Großerlacher Bürgertreff: Aufruf, respektvoll miteinander umzugehen
Beim Großerlacher Bürgertreff kritisiert Bürgermeister Christoph Jäger die Bundes- und Landespolitik für zu viele Vorgaben: Darum sei die Belastungsgrenze der Kommunen überschritten. Zahlreiche Personen erhalten Ehrungen für ehrenamtliches Engagement.

© Tobias Sellmaier
Bürgermeister Christoph Jäger (stehend, zweiter von links) ehrte beim Bürgertreff zahlreiche ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger.
Von Elisabeth Klaper
Großerlach. Endlich konnten sich die Einwohnerinnen und Einwohner der kleinen, feinen Gemeinde wieder beim Bürgertreff versammeln, nach zweimaliger Absage wegen der Coronapandemie. Nun gelte es, den „Trend zur Spaltung in unserer Gesellschaft zu überbrücken: Gerade jetzt brauchen wir Gemeinsinn und Solidarität“, betonte Bürgermeister Christoph Jäger in der fast voll besetzten Gemeindehalle. Darum „müssen wir wieder lernen, respektvoll miteinander umzugehen“, denn nur gemeinsam sind die großen Herausforderungen zu meistern. Dafür sei es „nötig, das persönliche Wohl dem Gemeinwohl unterzuordnen, anderen auf Augenhöhe zuzuhören und zu versuchen, sie zu verstehen“.
Basis dafür seien gemeinsame Begegnungen und Erlebnisse wie Kulturveranstaltungen. Dabei kooperiere die Gemeindeverwaltung künftig mit dem Förderverein Sport und Kultur und einer Gruppe ehrenamtlich mitarbeitender Personen. Pointiert kritisierte Jäger die Bundes- und Landespolitik für immer neue Vorgaben und Anforderungen: „Die Belastungsgrenze der Kommunen ist überschritten, die staatlichen Leistungsversprechen sind in der Gesamtheit nicht mehr erfüllbar“, zitierte er Gemeindetags-Präsident Steffen Jäger. „Was von den Kommunen abverlangt wird, bindet finanzielle und personelle Ressourcen“ so stark, dass es sie lähme: Wenn sie „schlapp machen, droht Deutschland als Motor Europas zur Bremse zu werden“, warnte der Großerlacher Rathauschef.
Der Einkauf ist vor Ort wieder möglich, der Ärztemangel bleibt ein Albtraum
Zur Entwicklung der Ortsmitte Großerlach stellte er klar: Der Bauhof-Standort sei „suboptimal“, woraus die Überlegung folge, ob er verlegt werden könnte. Indes baute man erst eine neue Waschplatte und errichte jetzt Salzsilos. Ein Alternativstandort wurde noch nicht untersucht, und bis zur Umsetzung werden noch etliche Jahre vergehen: Winterdienst und Bauhofbetrieb laufen weiter, versicherte Jäger. Ein Herzensanliegen sei die Nahversorgung: Der Lebensmitteleinkauf ist vor Ort wieder möglich, doch der Ärztemangel bleibe ein „Albtraum“: Die Notfallversorgung sei gewährleistet, aber vor Ort gebe es weiterhin weder einen Hausarzt noch Kinderarzt.
Weitere Herzensanliegen des Rathauschefs sind Bildung und Betreuung: Für den neuen Waldkindergarten Knickenhöfle wird Christoph Jäger, Inhaber des Motorsägenscheins, persönlich die noch fehlenden fünf Fahrradstellplätze in einem Rundholz zurechtsägen. Der Gemeinderat trage die Realisierung des Medienentwicklungsplans für die Grundschule mit, trotz Verdreifachung des Gemeindeanteils wegen zu geringer Zuschüsse. Ab Februar 2023 soll wieder ein Grundschulchor singen, wofür die Stiftung einer verstorbenen Mitbürgerin eine Chorleiterin finanziert. Mit schwungvollen Klängen sorgte der Musikverein für gute Stimmung.

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Die Schwalbenflughalle in Grab war beim 14. Großerlacher Bürgertreff fast voll besetzt. Fotos: Tobias Sellmaier
Zahlreiche Ehrennadeln werden verliehen
Für langjähriges Engagement in Ehrenämtern zeichnete der Bürgermeister sechs Personen mit Gold-Ehrennadeln aus. Von der Freiwilligen Feuerwehr Großerlach Elmar Schober, seit 36 Jahren Schriftführer und seit 26 Jahren Kassenwart, sowie Wolfgang Wieland, 38 Jahre aktiv und 30 Jahre Gruppenführer. Vom Musikverein Gründungsmitglied Walter Metzger, seit 60 Jahren Festwart, 58 Jahre Instrumentenwart sowie zehn Jahre Kassier, des Weiteren Christoph Deuchler, ehemaliger Ortsvorsteher, Ortschaftsrat, Gemeinderat und Limes-Cicerone, Helga Bay für 30 Jahre Mitarbeit im Kirchengemeinderat und bei den Landfrauen, sowie Werner Zick, im Brieftaubenverein seit Jahren auch als Vorstand und überregional tätig.
Die Silber-Ehrennadel erhielt Rainer Erkert, 25 Jahre Hauptkassier der Sportfreunde Großerlach. Bronze-Ehrennadeln bekamen drei Mitglieder desselben Vereins: Jörg Eckstädt, 18 Jahre stellvertretender Vorsitzender, Christel und Helmut Deininger, 20 Jahre Abteilungsjugendleiter Volleyball und kurzzeitig 2. Vorsitzende. Zudem Ulrich Huber, seit Gründung des Fördervereins der Grundschule Großerlach 2001 Vorsitzender, und Herbert Förster, dort ebenso lang Kassenwart. Bronze-Ehrennadeln für besondere Leistungen verlieh der Bürgermeister der Mannschaft der FFW Großerlach für das Leistungsabzeichen in Bronze: Daniel Feyertag (Gruppenführer), Stefan Wieland (Maschinist), Tobias Böhringer, Kim Galjatz, Marcel Grauf, Philipp Hermann, Simon Pfeil, Göran Müller, Thomas Feyertag, Michael John. Ebenso Mathematik-„Käpsele“ Fabian Kalmbach, der das Abitur am Murrhardter Heinrich-von-Zügel-Gymnasium mit Bestnoten absolvierte und dafür etliche Preise einheimste.
Außerdem zeichnete Jäger Blutspender für ihre lebensrettenden Gaben mit Ehrennadeln aus: Rekordhalter ist Günther Neuhaus mit 150 Spenden. Fleißig waren auch Renate Holch-Weber mit 75, Hans-Dieter Eller, Heinz Gruber und Daniel Rokos mit je 50, Rosemarie Brockmann-Monser, Mario Assenheimer, Karl-Heinz Feil und Günther Neubauer mit je 25 sowie Marco Klenk und Tatjana Faißt mit je zehn Spenden.