Julius Kühn von der SG BBM Bietigheim

„Wir lechzen nach einem Sieg“

Aufsteiger SG BBM Bietigheim wartet in der Handball-Bundesliga seit zwölf Spielen auf einen Sieg. Ex-Nationalspieler Julius Kühn nennt die Gründe und sagt, warum er trotz der Abwärtsspirale vom Klassenverbleib überzeugt ist.

Die Wurfgewalt von Julius Kühn braucht die SG BBM im Kampf gegen den Abstieg aus der Handball-Bundesliga.

© Baumann

Die Wurfgewalt von Julius Kühn braucht die SG BBM im Kampf gegen den Abstieg aus der Handball-Bundesliga.

Von Jürgen Frey

Die SG BBM Bietigheim hat nur noch zwei Pluspunkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Rückraumspieler Julius Kühn schätzt vor dem Spiel bei seinem früheren Club VfL Gummersbach (Freitag, 19 Uhr) die Lage ein.

Herr Kühn, können Sie sich noch an den letzten Sieg der SG BBM erinnern?

(überlegt) Der letzte Sieg? Das müsste bei der HSG Wetzlar gewesen sein.

Am 31. Oktober 2024 gab es dort ein 26:21 – seitdem blieb ihr Team in zwölf Spielen sieglos.

Das wissen wir. Und uns muss keiner darauf hinweisen, dass es an der Zeit ist, wieder einmal doppelt zu punkten. Wir waren oftmals nah dran, haben ja auch noch zwei Unentschieden gegen Hannover und beim HC Erlangen geholt. Aber ein Sieg fühlt sich natürlich anders an. Wir lechzen danach.

Am Freitag geht’s als krasser Außenseiter zum VfL Gummersbach.

Außenseiter sind wir ja ohnehin in fast jedem Spiel in der Bundesliga. Immerhin haben wir sieben unserer acht Punkte auswärts geholt. Wir haben gegen gute Mannschaften schon hervorragend mitgehalten, aber auch schon richtig eins auf die Mütze bekommen.

So wie zuletzt beim 24:39 gegen den THW Kiel, als die SG BBM Erstligatauglichkeit vermissen ließ. Ein Wirkungstreffer?

So einen extremen Ausrutscher steckt man nicht schnell weg, das beschäftigt alle mit Sicherheit ein, zwei Tage. Man könnte sagen, man kann gegen solch eine Mannschaft daheim verlieren, aber es geht auch immer um die Art und Weise, wie man sich präsentiert. Wenn man mit fünf, sechs Toren verliert, dann gibt einem das nicht so ein schlechtes Gefühl, wie jetzt in unserem Fall. Das hat uns gewurmt, das war ein Schlag ins Gesicht. Aber die Sache ist abgeschlossen und aufgearbeitet, vielleicht war es auch gar nicht so schlecht – und es geht ein Ruck durch unsere Mannschaft.

Was muss besser werden?

Puh, da müssen wir viele Sachen aufzählen. Aber es muss vor allem eine andere Körpersprache her, ein anderer Wille. Wir dürfen aber auch nicht alles in Frage stellen. Eine Woche zuvor haben wir in Hamburg ein ganz anderes Gesicht gezeigt, fast das gesamte Spiel über geführt, dann sehr unglücklich verloren.

Wie groß ist die Hoffnung, eine Überraschung zu landen?

Wir fahren jedenfalls nach Gummersbach, um dort Punkte zu holen. Das ist unser Anspruch, sonst müssten wir keinen Leistungssport machen.

Sie spielten von 2014 bis 2017 beim VfL. Was verbindet Sie noch mit dem Club?

Meine größten Erfolge mit der Nationalmannschaft fielen in diese Zeit. Es waren sehr schöne Jahre. Von der aktuellen Mannschaft habe ich mit keinem zusammengespielt. Aber klar, ich kenne das ganze, sehr familiäre Umfeld, viele Fans und freue mich auf die Spiele dort.

