Insolvenz in Schwäbisch Gmünd
Auf Investorensuche für Brillenhersteller Menrad
Beim traditionsreichen Brillenhersteller Menrad aus Schwäbisch Gmünd, der Insolvenz angemeldet hat, laufen die Geschäfte weiter. Gespräche mit potenziellen Investoren sollen zügig starten.

© Menrad
Brillenhersteller Menrad in Schwäbisch Gmünd ist insolvent
Von Imelda Flaig
Für die Beschäftigten des traditionsreichen Brillenherstellers Menrad aus Schwäbisch Gmünd war die Nachricht von der Insolvenz ein harter Schlag. Jetzt richtet sich der Blick nach vorn. Der Geschäftsbetrieb des 1896 gegründeten Familienunternehmens läuft weiter.
„Wir stehen ganz am Anfang des Verfahrens“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Florian Zistler von der Kanzlei Pluta. Der Betrieb sei gut strukturiert und laufe normal weiter. „Wichtig ist, dass die Kunden die Fortführung unterstützen werden“, so Zistler. Erste Gespräche hat der Sanierungsexperte bereits geführt. Man werde alles versuchen, um die Sanierung zu ermöglichen und den Betrieb zu erhalten. Die Gespräche mit potenziellen Investoren oder finanzstarken Partnern sollen zügig starten. Die Löhne und Gehälter der 115 Beschäftigten am Stammsitz Schwäbisch Gmünd sind über das Insolvenzgeld für die Monate März, April und Mai abgesichert.
Insolvenz als Chance für Neustart
Rückblick: Das Familienunternehmen steckt wegen rückläufiger Aufträge und Umsätze in finanziellen Schwierigkeiten und hat am 31. März Insolvenzantrag beim Amtsgericht Aalen gestellt und als Grund einen „zukünftig zu erwartenden Liquiditätsengpass“ aufgrund des schwierigen Marktumfelds angegeben.
„Die aktuelle Situation ist herausfordernd, aber ein Insolvenzverfahren kann auch die Chance für einen Neustart bieten“, erklärte die Geschäftsführung. Gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter arbeite man daran, das Unternehmen zu stabilisieren und Mitarbeitern und Geschäftspartnern eine Perspektive zu bieten. „Wir wollen unseren traditionsreichen Betrieb erhalten und sind zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird.“
Brillen für Joop, Bogner oder Jaguar
Das traditionsreiche Familienunternehmen ist seit fast 130 Jahren im Brillengeschäft aktiv und wird in vierter Generation von den Brüdern Eberhard und Hermann Müller-Menrad geführt. Menrad entwickelt, fertigt und vertreibt Brillen und Sonnenbrillen, die nach eigenen Angaben für „ hochwertige Materialien und exklusive Designs“ stehen. Dabei arbeitet man mit bekannten Marken wie etwa Joop, Bogner, Jaguar oder beispielsweise Hackett zusammen. Designt und entwickelt werden alle Brillen in Deutschland. Produziert werden sie seit 1970 im Ausland und in mehr als 100 Ländern vertrieben.
Neben den 115 Mitarbeitern am Hauptsitz Schwäbisch Gmünd beschäftigt Menrad noch vier Mitarbeiter bei der Tochtergesellschaft in München. Weitere Designer arbeiten in Paris, London und weltweit. Das Unternehmen hat zudem eigene Vertriebsgesellschaften in Österreich, der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, Italien, Polen, der Türkei und Brasilien, die nicht vom Insolvenzantrag betroffen sind. Dort arbeiten rund 80 Mitarbeiter.