Kleine Verkäufer machen gute Geschäfte

Der Flohmarkt für Kinder gehört beim Kirchberger Bürgerfest seit vielen Jahren einfach dazu – Buntes Festprogramm

Richtig viel los war beim Kinderflohmarkt auf dem Kirchberger Bürgerfest. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Richtig viel los war beim Kinderflohmarkt auf dem Kirchberger Bürgerfest. Foto: A. Becher

Von Simone Schneider-Seebeck

KIRCHBERG AN DER MURR. Samstagnachmittag, 17 Uhr. Pünktlich wie immer läutet die Rathausglocke das Kirchberger Bürgerfest ein. Übrigens von Hand betätigt, denn Tradition muss sein. Ein musikalischer Gruß durch den örtlichen Musikverein unter Leitung von Holger Wägerle folgt, dann stimmt der Kindergarten Pfarrgartenstraße mit „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ die Besucher auf ein stimmungsvolles Festwochenende ein.

Bürgermeister Frank Hornek fasst sich kurz in seiner Rede und dankt insbesondere den Mitwirkenden der Vereine dafür, „dass dieses Bürgerfest überhaupt stattfinden kann.“ Bereits nach dem fünften Schlag fließt das Bier, und bald genießen die Festbesucher die vielfältigen kulinarischen Leckereien, die an den zahlreichen Ständen angeboten werden. Auch die Musik kommt nicht zu kurz. Während in der Kelter an den beiden Tagen verschiedene Musikvereine aus der Umgebung aufspielen, tanzen vor allem die jüngeren Festbesucher abends zu den Liveacts auf der Bühne.

Der Festsonntag steht wie immer im Zeichen der Kinder, für die verschiedene Attraktionen wie Kinderkino, Basteln, Programm in der Frohen Arche und vor allem der Kinderflohmarkt für Kurzweil sorgen. Nicht wenige Kinder haben Decken mit unterschiedlichsten Verkaufsangeboten entlang der Kelter ausgebreitet und warten auf zahlungsfreudige Kundschaft. Bereits seit über 20 Jahren gehört der Flohmarkt dazu. Er hat sich so gut etabliert, dass mittlerweile eigentlich niemand mehr genau weiß, wann er das erste Mal stattgefunden hat. Eine Zeitzeugin erinnert sich, dass früher zeitweise über 20 Stände aufgebaut waren, sodass der Platz manchmal gar nicht ausgereicht habe. Allerdings habe man den Verdienst meistens gleich wieder in die Waren der anderen Kinder gesteckt, sodass am Schluss nicht wirklich viel übrig geblieben sei, erinnert sie sich schmunzelnd.

Josia Benzler hat da ganz konkrete Pläne. Der Elfjährige möchte sich eine Drohne kaufen. Und so hat er ein großes Angebot an Spielzeug und Büchern vor sich ausgebreitet. In diesem Jahr ist er das zweite Mal dabei. Schwergefallen ist es ihm nicht, die Sachen auszusortieren. „Er ist gerade in der ,Brauch ich nicht mehr‘-Phase“, erklärt seine Mutter Daniela. Vor allem die Schleich- und Playmobilsachen waren schnell ausverkauft, und so ist er seinem Wunsch gestern ein gutes Stück nähergekommen.

Die neunjährige Kiyana ist das erste Mal dabei und wird von ihrer Mutter unterstützt. Gut zehn Barbies, verschiedenen DVDs, Bücher und Comics liegen vor ihr ausgebreitet. Sie ist ganz zufrieden mit dem Verkauf und spart schon auf ein Handy. „Die Bücher laufen gut“, hat sie festgestellt. Nebenan bieten Sunniva und Rosanna eine vielfältige Auswahl verschiedenster Dinge an, selbst eine Kommode ist dabei. Sie sind schon alte Hasen im Geschäft, das ist bereits der dritte oder sogar vierte Flohmarkt, bei dem sie dabei sind. „Wir benutzen die Sachen nicht mehr und brauchen sie auch nicht mehr“, erklärt die elfjährige Sunniva. Allerdings verrät sie, dass es bei einigen Dingen nicht so schlimm wäre, wenn sie wieder mit nach Hause kommen. Den Verdienst wollen sich die beiden Schwestern teilen – bis auf den Erlös für die Kommode. Der soll Unicef zugutekommen. Auch die neunjährige Lena hatte keine Probleme damit, ihre Besitztümer auszusortieren: „Die Sachen liegen die ganze Zeit bei mir rum, also brauche ich sie nicht“, stellt sie nüchtern fest. Sie ist zum zweiten Mal dabei. Einen konkreten Wunsch hat sie jedoch nicht, den sie sich mit dem Verkaufserlös erfüllen möchte. Lucas dagegen will „erst mal nicht mehr pleite sein“. Wie seine Mutter erklärt, hat er nämlich das Shoppen für sich entdeckt. Bei ihm und seiner kleinen Schwester Lena sind Dinos und bunte Plastikpferde der große Verkaufsrenner. Sie sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Flohmarkts.

Die einen sparen auf ein Handy,die anderen auf einen Hasenkäfig

Für ihre Nachbarinnen Chiara und Julia soll ein Herzenswunsch in Erfüllung gehen: Sie sparen auf Zwergwidder und einen Hasenkäfig. Und der große Bruder passt auf, dass sie auch gut handeln.

Der Flohmarkt kommt gut an, immer wieder bleiben Interessenten stehen, es werden Verkaufsgespräche geführt, und nicht wenige Kinder (und Eltern) wandern gut bepackt mit Neuerwerbungen über die Festmeile. Der Kinderflohmarkt ist wirklich eine gute Idee, besonders heutzutage, da Upcycling und Wiederverwertung wichtige Themen geworden sind. Zudem sind die jungen Verkäufer stolz auf jeden Euro, den sie selbst verdient haben. Da lernt man den Wert des Geldes gleich anders zu schätzen.

Und auch die Käufer sind glücklich über ein Schnäppchen. Und wenn dabei noch das Wetter mitspielt, passt es besonders gut – und die Kirchberger hatten auch wieder ihr übliches Feschdlesglück.

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Erstellt:
22. Juli 2019, 06:00 Uhr

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