Frauenforum Backnang: Podiumsdiskussion mit Irmtraud Wiedersatz und Patrizia Rall

Der Wunsch nach einer weiblicheren Note in der Politik wird bei der Podiumsdiskussion des Frauenforums Backnang im Technikforum laut.

Auf dem Podium (von links): Die Bürgermeisterinnen Patrizia Rall und Irmtraud Wiedersatz sowie Dorothee Winter (Moderatorin) und Stadträtin Pia Täpsi-Kleinpeter. Foto: Jutta Rieger-Ehrmann

Auf dem Podium (von links): Die Bürgermeisterinnen Patrizia Rall und Irmtraud Wiedersatz sowie Dorothee Winter (Moderatorin) und Stadträtin Pia Täpsi-Kleinpeter. Foto: Jutta Rieger-Ehrmann

Von Carmen Warstat

Backnang. Ist die Zukunft weiblich? Und was machen Frauen mit Einfluss gegebenenfalls anders als ihre männlichen Kollegen? Welche Visionen treiben sie an, woran wachsen sie? Diese und andere Fragen hatte das Frauenforum Backnang vorbereitet und zu einer Podiumsdiskussion ins Technikforum eingeladen. Jutta Rieger-Ehrmann als Vorsitzende des Vereins eröffnete die Veranstaltung im Rahmen der Frauenwirtschaftstage Baden-Württemberg, die auch in diesem Jahr wieder vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus ausgerichtet wurden und komplexe Themenfelder beleuchteten.

„Frauen. Gründen. Zukunft.“ – so das Motto, das Anspruch und Wirklichkeit zu verbinden suchte und das bei vielen regionalen Veranstaltungen analog, hybrid oder online erörtert wurde. Schon zum 17. Mal sei Backnang dabei, so Jutta Rieger-Ehrmann, die zunächst die Unterstützung durch die Stadt lobte und deren Vertreterin Regine Wüllenweber begrüßte. Als Leiterin des Amts für Familie, Jugend und Bildung sei diese vom Fach und habe selbst auch schon auf einem Podium der Frauenwirtschaftstage Platz genommen.

Täpsi-Kleinpeter hofft auf eine frauenfreundlichere Familienpolitik

Dort saßen dieses Mal die Bürgermeisterinnen Irmtraud Wiedersatz (Burgstetten) und Patrizia Rall (Allmersbach im Tal) sowie die Stadträtin Pia Täpsi-Kleinpeter und die frühere Stadträtin Dorothee Winter als Moderatorin, beide aus Backnang.

Viel wichtiger als der Staat sei die Gemeinde, zitierte Rieger-Ehrmann Theodor Heuss, um die Bedeutung der Kommunalpolitik zu bekräftigen und zum Podiumsgespräch überzuleiten. Moderatorin Dorothee Winter gab eine kurze Einführung zur allgemeinen politischen Lage und der Situation von Frauen im Besonderen. Man habe „drei aktive Frauen gewonnen“: Irmtraud Wiedersatz als dienstälteste Bürgermeisterin in ganz Baden-Württemberg, Patrizia Rall als jüngere Kollegin und Pia Täpsi-Kleinpeter als Inhaberin mehrerer Ehrenämter.

Die Frauen sprachen über die Erwartungen, mit denen sie ihre Ämter übernommen hatten, über die Spielräume und Gestaltungsmöglichkeiten, die ihnen für die Umsetzung ihrer Ideen zur Verfügung ständen, über ihre Projekte, Erfolge, Probleme und Wünsche für die Zukunft. Pia Täpsi-Kleinpeter hofft auf eine frauenfreundlichere Familienpolitik, und auch Patrizia Rall wünscht sich eine „weiblichere Note in der Politik“, und Irmtraud Wiedersatz sprach unter anderem das Bürokratieproblem an. Im Publikum befanden sich nur wenige Zuhörerinnen und Zuhörer, diese aber diskutierten zum Abschluss intensiv mit und hatten drängende Fragen dabei: Wie soll das Hausarztproblem in der Stadt geklärt werden? Existieren Initiativen vonseiten des Rathauses dazu? Die Antwort von Regine Wüllenweber: Es gibt Überlegungen, ein Ärztehaus einzurichten, aber das Problem sei vielschichtig.

Wiedersatz geht hart mit der Landesregierung ins Gericht

Der Fachkräftemangel sei allgegenwärtig, so Irmtraud Wiedersatz sinngemäß, sie kritisierte in diesem Zusammenhang die teure Promotion-Kampagne „The Länd“ bei gleichzeitiger Entlassung junger Lehrer über die Sommerferien und ging recht hart mit der Landesregierung ins Gericht. Zur Anerkennung der Abschlüsse von Flüchtlingen wurde ebenso diskutiert wie zum Gehalt von Erzieherinnen.

Die Schlussfrage danach, was Frauen in der Politik anders machen als Männer, wurde von Wiedersatz fast nur mit einem Wort beantwortet („Teamarbeit“), Patrizia Rall hob die Rolle der Frau als „Kümmerer“ hervor, und Täpsi-Kleinpeter lobte den weiblichen Pragmatismus: „Wenn ein Lösungsansatz da ist, machen die das auch.“ Moderatorin Dorothee Winter nahm es als prima Schlusssatz und lud zu individuellen Gesprächen im Anschluss ein.

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Erstellt:
24. Oktober 2022, 06:00 Uhr

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