Freundlichkeit und Mut bewiesen

Sami Masood erhält zum dritten Mal die Auszeichnung „Busfahrer des Jahres“  –  Sonderpreis für Zivilcourage geht an Bahman Farhadi

Bereits zum 16. Mal hat der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) gestern die Auszeichnung „Busfahrer des Jahres“ verliehen. Im Rems-Murr-Kreis ging der Titel an Sami Masood vom Omnibusunternehmen Römer, der die Auszeichnung schon zum dritten Mal erhält. Zusätzlich vergab der VVS den Sonderpreis für Zivilcourage an den Busfahrer Bahman Farhadi von Omnibus Verkehr Ruoff (OVR). Er war drei Mädchen in einer Notsituation zu Hilfe geeilt.

Sami Masood (hinten rechts) ist von den Fahrgästen zum Busfahrer des Jahres im Rems-Murr-Kreis gewählt worden. Bahmann Farhadi (Dritter von rechts) wurde von VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger (rechts) mit dem Sonderpreis für Zivilcourage ausgezeichnet, weil er drei Mädchen in Not gerettet hat. Die beiden Chefs Harald Römer (links) und Horst Windeisen sind mächtig stolz auf ihre Fahrer. Foto: VVS

Sami Masood (hinten rechts) ist von den Fahrgästen zum Busfahrer des Jahres im Rems-Murr-Kreis gewählt worden. Bahmann Farhadi (Dritter von rechts) wurde von VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger (rechts) mit dem Sonderpreis für Zivilcourage ausgezeichnet, weil er drei Mädchen in Not gerettet hat. Die beiden Chefs Harald Römer (links) und Horst Windeisen sind mächtig stolz auf ihre Fahrer. Foto: VVS

Von Mara Brunner

WINNENDEN. „Busfahren ist nicht so leicht, wie viele es vielleicht denken. Die große Herausforderung besteht darin, das Zusammenspiel von Straßenverkehr, Zeitdruck und Sicherheit zu meistern“, erzählte Sami Masood, als ihm VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger und Eberhard Frank, stellvertretender ÖPNV-Amtsleiter im Rems-Murr-Kreis, auf dem Gelände des Omnibusunternehmen Römer die Auszeichnung zum Busfahrer des Jahres überreichten.

Wer es daneben auch noch schafft, seinen Fahrgästen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und sie mit seiner freundlichen Art zum Lachen zu bringen, der hat den Titel „Busfahrer des Jahres“ mehr als verdient. Dass der zweifache Vater all diese Voraussetzungen erfüllt, zeigen die unzähligen Zuschriften seiner Fahrgäste, die ihn nominiert haben. „Man merkt ihm an, dass er Busfahrer mit Leidenschaft ist“, heißt es beispielsweise auf einem der Stimmzettel.

Busfahrer ist ein Mangelberuf

Jedes Jahr sind die Fahrgäste des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart dazu aufgerufen, über in den Bussen ausgelegte Stimmzettel oder über das Internet den Busfahrer oder die Busfahrerin des Jahres zu nominieren und zu begründen, warum er oder sie den Titel verdient hat.

„Der Beruf Busfahrer ist ein Mangelberuf. Schichten oder am Wochenende arbeiten, das möchte natürlich nicht jeder. Uns ist es wichtig, dass man die Busfahrer in den Vordergrund stellt und zeigt, wie wichtig sie sind. Umso schöner ist es dann zu sehen, dass es Menschen wie Sami Masood gibt, die ihren Job so gut machen und neben fachlicher Kompetenz auch noch ein offenes Ohr für ihre Fahrgäste haben“, lobte der VVS-Geschäftsführer den Preisträger.

Auch Masoods Chef, Harald Römer, freut sich über die Auszeichnung: „Ein Mitarbeiter wie Sami Masood ist einfach Gold wert“. Seine hilfsbereite und offene Art gegenüber den Fahrgästen komme einfach gut an. „Busfahrer wie er sind Aushängeschilder für unser Unternehmen“, so Römer. Bei der starken Konkurrenz als Gewinner bestimmt worden zu sein, sei eine ganz besondere Anerkennung, lobte Frank.

Mit besonderem Engagement konnte an diesem Tag auch Bahman Farhadi die Anwesenden beeindrucken – allerdings ging es um einen Vorfall, der für alle Beteiligten wenig erfreulich war. Farhadi schaute nicht weg, als am 30. Mai in Backnang drei junge Frauen im Alter von 17 und 18 Jahren vor einem betrunkenen Mann belästigt und sexuell genötigt wurden (wir berichteten). Er schritt ein, überwältigte den Peiniger und wurde dabei selbst verletzt. Für diesen „heldenhaften Einsatz“, so Eberhard Frank, wurde Farhadi mit dem Sonderpreis für Zivilcourage gewürdigt.

Nach Biss in den Arm fünf Wochen krankgeschrieben

Der Geehrte erinnert sich noch gut an besagten Abend: „Es war gegen halb zehn, ich war auf der Bleichwiese in Backnang, um mir etwas die Beine zu vertreten, da sah ich in der Ferne drei Mädchen. Als sie mich sahen, riefen sie plötzlich „Busfahrer, Busfahrer!“ Sie erkannten mich, weil sie schon jahrelang mit mir im Bus unterwegs sind. Als ich näherkam, sah ich, dass sie von einem Betrunkenen belästigt wurden, also sprach ich mit dem Mann und rief die Polizei. Leider wurde der Mann immer aggressiver, schlug mir ins Gesicht und biss mir in den Arm. Trotzdem habe ich ihn festgehalten, bis die Polizei kam“, erzählte Farhadi.

Spurlos ging dieser Einsatz allerdings nicht an ihm vorüber. Der Biss in den Arm stellte sich als schlimmer heraus, weshalb er fünf Wochen krankgeschrieben werden musste. „Die Mädchen und ihre Eltern haben mich in dieser Zeit besucht und sich bei mir bedankt, das hat mich sehr gefreut“, sagte er.

Vergeben wird der Sonderpreis für Zivilcourage immer dann, wenn sich jemand im Zusammenhang mit dem ÖPNV für das Wohl anderer eingesetzt hat. „Es ist schön zu sehen, dass Busfahrer ihren Fahrgästen ein solches Gefühl von Sicherheit vermitteln. Bahman Farhadi war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatte den Mut, einzugreifen anstatt wegzulaufen. Das hätte nicht jeder getan“, lobte Frank den 56-Jährigen. „In Zeiten, in denen immer mehr Menschen wegschauen oder in Notsituationen gaffen, ohne zu helfen, ist es besonders wichtig, einzugreifen oder Hilfe zu holen, wenn jemand in Not ist“, sagte VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger.

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Erstellt:
1. August 2019, 06:00 Uhr

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