Keine Tüv-Abnahme: Weitere Mängel am Aufzug
Der Einzug ins neue Apartmenthaus Dietrich Bonhoeffer in Backnang verzögert sich weiter – Heimleitung verzweifelt

© Pressefotografie Alexander Beche
Der Aufzug hat laut Tüv weitere erkennbare Mängel. Heimgeschäftsführer Eckart Jost ist verzweifelt. Foto: A. Becher
Von Yvonne Weirauch
BACKNANG. „So was habe ich noch nie erlebt“, sagt Sabine Laible, die stellvertretende Geschäftsleitung des Alten- und Pflegeheims Staigacker, und man merkt ihr das verzweifelte Kopfschütteln direkt durch die Telefonleitung an.
Im Mai ist das neue Apartmenthaus Dietrich Bonhoeffer auf dem ehemaligen Krankenhausareal in Backnang eingeweiht worden. Der Neubau konnte zu jenem Zeitpunkt noch nicht in Betrieb genommen werden, da der Einbau des Aufzugs für Verzögerungen sorgte. Die Bewohner sollten im Juli einziehen. Dazu kam es nicht. Der Aufzug war gänzlich kaputt, ein Modul war hin und die Reparaturarbeiten nicht in Sicht (wir berichteten).
In der vergangenen Woche wurde der Aufzug seitens der Einbaufirma Vestner Aufzüge GmbH unter die Lupe genommen und repariert, sodass ein weiterer angesetzter Tüv-Termin am Montag eingehalten werden konnte. Allerdings mit keinem guten Ergebnis, wie Sabine Laible wissen lässt: „Der Tüv hat den Aufzug nicht abgenommen. Größter Mangel: Die Gegengewichte waren nicht ausreichend.“ Auf dem Protokoll, das Sabine Laible vorliegt, stehen noch „weitere erkennbare Mängel“. Diese seien der stellvertretenden Geschäftsleiterin aber nicht en détail genannt worden. Ihren Kollegen, Geschäftsführer Eckart Jost, habe sie sofort über die neuen Erkenntnisse informiert. Er verweilt noch gut zwei Wochen im Urlaub.
Wie es jetzt weitergeht, wisse man nicht. Ein neuer Tüv-Termin kann verständlicherweise erst vereinbart werden, wenn die Mängel behoben sind: Ohne einen funktionierenden Aufzug gebe es keine Tüv-Abnahme und ohne TüvAbnahme wird keine Heimgenehmigung erteilt. „Wir haben natürlich auch gleich die Firma informiert“, sagt Laible. Man habe aber noch keine Antwort erhalten. „Wir werden jetzt wohl einen Gutachter beauftragen. So kann das ja nicht weitergehen.“ Wie Eckart Jost vor wenigen Wochen berichtete, musste man schon zweimal einen geplanten Tag der offenen Tür abgesagen. Die mehrmaligen Kontaktaufnahmen mit der Firma Vestner wären immer ins Leere gelaufen. Das Unternehmen vertröste nur. Die Heimgeschäftsleitung habe zwar verschiedene Ansprechpartner, aber es heiße immer, der Subunternehmer habe keine Zeit, sei im Urlaub oder der Zeitplan sei gerade sehr eng. Es mache einen so hilflos, so Jost. Keiner könne es verstehen, dass eine so große Aufzugsfirma ein Heim so blocken und alles ins Chaos stürzen kann.
Alles verzögere sich um Monate, die Mehrkosten würden dadurch gar kein Ende nehmen. „Man muss sich das mal vorstellen: Wir können gar keine Möbel befördern. Alles ist nur über diesen Aufzug möglich.“ Derzeit sind die mit Folie umhüllten Möbel im Erdgeschoss abgestellt. Ein Passant habe schon gefragt, ob das eine „Außenstelle vom Wohnland ist“. Von der Firma Vestner, die Niederlassungen in ganz Deutschland, in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Spanien und Neuseeland hat, war ein weiteres Mal keine Stellungnahme zu diesem Fall gegenüber unserer Redaktion zu erhalten – bei mehreren Anrufversuchen erklang nur Musik, auf etwaige E-Mails kam keine Reaktion.
Das Pflegeheim ist als ein Mehrgenerationenprojekt geplant. Unterschiedliche Zielgruppen sollen im Apartmenthaus unterkommen: Der Wohnbereich im Erdgeschoss ist für pflegebedürftige junge Menschen vorgesehen. Zwölf Plätze werden hier geboten. Im ersten Obergeschoss sollen künftig 15 demenzerkrankte alte Menschen wohnen, zudem sind zwölf Plätze in der Tagespflege und drei Nachtpflegeplätze vorgesehen.
Im zweiten Obergeschoss kommen jene Menschen unter, bei denen die Demenzerkrankung schon weit fortgeschritten ist. Ihnen wolle man einen beschützenden Rahmen bieten, sodass sie Sicherheit, Beschäftigung und eine wohltuende Atmosphäre erleben. Wann nun endlich der Betrieb aufgenommen werden kann, weiß niemand.