Ein Fest für die schwäbische Heimat
Am Tag des Schwäbischen Waldes wird bei zahlreichen Veranstaltungen die Vielfalt der Region präsentiert.

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Manfred Pommerer vom Heimatverein Großerlach kennt den Silberstollen wie seine Westentasche und weiß viel darüber zu erzählen. Foto: Alexander Becher
Von Carmen Warstat
Rems-Murr. Unzählige kleinere und große Feste anlässlich des Tages des Schwäbischen Waldes boten gestern die Gelegenheit, die Schönheit der hiesigen Natur zu feiern, in geselliger Atmosphäre und draußen den geliebten Hobbys zu frönen oder auch Gutes zu tun für Menschen, die unter weniger erfreulichen Bedingungen leben müssen. Traumhaftes Wetter erfreute die Veranstalter und Gäste der Events allerorten. Beispielhaft berichten wir aus Großerlach, Grab-Morbach und Althütte.
Tag des Schwäbischen Waldes
Unzählige kleinere und große Feste boten am Tages des Schwäbischen Waldes die Gelegenheit, die Heimat zu erkunden. Unsere Fotografen waren in Großerlach und Althütte mit der Kamera dabei.
Silberstollen In Großerlach beging man den 250. Geburtstag des Großerlacher „Silberrauschs“ und erinnerte an Persönlichkeiten der Geschichte, deren Wirken mit dem als „Gabe Gottes“ bezeichneten Stollen verbunden war. Großerlacher Originale wie Manfred Pommerer vom Heimatverein, der 1963 als Schulkind bei der Freilegung des längst verschütteten Stollens dabei war, erzählten beispielsweise vom Lehrer Schlumberger und der Aktion, die einen Sommer (Kinder-)Arbeit mit sich brachte, nur damit die Behörden den Stollen aus Sicherheitsgründen doch wieder zuschütten ließen. Erst viele Jahrzehnte später wurde er wieder freigelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auch das Schicksal des Vaters von Friedrich Schiller soll mit dem „Silberrausch“ verknüpft und indirekt in das Drama „Die Räuber“ eingeflossen sein, wie Pommerer erzählte. Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Führungen und „Silberschürfen“ für Kinder sowie dem Verkauf von Gedenkmünzen, mit der Kräuterfee Tine sowie auf Wunsch auch mit Kneippkuren für die Füße erfreute die Gäste.
Eröffnet wurde das Jubiläumsfest gemeinsam von Landrat Richard Sigel und der amtierenden Schwäbischen Waldfee Michelle Fuchs sowie Bürgermeister Christoph Jäger, der den beiden zum Dank Gedenkmünzen überreichte. Großerlach war an diesem ereignisreichen Sonntag wahrscheinlich die erste, mit Sicherheit aber nicht die letzte Station des Landrats und der Waldfee, denn anderenorts warteten ebenfalls vielfältige Attraktionen.

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Oldtimer aller Art sind in Morbach zu bewundern, darunter auch etliche historische Schlepper aus Zeiten, als es noch keine Abgasnormen gab. Foto: Alexander Becher
Oldtimertreffen Normalerweise im Zweijahresrhythmus findet in Grab-Morbach ein Oldtimertreffen statt – pandemiebedingt war man terminlich zwar aus dem Tritt gekommen, konnte aber jetzt, am Tag das Schwäbischen Waldes, zum 25. Vereinsjubiläum einladen; der Oldtimerclub wurde 1998 gegründet. Geschätzte 300 Oldtimer, darunter Pkw, Motorräder, Traktoren und andere Fahrzeuge, eines älter als das andere und meist topgepflegt, blitzten in der Sonne. Bewundernde Blicke und Benzingespräche ließen die Herzen der Eigentümer höherschlagen. Gern gaben sie Auskunft: Jedes Mal dabei ist nach eigenem Bekunden Heinz Weller aus Sulzbach/Laufen mit seinem schwarzen Mercedes 170DS, Baujahr 1953, den er schon seit 1965 besitzt. Andere Highlights waren ein roter Jaguar E Type 4.2. oder ein MG 1600 in British Racing Green, aber auch ein grauer Lanz-Traktor „Bulldog“, Baujahr 1951, dessen Dieselmotor mit Kurbelantrieb vorgeführt wurde und ein sattes Tuckern vernehmen ließ. Dietmar Wilhelm, zweiter Vorsitzender vom Oldtimerclub, informierte über die Arbeit des Vereins: Derzeit sind 37 Mitglieder aktiv und treffen sich jeden letzten Donnerstag im Vereinsheim in Morbach, und Wilhelm betonte, dass interessierte Bürger herzlich willkommen sind. Aus bis zu 100 Kilometern Umkreis seien die Aussteller heute gekommen und man könne sagen, dass Teilnehmer aus ganz Baden-Württemberg beim Morbacher Oldtimertreffen vorfahren.

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Jazzfrühschoppen in exotischem Ambiente: Der Festplatz in Althütte verwandelt sich einmal im Jahr in ein indisches Dorf. Foto: Tobias Sellmaier
Indisches Dorf Marianne Frank-Mast und Walter Mast hatten wieder alle Hebel in Bewegung gesetzt, um in Althütte ein attraktives Programm auf die Beine zu stellen und so möglichst viele Besucher für ihr Indienprojekt zu sensibilisieren: Etwa die Feuer- und Lasershow „Flamazing“ am Samstagabend oder der sonntägliche Jazzfrühschoppen kamen bestens an und lockten Stammbesucher in das imaginierte indische Dorf. Vorführungen klassischen indischen Tanzes sorgten für Stimmung, landestypische Gerichte und ein Flohmarkt sowie eine große Fotogalerie auf der Festwiese rundeten das Ganze ab. Mit den eingenommenen Geldern beziehungsweise Spenden werden die Mädchenschulprojekte sowie das Programm „Save The Kids From Hunger“ unterstützt und so freute es die unermüdlichen Organisatoren, dass auch der Landrat Richard Sigel und die Waldfee vorbeischauten, sich informierten und einen Scheck mitbrachten.

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Pilze in Übergröße: Die Waldfee Michelle Fuchs bewundert eines der Kunstwerke, die bei der Fotoausstellung „Pilz-Reich“ in Althütte zu sehen sind. Foto: Tobias Sellmaier
Pilzausstellung Schließlich besuchten die beiden in Althütte auch die Eröffnung der Pilzausstellung „Pilz-Reich“ in der Schulstraße, aus deren Anlass es eine Führung durch den ausgewiesenen Pilzexperten Manfred Krautter gab. Dieser sprach zunächst allgemein über Pilze und kommentierte sodann die großformatigen Fotografien, die vom Fliegenpilz bis zu weniger bekannten Arten wie dem Tintenfischpilz, dem Blutmilchpilz oder dem Goldfell-Schüppling viele eindrucksvolle Exemplare zeigen und in Bildkommentaren über ihr Vorkommen und ihre Eigenschaften informieren. Hier schloss sich der Kreis zur Großerlacher Veranstaltung, auf der Landrat Richard Sigel bereits von der Schönheit der schwäbischen Natur gesprochen hatte. Sein Besuch der Wanderausstellung über Pilze stand auch im Zeichen des Jubiläums 50 Jahre Rems-Murr-Kreis, welches, auch das sei erwähnt, mit dem 30. Jahrestag des Amtsantritts von Althüttes Bürgermeister Reinhold Sczuka zusammenfällt.
Bildergalerie Viele weitere Fotos vom Tag des Schwäbischen Waldes gibt es in einer Online-Bildergalerie unter www.bkz.de.