Filmdreh in Spiegelberg
Studenten der Filmakademie Ludwigsburg drehen in Großhöchberg einen Kurzfilm – SWR und Arte unterstützen
1940, Soldaten, Frankreich und jede Menge Sehnsucht: Studenten der Filmakademie Ludwigsburg haben sich fünf Tage in Großhöchberg niedergelassen, um einen Kurzfilm zu drehen. Es geht um die Langeweile bis zum Kriegsbefehl, die Verrohung der Männer – und die Sehnsucht nach zu Hause, nach Nähe, nach Liebe.

Ein Filmteam der Filmakademie dreht bei Spiegelberg-Großhöchberg einen Film. Fotos: A. Becher
Von Sarah Schwellinger
SPIEGELBERG. Sitzkrieg 1940. Eine Gruppe Soldaten ist nah der Grenze Frankreichs stationiert. An diesem Sommerabend hat die Kompanie einen großen Fang gemacht, sie haben Alkohol und Frauenkleider erplündert. Mit etwas Alkohol wird die Stimmung beschwingter, die Soldaten inszenieren eine Tanzshow, in der sich einige als Frauen verkleiden und in die Rolle von Tänzerinnen schlüpfen. Im Mittelpunkt steht Hans. Der steht an diesem Abend unter Druck und muss seine Männlichkeit beweisen.
Es ist ein ungewohntes Bild, wenn man die Straße nach Großhöchberg hinauffährt. Männer stehen da, in Uniform, mit einem Bier in der Hand. Zwischendrin eine junge Frau, Jeans, Shirt, Klemmbrett in der Hand. Im Garten sitzt die Crew und macht Pause, isst gemeinsam zu Abend. Ein Filmteam dreht in dem Spiegelberger Teilort Großhöchberg einen Film. Produzenten sind Dominik Eder und Victorien Barre. Die beiden sind Teil des Programms Atelier LudwigsburgParis. Seit 2002 gehört das Programm fest zum Studienangebot der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg und La Fémis in Paris. Das Atelier Ludwigsburg-Paris ist eine einjährige Weiterbildung, die unter anderem von der Europäischen Union gefördert wird. Die Produktion des Kurzfilms in Spiegelberg wird unterstützt von den Fernsehsendern SWR und Arte; Letzterer wird den Film dann auch ausstrahlen.
Rund 25 Mann stark ist das Team, das sich fünf Tage lang in Großhöchberg niedergelassen hat, um den Kurzfilm zu drehen. „Wir sind hier sehr willkommen“, sagt Dominik Eder, einer der Produzenten des Films, „auch die Bewohner hier unterstützen uns.“ Manch einer habe sogar noch ein Motorrad aus der Zeit gehabt, das er zur Verfügung gestellt hat. Auch Bürgermeister Uwe Bossert habe nicht lang überlegt und gleich seine Unterstützung zugesagt. Das Team ist in den Gasthäusern Löwen und Siller untergebracht.

© Pressefotografie Alexander Beche
Möglichst authentisch soll der Film am Ende werden. Deshalb muss jedes Detail stimmen.
Die meisten Beteiligten sind Studenten der Filmakademie in Ludwigsburg. Hinzu kommen 15 Komparsen und acht professionelle Darsteller.
In „Der schöne Hans“ steht Hans im Mittelpunkt, der aus noblem Hause kommt und mit der Situation im Krieg so seine Probleme hat. Auch mit der Verrohung der Männer, die da vorherrscht, mit dem Benehmen und der Sprache der anderen fühlt er sich nicht wohl. Doch langsam, aber sicher passt er sich den anderen an.
Die Kompanie ist stationiert in Frankreich. Beim Warten auf den Kriegsbefehl kehrt Langeweile ein. Der Alkohol bringt die Männer auf die Idee, sich als Frauen zu verkleiden und eine Bourlesque-Tanzshow zu machen. Doch im Mittelpunkt stand den Filmemachern nicht, das Männerbild infrage zu stellen, sondern es geht um mehr.
„Mit der Zeit fallen die Hemmungen“, erzählt Eder. Die Soldaten lassen Zwischenmenschlichkeit und Nähe zu – immer unter der Prämisse, dass Mann in diesem Fall Frauenkleider trägt. Mit Anbruch des Morgens kehrt wieder der heteronormative Zustand ein.
Die Idee dazu kam den Filmemachern durch einen Bildband, der eben solche Situationen während der Kriegszeit mit Fotos dokumentiert.
In der Weihnachtszeit im vergangenen Jahr begann die Vorproduktion des Films, Ende August soll er dann fertig sein. Rund anderthalb Monate rechnet Eder noch für die Postproduktion ein.