertet.

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Die Torschützen Goretzka und Kleindienst liegen sich in den Armen.
Von Marco Seliger/dpa
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich eine gute Ausgangsposition für das Erreichen des Final Four in der Nations League geschaffen. Das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann gewann das Viertelfinal-Hinspiel in Mailand gegen Italien trotz eines frühen Rückstands noch mit 2:1 (0:1).
Im Rückspiel an diesem Sonntag in Dortmund kann die DFB-Auswahl schon mit einem Remis den Einzug ins Finalturnier, das dann in Deutschland ausgetragen würde, perfekt machen.
Siegtreffer durch Goretzka
Der insgesamt auffällige Rückkehrer Leon Goretzka vom FC Bayern, der 16 Monate nach seiner Ausbootung wieder für die DFB-Auswahl nominiert worden war, erzielte den 2:1-Siegtreffer (76.). Zuvor hatte der zur Halbzeit eingewechselte Mönchengladbacher Tim Kleindienst (49.) die italienische Führung durch Sandro Tonali (9.) ausgeglichen.
Wir haben alle mindestens 15 Minuten eingesetzten Spieler des DFB-Teams mit einer detaillierten Einzelkritik bewertet. Diese lesen Sie in der Bilderstrecke.

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Oliver Baumann (Note 1,5): Der Keeper der TSG Hoffenheim bekam nach dem Wechselspiel im vergangenen Herbst den Vorzug vor Alexander Nübel vom VfB Stuttgart, er ist die Nummer eins – und rechtfertigte das Vertrauen des Bundestrainers am Donnerstagabend in Mailand erst mit einer starken Parade in der 30. Minute und dann mit einer überragenden zwei Minuten später, als er nach dem satten Schuss von Moise Kean noch die Fäuste hochbekam. In der 67. Minute dann noch eine starke Fußabwehr gegen den freistehenden Giacomo Raspadori und zehn Minuten später nochmal ein starker Reflex. Eine bärenstarke Vorstellung.

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Joshua Kimmich (Note 2): Der Kapitän zeigte gegen die Italiener als Rechtsverteidiger eine solide Leistung hinten und versuchte nach vorne anzukurbeln – gegen die defensivstarken Italiener zunächst meist vergebens. Dann mit der Maßflanke von halbrechts auf den Joker Tim Kleindienst, der kurz nach der Pause per Kopf zum 1:1 traf. Kimmich war wie gewohnt ein Aktivposten – und lieferte mit punktgenauer Ecke auch die Vorlage zum 2:1 durch Leon Goretzka.

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Jonathan Tah (Note 4): Längst ist der Leverkusener ein Fixpunkt in der deutschen Abwehr – in Mailand war der Innenverteidiger erstmal keine Stütze, weil sein Klärungsversuch im Sechzehner in Minute neun direkt beim italienischen Torschützen zum 1:0, Sandro Tonali, landete. Leistete sich bei einem Steilpass der Italiener und Großchance danach noch einen Stellungsfehler in der 32. Minute. Es gab schon bessere, gefestigtere Tah-Auftritte im DFB-Dress.

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Antonio Rüdiger (Note 3): Der Champions-League-Sieger von Real Madrid spielte in Mailand zwar nicht königlich, aber sicher und verlässlich. Oft auch weit vorne zu finden gegen defensive Italiener, aber da ohne entscheidende Impulse.

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David Raum (Note 5): Der Linksverteidiger von RB Leipzig bekam den Vorzug vor VfB-Profi Maximilian Mittelstädt und rechtfertigte das nicht. Ein Stellungsfehler, ein Steilpass in seinen Rücken über seine linke Abwehrseite, fertig war die Vor-Entstehung des frühen italienischen 1:0. In der Folge dann weiter fahrig und unsicher unterwegs. Raum betrieb im Kampf um den Stammplatz gegen Mittelstädt keine Eigenwerbung. Wurde zur Pause ausgewechselt, für ihn kam aber nicht Mittelstädt, sondern Nico Schlotterbeck.

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Pascal Groß (Note 4): Etwas überraschend rückte der Dortmunder nach einer insgesamt eher durchwachsenen Saison bisher anstelle von Angelo Stiller vom VfB in die Startelf und machte seine Sache, nun ja: eher weniger gut. Brachte kaum Struktur ins Spiel als Sechser und leistete sich einige Fehlpässe.

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Leon Goretzka (Note 2): Der Rückkehrer absolvierte nach 16 Monaten mal wieder ein Länderspiel und knüpfte in Mailand nahtlos an die starken Auftritte zuletzt beim FC Bayern an. Ein Kopfball nach einer Viertelstunde, ein Schuss wenig später und nochmal ein Kopfball nach 68 Minuten hinterher: Goretzka war nicht nur aufgrund dieser Aktionen ein Aktivposten – auch, weil er stets anspielbar und präsent war. Und dann folgte die Krönung, mit dem Kopfballtor nach Kimmich-Ecke zum 2:1 eine Viertelstunde vor Schluss. Was für ein Comeback!

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Jamal Musiala (Note 3,5): Ohne Florian Wirtz konzentrierte sich im deutschen Angriffsspiel vieles auf den zweiten deutschen Weltklassemann in der Offensive – in Mailand war Musialas Leistung nun keinesfalls weltklasse. Er hatte es gegen tief stehende Italiener, die die Räume klassisch-italienisch eng machten, schwer und kam eher wenig zur Entfaltung – machte in Summer aber auch zu wenig.

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Nadiem Amiri (rechts, Note 4): Der eine Überflieger des Überflieger-Teams der vergangenen Wochen (FSV Mainz 05) setzte seinen Höhenflug nun in der DFB-Elf fort nicht fort. Blieb blass und hatte seine auffälligste Aktion mit einem Freistoß, den er kurz vor der Pause drüber setzte.

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Leroy Sané (Note 4): Der Münchner Außenstürmer durfte in Abwesenheit der beiden verletzten Offensivkräfte Florian Wirtz und Kai Havertz von Beginn an ran und zeigte gegen die Italiener eine uninspirierte Vorstellung. So droht Sané im Rückspiel am Sonntag in Dortmund die Bank.

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Jonathan Burkardt (Note 4): Der nächste Mainzer Überflieger rückte wie Kollege Nadiem Amiri in die deutsche Anfangself und machte in der Nations League eher nicht da weiter, wo er zuletzt in der Bundesliga aufgehört hat. Stets emsig, stets bemüht – aber meist glücklos gegen das italienische Bollwerk. Musste zur Pause raus.

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Tim Kleindienst (Note 2,5): Tja, was soll man sagen: Der Gladbacher Stoßtürmer kam zur zweiten Halbzeit ins Spiel und traf sofort. Kopfball, Tor, 1:1 – so konnte es weitergehen, tat es aber nicht. Denn Kleindienst blieb in der Folge zwar engagiert, aber blass.

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Nico Schlotterbeck (Note 3): Der BVB-Innenverteidiger wurde zum Wiederanpfiff für den schwachen David Raum als Linksverteidiger eingewechselt und agierte meist solide.

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Jamie Leweling (Note 3): Na also, es stand irgendwann doch noch ein Profi des VfB Stuttgart auf dem Platz. Der Offensivmann kam nach 65 Minuten und gab fortan den Rechtsaußen. Leweling konnte keine großen Impulse mehr setzen.

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Karim Adeyemi: Der Dortmunder wurde in der 82. Minute eingewechselt - zu spät für eine Bewertung

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Robert Andrich: Der Mittelfeldmann kam in der 90. Minute, keine Benotung.