Jeder kann sich für den Naturschutz einbringen

Artenschutz vor der Haustür Die hiesigen Naturschutzvereine sind in vielen Bereichen aktiv und freuen sich stets über neue Helfer. Jeder könne sich nach den eigenen Möglichkeiten einbringen, versichern sie.

Die Ehrenamtlichen des Nabu Aspach pflegen die Biotope im Gemeindegebiet. Foto: privat

Die Ehrenamtlichen des Nabu Aspach pflegen die Biotope im Gemeindegebiet. Foto: privat

Von Lorena Greppo

Rems-Murr. In den vergangenen Wochen haben Engagierte aus der Region im Rahmen unserer Serie „Artenschutz vor der Haustür“ verschiedene Möglichkeiten vorgestellt, wie man sich im privaten Raum für die Biodiversität stark machen kann. Vieles setzt voraus, dass man einen eigenen Garten, Balkon oder andere Flächen zur Verfügung hat. Doch gibt es auch andere Möglichkeiten, sich für den Artenschutz einzusetzen. Die letzte Folge der Serie soll daher aufzeigen, wie man sich über die örtlichen Vereine einbringen kann. Klar wird dabei schnell: Wer wirklich etwas bewegen möchte, der findet die Strukturen dafür.

„Jede Hilfe ist willkommen“, sagt Jochen Schäufele, Vorsitzender des Nabu Aspach. Schließlich, und das steht für gewöhnlich nicht im Vordergrund, fällt auch in Vereinen einiges an Papierkram an. „Und auch die Betreuung der Homepage muss gemacht werden.“ Wer also nicht bei Arbeitseinsätzen mit anpacken kann, kann dem Verein dennoch eine wichtige Stütze sein. Dirk Jerusalem, Mitglied im Vorstand des BUND Backnanger Bucht, sieht vor allem in der Koordination von verschiedenen Projekten Bedarf. „Ist etwas dann mal organisiert, findet man immer Helfer.“ Der Verein, der aktuell etwa 200 Mitglieder zählt, biete auch die Möglichkeit, neue Projekte anzustoßen. Mehr noch, dies sei sogar gewünscht.

Ob Vögel, Bilche oder Amphibien – sie alle erhalten Unterstützung

Ansonsten gebe es natürlich auch zahlreiche laufende Projekte, in die sich Interessierte einbringen können: das Projekt Gartenschläfer, welches zum Ziel hat, das Vorkommen von Bilchen in der Region erfassen, die Betreuung des naturnah gestalteten Patengrundstücks in Sachsenweiler (wir berichteten über beide) oder die Pflege der Weissachaue. „Wir haben hier regelmäßig Treffen organisiert, um Müll zu sammeln, daran kann man sich beteiligen. Perspektivisch wollen wir auf diesem Gelände aber mehr machen“, so Jerusalem. Beispielsweise könnten dort Nistkästen für Vögel oder Fledermäuse angebracht werden.

Auch Jochen Schäufele sagt: „Projekte gibt es bei uns sehr viele.“ Vor allem Vögel stehen im Zentrum vieler Hilfsmaßnahmen – die Arbeitsgemeinschaft Artenschutz Aspach bringt sich hier vielfältig ein. Die Nabu-Gruppe Aspach wiederum kümmert sich um die Betreuung, Reinigung und Reparatur der etwa 90 Niströhren für Steinkäuze in der Region, beringt die Jungvögel und kümmert sich auch ums Wohl von Rauch- und Mehlschwalben, Wasseramseln, Gebirgsstelzen und Fledermäusen – etwa durch Kunstnester oder Nistkästen.

