Beim Forst legt die Gemeinde Kirchberg drauf

Im Forstwirtschaftsjahr 2023 wird es in Kirchberg wohl ein Minus von über 7000 Euro geben. Gemeinderäte geben ihr Okay für den Betriebsplan.

Ulrich Häußermann (vorne links) und Paul Bek erklären bei einem Vor-Ort-Termin im Sommer an der ersten Station im Wüstenbachtal, warum dort umfangreiche Forstarbeiten notwendig waren und welche Pläne genau umgesetzt wurden. Foto: Tobias Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Ulrich Häußermann (vorne links) und Paul Bek erklären bei einem Vor-Ort-Termin im Sommer an der ersten Station im Wüstenbachtal, warum dort umfangreiche Forstarbeiten notwendig waren und welche Pläne genau umgesetzt wurden. Foto: Tobias Sellmaier

Von Ingrid Knack

Kirchberg an der Murr. Im Wüstenbachtal zwischen Kirchberg an der Murr und Burgstetten mussten im Winter 2021/ 2022 zahlreiche Bäume gefällt werden. Es handelte sich um eine Verkehrssicherungsmaßnahme, wie Ulrich Häußermann, stellvertretender Leiter des in Backnang ansässigen Forstamts Rems-Murr-Kreis, und Revierleiter Paul Bek, der für Staats- und Privatwald im Forstrevier Backnanger Bucht zuständig ist, in der jüngsten Ratssitzung in Kirchberg an der Murr versicherten. Auf der Tagesordnung stand der Betriebsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2023, dem die Gemeinderäte denn auch einmütig zustimmten.

Jahr um Jahr ist dieses Thema mit steigender Brisanz verbunden. Denn je mehr der Klimawandel fortschreitet und die Bäume leiden, desto dringlicher wird der Umbau des Waldes mithilfe von Baumarten, die mit höheren Temperaturen und längeren Trockenperioden besser klarkommen als beispielsweise die Fichten und nicht so schadanfällig sind wie etwa die durch einen Pilz geschwächten Eschen. Und: Ohne Verkehrssicherungsaktionen wie die im Wüstenbachtal müssten Waldgebiete wegen mangelnder Sicherheit für Erholungssuchende gesperrt werden.

21 Waldbesitzer und zwei Kommunen ziehen an einem Strang

Im Wüstenbachtal wurden nach den Worten Häußermanns in Zusammenarbeit mit 21 Waldbesitzern und den Kommunen Kirchberg und Burgstetten auf einer Länge von rund zwei Kilometern 2100 Festmeter Holz eingeschlagen. Die Ersatzpflanzungen seien mittlerweile größtenteils erfolgt.

Paul Bek ging überdies auf weitere wegen der Verkehrssicherungspflicht notwendige Baumfällungen im Jahr 2022 im Bereich Engelsberg, an der Verbindungsstraße durch den Backnanger Wald und am Fahrradweg entlang der Murr ein. Im Gegenzug zu diesen Arbeiten wurden rund 1320 neue Bäume gepflanzt, darunter Speierlinge, Traubeneichen und Baumhaseln. Mehr Vielfalt lautet mit Blick auf den Klimawandel die Devise. Obendrein sind Naturverjüngungen wichtig. Um die Pflänzlein zu schützen, wurde ein Wildzaun errichtet. Die neuen Pflanzen seien trotz Trockenheit im Sommer gut angewachsen, sagte Paul Bek.

Der geplante Hiebsatz im Gemeindewald in Kirchberg beträgt 690 Festmeter pro Jahr. In den vergangenen Jahren hat der Einschlag durch sogenannte Schadereignisse bekanntlich enorm zugenommen, allein 2021 mussten 86 Prozent des zuvor festgelegten Gesamteinschlags umgesetzt werden. Das Resultat ist ein Holzeinschlag, der derzeit rund 30 Prozent über dem geplanten Einschlag innerhalb von acht Jahren liegt. Für 2023 ist deshalb eine geringere Holzentnahme, wie die Baumfällungen im Fachjargon bezeichnet werden, vorgesehen. Andererseits sollen viele Pflege- und Pflanzprojekte realisiert werden. Insgesamt wird mit einem Minus von 7400 Euro gerechnet.

Einige Bäume rund um den Sportplatz müssen gefällt werden

Im kommenden Jahr werden die meisten Baumfällungen im Backnanger Wald rund um den Sportplatz und auf einer kleinen Fläche im Büchele erfolgen.

„Nach einer kurzen Verschnaufpause im Jahr 2021 befinden wir uns im Jahr 2022 wieder in einem extremen Trockenjahr“, erklärte Ulrich Häußermann. „Wir sind im Frühjahr mit einem gut durchfeuchteten Waldboden gestartet. Die Kulturen sind gut angewachsen. Seit Anfang August beobachten wir vermehrt Trockenschäden in den Kulturen und auch im alten Wald.“ Insbesondere die Buchen bereiten den Forstleuten Sorgen. Das Ausmaß der Schäden in den Buchenwäldern werde erst nach erfolgtem oder eben nicht erfolgtem Blattaustrieb im Frühjahr 2023 zu erkennen sein. Durch das trocken-heiße Klima habe der Borkenkäfer ein leichtes Spiel, die Fichten hätten darunter zu leiden. Häußermann: „Wir sind wie in den Vorjahren dabei, über zügigen Holzeinschlag und Abfuhr der befallenen Bäume aus dem Wald die Kalamität einzudämmen.“ Übrigens: Auf rund 40 Prozent der Fläche des Rems-Murr-Kreises prägt der Wald das Landschaftsbild.

Der Preis für Nadelholz hat sich nichtwie ursprünglich erhofft entwickelt

Häußermann ging auch auf den Holzverkauf ein. Bedingt durch die stark gestiegenen Energiekosten, die steigende Inflation und die unsichere wirtschaftliche Lage habe sich der Holzpreis in Bezug auf das Nadelholz nicht wie erhofft entwickelt. In den letzten Wochen sei die Nachfrage nach Schnittholz stark eingebrochen und auch die Schnittholzpreise seien deutlich gesunken. „Viele Säger haben ihre Einschnittmengen gedrosselt und sind teilweise auch noch sehr gut mit Rundholz versorgt.“ Die aktuellen Rundholzpreise lägen bei Fichte für Frischholz zwischen 95 und 100 Euro, beim Käferholz bei um 75 Euro pro Festmeter. Die weitere Marktentwicklung lasse sich im Moment nur schwer einschätzen. In Zusammenhang mit Laubholz sagte Häußermann: „Der Preis für Brennholz steigt. In der kommenden Einschlagssaison ist für Laubstammholz mit steigenden Preisen zu rechnen. Auch durch Trockenheit geschädigte Buche ist gut zu verkaufen.“

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Erstellt:
21. Oktober 2022, 11:30 Uhr

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