Gemeinde Althütte verabschiedet ein Sparprogramm
Angesichts der Energiekrise wird die Temperatur in öffentlichen Gebäuden abgesenkt und die Straßen- und Weihnachtsbeleuchtung reduziert.

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Etwa in der Sporthalle und in der Festhalle in Althütte soll weniger geheizt werden.
Von Annette Hohnerlein
Althütte. In den kommenden Monaten wird man sich in Althütte warm anziehen müssen. Die Schüler und die Beschäftigten im Rathaus tun gut daran, schon mal die dicken Pullover, Socken und Wolldecken bereitzulegen. Denn in den öffentlichen Gebäuden wird es in diesem Winter kühler sein als in den vergangenen Jahren. Bei horrenden Energiepreisen und einer im Lauf des Winters drohenden Gasmangellage ist Energie sparen das Gebot der Stunde.
Einige Einschränkungen sind bereits durch eine Verordnung des Bundes geregelt, andere können die Städte und Gemeinden nach eigenem Ermessen festlegen. In Althütte hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag folgende Maßnahmen beschlossen: In den beiden Grundschulen in Althütte und Sechselberg wird in den Klassenzimmern die Temperatur auf 20 Grad Celsius abgesenkt, in Lehrerzimmern und anderen Verwaltungsräumen gilt eine Obergrenze von 19 Grad. Bei den Kleinsten darf es etwas wärmer sein, in den Kitas liegt die vorgegebene Temperatur bei 22 Grad, im Wickelbereich auch darüber.
Die Sporthalle in Althütte wird nur noch auf 15 Grad beheizt, nebenan in der Festhalle und im Bürgerhaus Sechselberg gelten 19 Grad. An den Waschbecken, die vorwiegend zum Händewaschen genutzt werden, wird – wenn möglich – das Warmwasser abgeschaltet. Einzelveranstaltungen sind von diesen Einschränkungen zunächst ausgenommen. Außerdem sollen das Personal und die Bevölkerung sensibilisiert werden.
Rudi Beck von der Freien Wählervereinigung gab zu bedenken, dass einige der öffentlichen Gebäude bereits sparsam beheizt würden. „Wofür haben wir eine Hackschnitzelanlage gebaut?“ Bürgermeister Reinhold Sczuka erinnerte daran, dass das Rathaus, die Anna-Haag-Schule und die Sporthalle für besonders kalte Tage noch zusätzlich auf eine Ölheizung angewiesen sind.
Eine Mehrheit des Gemeinderats kippt das Duschverbot
Bei all diesen Maßnahmen herrschte Konsens unter den Gemeinderäten, sie gingen am Ende ohne Gegenstimmen durch. Für Diskussionen sorgte jedoch der Vorschlag der Verwaltung, das Duschen in der Sporthalle nur noch bei Wettkämpfen zu erlauben, im Trainingsbetrieb hingegen nicht mehr. Gabriele Gabel vom Forum Althütte 2000 wandte ein, dass dies volkswirtschaftlich gesehen keinen Sinn mache: „Wenn wir das Duschen in der Halle verbieten, dann duschen die Sportler eben zu Hause.“ Ihr Kollege Björn Fuchs ergänzte, dass ein solches Verbot auch für den Pächter des TSV-Vereinsheims Nachteile bringen könne, weil die Sportler nach dem Duschen wohl nicht mehr zurückkämen. Eine Mehrheit der Gemeinderäte schloss sich diesen Argumenten an und kippte das Duschverbot.
Auch über die Einschränkung der Weihnachtsbeleuchtung wurde diskutiert. Gegen die Stimmen des Forums Althütte 2000 votierte das Gremium für den Vorschlag der Gemeindeverwaltung, die Weihnachtsbäume am Rathaus in Althütte und bei der Grundschule in Sechselberg wie bisher aufzustellen und zu beleuchten, den übrigen Lichterschmuck aber wegzulassen. „Die beiden Weihnachtsbäume abzuschalten wäre das völlig falsche Signal“, sagte Sczuka, „das wäre Wasser auf die Mühlen derjenigen, die die Situation nutzen, um die Demokratie zu destabilisieren.“ Petra Tänzer von der Freien Wählervereinigung brachte es auf den Punkt: „Es wird zwei Meinungen geben, man wird es nicht allen recht machen können.“
Geplant ist eine Reduzierschaltung, die die Beleuchtung dimmt
Eine weitere Sparmaßnahme betrifft die Straßenbeleuchtung, die in der Gemeinde bereits 2018 auf die stromsparende LED-Technik umgestellt wurde. Geplant ist nun eine sogenannte Reduzierschaltung, bei der die Leuchten wie mit einem Dimmer heruntergeregelt werden. „Eine solche Reduzierschaltung wäre für das Auge kaum wahrnehmbar und würde wohl rund 30 Prozent Energie einsparen“, vermutet der Bürgermeister. Ausgenommen von dieser Regelung wäre die Beleuchtung von Zebrastreifen. Die Verwaltung wurde vom Gemeinderat einstimmig beauftragt, mit dem Versorger Syna zu klären, welcher Aufwand mit einer solchen Umstellung verbunden wäre.
Die 31 Kommunen im Rems-Murr-Kreis haben sich im Vorfeld über diejenigen Maßnahmen abgestimmt, die sie in Eigenregie veranlassen können, um hier so weit als möglich einheitlich vorzugehen.
Seit dem 1. September ist darüber hinaus eine Verordnung des Bundes in Kraft, die weitere Einschränkungen regelt, zunächst befristet bis Ende Februar 2023 (wir berichteten). Demnach gilt für öffentliche Gebäude: Gemeinschaftsflächen wie Flure oder Foyers dürfen nicht mehr beheizt werden. Für Arbeitsplätze mit überwiegend sitzender Tätigkeit gilt eine Temperaturobergrenze von 19 Grad, bei körperlich leichten und mittelschweren Arbeiten ist die Raumtemperatur auf 16 Grad abzusenken.