Das Steinkauzprojekt im nördlichen Rems-Murr-Kreis erfordert viel Einsatz – etwa beim Beringen der Jungvögel. Archivfoto: Alexander Becher

© Tobias Sellmaier

Das Steinkauzprojekt im nördlichen Rems-Murr-Kreis erfordert viel Einsatz – etwa beim Beringen der Jungvögel. Archivfoto: Alexander Becher

Und auch was die Amphibien angeht, sind die Aspacher überaus aktiv: „Wir begleiten die Amphibienwanderung an sieben Wanderstrecken“, führt Schäufele aus. Anders als in Backnang, wo die Wanderstrecke vom Plattenwald zum Biotop Pfaffenrinne mit Zäunen versehen wird, die die hiesige Nabu-Gruppe täglich kontrolliert, verzichten die Aspacher auf dergleichen. „Bei uns ist das Verkehrsaufkommen nachts nicht so groß“, erklärt Schäufele. Im Nabu Backnang, teilt dessen Vorsitzende Anja McGrath mit, seien zwar über 600 Menschen Mitglied, aber „leider nur sehr wenige Aktive“. Gerade bei der Amphibienwanderung, im Steinkauzschutz oder im Einsatz für naturnahe Gärten sei Unterstützung gern gesehen.

Die Pflege der Biotope ist ebenfalls Sache der Ehrenamtlichen

Doch nicht nur die Betreuung der Kröten, Frösche und Molche gehört zum Arbeitsbereich des Nabu, auch die Pflege der Biotope erfolgt in Aspach durch die Ehrenamtlichen. Hier wird Rohrkolben aus den Gewässern gezogen, Hecken werden zurückgeschnitten und Wiesen gemäht. Der Ufersaum sowie die angrenzende Feuchtwiese sollen so vom Bewuchs frei gehalten werden. „Vor allem dir Schlehe und Erle würden sich sonst sehr schnell breitmachen.“ So erhalte man Lebensräume für Erdkröten, Grasfrösche, Neuntöter und diverse Insektenarten.

All das seien mehrjährige Aufgaben, die also mit einer gewissen Verpflichtung einhergehen. Diese allerdings erstrecke sich nicht auf einzelne Personen. „Wer einmal zum Helfen kommt muss deshalb nicht jedes Mal dabei sein“, versichert er. Für jeden Einsatz sei er dankbar. Für die Arbeiten, versichert Schäufele, müsse man kein ausgewiesener Fachmann sein. Der Nabu gebe Einweisungen oder vermittle Schulungen. „Die Aktionen sind immer sehr gesellig“, hebt er hervor. Von den aktuell etwa 650 Mitgliedern der Nabu-Gruppe in Aspach (viele kommen auch aus den Umlandgemeinden) seien meistens zwischen fünf und zehn Personen im Einsatz. „Je mehr Leute wir haben, desto schneller geht es von der Hand“, so Schäufele.

Ende Juni würden beispielsweise im Sandbruch an der Hochstraße Kanadische Goldruten geerntet. Dabei handelt es sich um sogenannte Neophyten, also um nicht einheimische Pflanzen. Mit deren Entnahme werde sichergestellt, „dass der Lebensraum der bei uns seltenen Berg-Sandrapunzel erhalten bleibt“. Der Einsatz habe schon Früchte getragen, berichtet Schäufele erfreut: „Der Bestand der Kanadischen Goldrute hat spürbar abgenommen.“

Nachdem er die vielen Projekt aufgezählt hat, kommt Jochen Schäufele zu dem Schluss: „Wer sich einbringen möchte, der findet auch ein passendes Projekt.“ Die Arbeit zum Wohle der Biodiversität in der Region gehe jedenfalls nicht aus.

Kontakt zu den Vereinen

BUND Backnanger Bucht E-Mail: bund.backnanger-bucht@bund.net; Facebook-Seite: www.facebook.com/BUNDBacknang

Nabu Aspach E-Mail: Info@NABU-Aspach.de; Website: http://www.nabu-aspach.de; Facebook-Seite: www.facebook.com/NABU.Aspach

Nabu Backnang E-Mail: info@nabu-backnang.de; Website: www.nabu-backnang.de; Facebook-Seite: www.facebook.com/NABU.Backnang

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Erstellt:
26. November 2022, 11:30 Uhr

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