Eine Feier des Mitgefühls
Zum 50-jährigen Bestehen der Björn-Steiger-Stiftung hält Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble die Festrede
„Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten“, hat der fabelhafte Landesjugendchor zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Björn-Steiger-Stiftung gesungen. Dass vor 50 Jahren Siegfried und Ute Steiger aus der Trauer um den Tod ihres achtjährigen Sohnes heraus ein Werk der Mitmenschlichkeit aufbauten, haben über 400 Gäste, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und weitere Redner in der Präsentationshalle der Firma Kärcher würdig gefeiert.

© Gabriel Habermann
Dunja Hayali und Jörg Thadeusz begrüßen Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble auf dem Podium. Fotos: G. Habermann
Von Martin Schmitzer
WINNENDEN. Zu Beginn erinnerten die prominenten Moderatoren Dunja Hayali und Jörg Thadeusz an den Tod von Björn Steiger, an das Lebenswerk von Ute und Siegfried Steiger, und das Publikum bedachte die Gründer der Stiftung mit einer halben Minute Beifall im Stehen.
„Unglück hat mich gelehrt, Unglücklichen Hilfe zu leisten“ – mit diesem Satz von Vergil begann Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble seine Festrede zum Stiftungsjubiläum. „Der Tod von Björn Steiger hat unser Land verändert.“ Familie Steiger habe die Notfallhilfe regelrecht revolutioniert. Die allgemeine Notrufnummer 112 ist heute Standard.
Damals gab es sie nicht. Schäuble beschrieb den Zustand der heutigen deutschen Gesellschaft kritisch, zitierte Soziologen, die beobachten, dass die gegenseitige Achtung schwindet, und die von einer „Rottweiler-Gesellschaft“ sprechen. Dem setzt Schäuble entgegen: „Wir kommen nur weiter, wenn wir einen Begriff der Solidarität entwickeln, der alle einbezieht. Die Björn-Steiger-Stiftung tut dies. Die Rettungshilfe kommt allen zugute.“
Die Geschichte der Stiftung bestehe aus unzähligen kleinen und großen Wundern. „Ich danke Ihnen und wünsche Ihnen das notwendige Durchhaltevermögen für die nächsten 50 Jahre.“ Dank und großen Respekt sprach die Landeskultusministerin Susanne Eisenmann der Familie Steiger und der Stiftung aus. „Sie arbeiten mit Mitmenschlichkeit und Respekt für jeden – unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe und Kultur.“ Eisenmann erwähnte die Radionachrichten von Autofahrern, die keine Rettungsgassen bilden, von Gaffern, die bei Unfällen filmen, anstatt zu helfen: „Das ist keine Basis für ein Miteinander. Nirgendwo.“
Bei der Steiger-Stiftung bedankte sie sich für das Projekt „Retten macht Schule“. „Wir lernen damit schon in der Schule, dass helfen immer richtig ist.“ Was alle bewundern an Ute und Siegfried Steiger, fasste der Jura-Professor und Präsidialratsvorsitzende der Steiger-Stiftung in Worte: Der Tod des eigenen Kindes ist eine traumatisierende Erfahrung. „Normalerweise würde diese Erfahrung dazu führen, dass man in Trauer versteinert. Aber Ute und Siegfried Steiger sind zu Kämpfern, Motivatoren und Visionären geworden.“ Die Stiftung sei das Gegenteil eines Großunternehmens, erst sechs Jahre nach der Gründung sei der erste Mann eingestellt worden, ein Monteur. Großes habe die Stiftung geleistet: „Ohne dies alles wäre Deutschland ein ganzes Stück ärmer.“
Ausrichter der Feier war die Firma Kärcher, deren Vorstandsvorsitzender Hartmut Jenner in seiner Rede an die Gemeinsamkeiten der beiden Organisationen erinnerte und daran, dass die Stiftung und die Firma Kärcher gemeinsam bei der Flutkatastrophe in Sri Lanka die Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgt haben. „Beide Organisationen sind seelenverwandt.“ Beide hätten eine familiäre und regionale Bodenhaftung, beide eine globale Ausrichtung, für beide seien Mitmenschlichkeit und Empathie Grundlage ihrer Arbeit.

© Gabriel Habermann
Feiern das 50-jährigen Bestehen der Björn-Steiger-Stiftung: Moderator Jörg Thadeusz, Professor Jürgen Gramke, Präsident Pierre-Enric Steiger und Moderatorin Dunja Hayali (von links).