Bundestagswahl 2025
Diese Abgeordneten aus Baden-Württemberg sind abgewählt
Über zwei Dutzend Bundestagsabgeordnete aus dem Südwesten haben ihre Sitze verloren, und der Wahlkreis Tübingen ist verwaist. Wie groß ist der Aderlass?
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© dpa/Marijan Murat
Die BSW-Landesvorsitzende Jessica Tatti hat ihr Mandat verloren.
Von Michael Maier, Simon Königsdorff
Große Enttäuschung für 26 Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg: Sie sind bei der Wahl angetreten, haben ihre Mandate aber verloren. Das betrifft Abgeordnete fast aller Parteien – vor allem aber aus der FDP, da die Liberalen bundesweit bekanntlich klar an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert sind. Da hilft aufgrund des Wahlrechts auch die Verankerung im „Stammland“ Baden-Württemberg nichts für Florian Toncar & Co.
Aus dem Wahlkreis Böblingen trifft es aber nicht nur Christian Lindners Ex-Staatssekretär Toncar, sondern auch den jungen Grünen Tobias Bacherle – die ehemalige Ampel zahlt den Preis für eine Politik, die vom Wähler offenbar wenig goutiert wurde.
Abgewählte Ampel-Abgeordnete
Abgewählt sind zum Beispiel auch die Stuttgarter Anna Christmann (Grüne), Judith Skudelny (FDP) sowie Lucia Schanbacher (SPD) – ebenso wie Robin Mesarosch (Wahlkreis Zollernalb), der als Social-Media-Experte der SPD bekannt ist und der AfD auf diesem Spielfeld als einer von wenigen bei den etablierten Parteien mit Millionen von Followern bei TikTok & Co. entgegen treten konnte. Mesarosch (33) will laut Medienberichten bei der nächsten Bundestagswahl noch einmal antreten.
CDU holt Direktmandate – und verliert
Etwas anders gelagert ist die Situation bei der CDU, deren abgewählte Abgeordnete Max Mörseburg, Moritz Oppelt, Melis Sekmen (ehemals Grüne) und Alexander Föhr eigentlich allesamt ihre Wahlkreise gewonnen haben, aufgrund des neuen Wahlrechts aber trotzdem nicht in den neuen Bundestag einziehen können.
CDU-Landeschef Manuel Hagel und auch der designierte Kanzler Friedrich Merz haben das prompt für „undemokratisch“ erklärt und fordern nun eine erneute Reform. Die CDU könne nicht dafür bestraft werden, dass sie in Regionen wie Baden-Württemberg fast alle Wahlkreise gewinne und damit dann im Bundestag überrepräsentiert wäre, heißt es.
Bedenkt man die Verkleinerung des Bundestags, relativiert sich jedoch der Aderlass für den Südwesten: 2021 bekam Baden-Württemberg 102 von 735 Sitzen (13,8 Prozent), dieses Mal 79 von 630 (12,5 Prozent). Ausgeschiedene Abgeordnete werden teilweise durch Newcomer ersetzt – auch von der AfD.
Wahlkreissieger ohne Direktmandat
- Max Mörseburg (CDU, WK Stuttgart II)
- Moritz Oppelt (CDU, WK Rhein-Neckar)
- Melis Sekmen (CDU, WK Mannheim)
- Alexander Föhr (CDU, WK Heidelberg)
Linke statt BSW im Bundestag – Tübingen fast verwaist
Ein Sonderfall ist unterdessen die ehemalige Linken-Abgeordnete Jessica Tatti, die im vergangenen Jahr zum Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) gewechselt war und nun den Wiedereinzug in den Bundestag verpasst hat. Die Sozialarbeiterin aus Reutlingen und ihre Mitarbeiter müssen sich jetzt neu orientieren.
Statt Tatti hat eine andere Reutlingerin überraschend einen Sitz errungen, und zwar die Gewerkschaftssekretärin Anne Zerr (Linke). Sie will nun auch ein zusätzliches Büro in Tübingen eröffnen und den durch das neue Wahlrecht von Abgeordneten verwaisten Wahlkreis rund um die Universitätsstadt mit betreuen.
AfD-Mann Goßner wechselt nach Berlin
Bei der AfD wurden durch das erfolgreiche Abschneiden am Sonntag keine amtierenden Abgeordneten abgewählt. Eher umgekehrt: Die Landesgruppe wächst von 10 auf 19 Personen, viele sind neu. Hans-Jürgen Goßner (WK Göppingen) stand auf Listenplatz 6 und wechselt vom Landtag in den Bundestag. Für ihn kann voraussichtlich der Göppinger AfD-Kreisvorsitzende Sandro Scheer im März als Zweitkandidat ins Landesparlament nachrücken.