LUBW-Analyse

Klimarückblick 2024 für Baden-Württemberg – Rekorde & Wetterextreme

Das Jahr 2024 war in Baden-Württemberg geprägt von extremen Wetterereignissen, ungewöhnlich hohen Temperaturen und Hochwassern. Der aktuelle Klimabericht der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) zeigt: Die Folgen des Klimawandels sind längst Realität.

LUBW-Analyse zeigt: 2024 war eines der wärmsten und nassesten Jahre in Baden-Württemberg – mit Starkregen, Hochwasser und neuen Temperaturrekorden.

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LUBW-Analyse zeigt: 2024 war eines der wärmsten und nassesten Jahre in Baden-Württemberg – mit Starkregen, Hochwasser und neuen Temperaturrekorden.

Von Matthias Kemter

Drittwärmstes Jahr seit Beginn der Messungen

Mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,6 Grad Celsius war 2024 das drittwärmste Jahr seit 1881 (seit Messbeginn). In allen Monaten wurden höhere Temperaturen als im Referenzzeitraum 1961–1990 gemessen. Besonders auffällig: Der Februar 2024 lag 6,1 Grad über dem langjährigen Mittel der Referenzperiode – ein neuer Rekord.

Auch die Zahl sogenannter „Kenntage“ – also Tage mit besonders hohen oder niedrigen Temperaturen bestätigen den Erwärmungstrend:

  • Sommertage (≥ 25 °C): 57 Tage (fast doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum)
  • Heiße Tage (≥ 30 °C): 15 Tage (dreimal so viele wie früher)
  • Frosttage: Rückgang auf nur noch 65 Tage

Rekordregen & Hochwasser: Mai und Juni besonders betroffen

2024 war mit 1069 Millimetern Niederschlag rund 9 Prozent feuchter als das langjährige Mittel. Der Mai war der nasseste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – mit massiven Auswirkungen:

  • Ende Mai und Anfang Juni führten intensive Dauer- und Starkregen zu extremen Hochwassern.
  • 60 Prozent aller Landespegel meldeten Hochwasser, an 18 Messstellen wurden 100-jährliche Abflüsse registriert.
  • Besonders betroffen waren der Rems-Murr-Kreis, Oberschwaben sowie Zuflüsse von Neckar, Donau und Bodensee.
  • Es kam zu zwei Todesfällen und Sachschäden in dreistelliger Millionenhöhe.

Auch der Bodensee verzeichnete anhaltend hohe Wasserstände, teilweise im Bereich eines 10-jährlichen Hochwassers.

Auswirkungen auf Natur & Landwirtschaft

Die Folgen des Klimawandels zeigen sich auch in der Natur deutlich:

  • Die Vegetationsperiode war so lang wie nie zuvor – sechs Tage länger als der bisherige Rekord 2020.
  • Die Apfelblüte begann 26 Tage früher als im langjährigen Mittel.
  • Ein Kälteeinbruch Ende April führte zu massiven Spätfrostschäden, besonders im Obst- und Weinbau.

Gleichzeitig war 2024 ein weiteres Katastrophenjahr für Insekten:

  • Die Zahl der Tagfalter und Widderchen brach erneut ein – um bis zu 70 Prozent im Vergleich zu 2021.
  • Grund waren anhaltend starke Regenfälle im Mai und Juni, die alle Entwicklungsstadien der Insekten massiv beeinträchtigten.

Wassertemperaturen steigen weiter – auch in der Tiefe

Im Rhein bei Karlsruhe wurde im Sommer eine Wassertemperatur von bis zu 25 °C gemessen – mit möglichen Folgen für das ökologische Gleichgewicht. Besonders kritisch ist die Tiefenwassererwärmung im Bodensee: In 250 Metern Tiefe wurden 5,6 °C gemessen – ein neuer Höchstwert, der das Verhalten von Fischen und anderen Lebewesen beeinflussen kann.

Ozonbelastung weiter rückläufig

Trotz Hitzeperioden blieb die Ozonbelastung im Jahr 2024 relativ gering. Die Informationsschwelle von 180 µg/m³ wurde nur an wenigen Tagen überschritten. Erstmals konnte der EU-Zielwert landesweit eingehalten werden.

Fazit: Klimawandel zeigt sich 2024 in voller Wucht

Die Klimabilanz 2024 für Baden-Württemberg macht deutlich: Extremwetter, Temperaturrekorde und ökologische Schäden sind keine Ausnahme mehr. Sie werden zur neuen Normalität. Der Bericht der LUBW unterstreicht die Dringlichkeit wirksamer Klimaanpassungsstrategien – von Hochwasserschutz bis hin zur Hitzevorsorge in Städten.

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Erstellt:
25. März 2025, 14:46 Uhr

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