Die SG BBM liegt nur noch zwei Pluspunkte vor dem HC Erlangen, der einen Abstiegsplatz belegt. Wie sehr schauen Sie auf die Konkurrenz?

Ich habe vom 33:33 der Erlanger am Sonntag gegen Hannover erst im Laufe des Abends erfahren. Klar ist, dass sie auch noch weitere Punkte holen werden. Wir sind für uns selbst verantwortlich und können alles aus eigener Kraft schaffen. Wenn wir punkten, müssen wir nicht groß auf andere Clubs schauen.

Nach Gummersbach kommt am 22. März das Schlusslicht 1. VfL Potsdam. Da wird es nach 1:19 Heimpunkten in dieser Saison . . .

. . . definitiv Zeit für den ersten Heimsieg. Das weiß jeder. Aber zunächst zählt nur Gummersbach.

Wie fällt eigentlich Ihr persönliches Zwischenfazit bei der SG seit Sommer aus?

Am Anfang lief es sehr, sehr gut, fand ich. Dann hatte ich leider eineinhalb, zwei Monate lang Knieprobleme, die ich anfangs schwer in den Griff bekommen habe. Dann musste ich mich wieder zurückkämpfen. Zwischenfazit? Ich würde sagen nicht schlecht, aber auch nicht gut. Ich weiß, was ich kann. Ich habe Luft nach oben, wie wir alle. Wenn wir alle mit der eigenen Leistung zufrieden sein könnten, hätten wir nicht erst acht Punkte.

Wie viel braucht man denn am Ende um drinzubleiben?

16 Punkte wird man schon brauchen. Dann ist man sicher.

Warum packt es die SG BBM?

Wir haben den Spirit in der Mannschaft, alle haben diesen Glauben, den unbändigen Willen, es zu schaffen. Wenn ich sehe, wie viel wir in unsere tagtägliche Arbeit stecken, wie nah wir oft dran waren, zu punkten, dann bin ich sicher, dass sich die Münze noch drehen wird. Dann haben auch wir mal das Quäntchen Glück auf unserer Seite, was einfach auch dazu gehört.

Info

Karriere Julius Kühn wurde am 1. April 1993 in Duisburg geboren. Nach der Jugend spielte er bei der HSG Düsseldorf (2011/12), TuSEM Essen (2012 bis 2014), dem VfL Gummersbach (2014 bis 2017), der MT Melsungen (2017 bis 2024) und seit 2024 für die SG BBM Bietigheim. In 92 Länderspielen warf er 294 Tore. Größte Erfolge: EM-Titel und Olympia-Bronze (jeweils 2016).

Persönliches Kühn ist verheiratet mit Melinda. Das Paar hat die beiden Kinder Sienna und Lio. Die Familie wohnt in Hohenhaslach.

Rückrunde SG BBM – HSG Wetzlar 27:28, Rhein-Neckar Löwen – SG BBM 36:30, HSV Hamburg – SG BBM 37:26, SG BBM – THW Kiel 24:39, VfL Gummersbach – SG BBM (7. März, 19 Uhr), SG BBM – 1. VfL Potsdam (22. März, 19 Uhr), TSV Hannover-Burgdorf – SG BBM (27. März, 19 Uhr), SG BBM – MT Melsungen (5. April, 19 Uhr), SG BBM – ThSV Eisenach (26. April, 19 Uhr), Füchse Berlin – SG BBM (4. Mai, 16.30 Uhr), SG BBM – Frisch Auf Göppingen (16. Mai, 19 Uhr), TBV Lemgo Lippe – SG BBM (18. Mai, 19 Uhr), TVB Stuttgart – SG BBM (24. Mai, 19 Uhr), SG BBM – SG Flensburg-Handewitt (29. Mai, 19 Uhr), SG BBM – HC Erlangen (1. Juni, 18 Uhr), SC DHfK Leipzig – SG BBM (4. Juni, 19 Uhr), SG BBM – SC Magdeburg (8. Juni, 15 Uhr). (jüf)

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Erstellt:
5. März 2025, 06:10 Uhr
Aktualisiert:
5. März 2025, 15:15 Uhr

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