Mädchen schwer sexuell missbraucht
Vier Jahre und fünf Monate Haft für 25-Jährigen aus Schorndorf – „Die Tatfolgen sind gravierend“

© Erwin Wodicka
Symbolfoto
Von Andrea Wüstholz
STUTTGART/SCHORNDORF. Zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und fünf Monaten ist ein 25-jähriger Deutscher verurteilt worden. Er hat gestanden, zwei Schwestern, seinerzeit fünf und elf Jahre alt, in Schorndorf schwer sexuell missbraucht zu haben. Der Mann war Patenonkel der Mädchen, aber nicht mit ihnen verwandt. Er wollte Erzieher werden und hat bereits Praktika in Kindergärten absolviert. Der Mann hatte die schweren Übergriffe zum Teil gefilmt und eine Menge kinderpornografisches Material besessen. Zeitweise hatte der Mann mit in der Wohnung einer alleinerziehenden Mutter von drei Kindern in Schorndorf gelebt, mit ihr aber keine Beziehung gehabt. Die Mutter war froh, Hilfe zu haben; man hatte sich über eine Bekannte kennengelernt, war sich sympathisch – und so entwickelte sich mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis, woraufhin die Mutter den Mann bei der Taufe ihrer Kinder als Patenonkel einsetzte.
Der Angeklagte, ein Maler und Lackierer, hatte zunächst von Gelegenheitsjobs gelebt und dann an einer Stuttgarter Schule den Realschulabschluss nachgeholt, um Erzieher werden zu können. Er absolvierte Praktika in Schorndorfer Kindergärten. So ergab es sich, dass er sich mehr oder weniger dauernd und ohne Miete zu zahlen in der Schorndorfer Wohnung der Kinder aufhielt.
Verschlossen und verschüchtert wirkte der breitschultrige Mann vor Gericht. Er berichtete, das elfjährige Mädchen habe ihn beim Schauen eines Pornos erwischt. Der Mann schaute dann Filmsequenzen zusammen mit dem Kind an, bevor es zu einem ersten Übergriff kam. Er unternahm mit der damals Elfjährigen eine Radtour und missbrauchte das Kind schwer in einer Waldhütte. In der Wohnung in Schorndorf und auch ein weiteres Mal in der Stuttgarter Wohnung des Mannes kam es zu weiterem schwerem Missbrauch. Die jüngere Schwester, damals erst fünf Jahre alt, wurde in einem Fall unfreiwillig Zeugin – woraufhin sich der Mann auch an ihr verging. Diese Tat wertete das Gericht als die schwerste, weil das Kind so jung war und der Mann sich zusätzlich einer schweren Körperverletzung schuldig gemacht hatte.
Die Fünfjährige offenbarte sich ihrer Mutter, die dem Kind zuerst, wie sie vor Gericht aussagte, nicht glauben wollte; „damit rechnet man ja auch nicht. Ich hab’ ihm vertraut. Ich hab’ ihm das nie zugetraut“. Während die Mädchen bei der Polizei aussagten, wurde der Mann an seiner Arbeitsstelle im Kindergarten verhaftet. Seit März sitzt er in U-Haft. „Die Tatfolgen sind gravierend“, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Holzhausen in seiner Urteilsbegründung. Das ältere Mädchen ist bis heute nicht in der Lage, über die Vorfälle zu sprechen. „Der Vertrauensmissbrauch ist immens. Er hat den Mädchen ein Stück Heimat genommen. Das ist ganz schlimm für Kinder“, so Holzhausen. Dem Verurteilten bescheinigte er ein „planvolles Vorgehen“.
Das Gericht hielt dem Mann zugute, dass er frühzeitig gestanden und den Mädchen eine Aussage vor Gericht erspart habe. Stattdessen wurde in der Verhandlung eine Videoaufnahme von der Vernehmung bei der Polizei gezeigt, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Gericht konnte die Aufnahme nur ins Verfahren einbringen, weil der Angeklagte dem zugestimmt hatte, so sehen es die Vorschriften vor. Um die Mädchen „nicht weiter zu belasten“, habe der Mann „sich selbst ans Messer geliefert“ und in der Verhandlung sehr viel, auch zu seinen Ungunsten, preisgegeben, wie Holzhausen betonte. Ohne Geständnis wäre der Strafrahmen „bei sechs Jahren nicht zu Ende gewesen“ – oder aber, es wäre vielleicht gar nicht zu einer Verurteilung gekommen, weil die Beweise nicht ausgereicht hätten, zumal das ältere Mädchen als Hauptopfer nicht über die Vorfälle sprechen konnte und kann.
Der 25-Jährige wuchs ohne Vater auf und besuchte lange Jahre Förderschulen. Später konnte er seinen Beruf wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr ausüben. Er jobbte und lebte jahrelang in einem Männerwohnheim. Seine Mutter lebte von Stütze und Gelegenheitsjobs.
Vor Gericht sagte der Mann, er habe erstmals als Jugendlicher bemerkt, dass sich sein sexuelles Interesse auf Kinder richte. Er habe versucht, diesen Wunsch zu unterdrücken, sich aber nicht getraut, sich einem Psychologen anzuvertrauen, mit dem er wegen anderer Themen im Gespräch war. „Die Gedanken waren halt im Kopf“, sagte der Mann, aber er habe „nie was gemacht“ – bis sich das dann in Schorndorf geändert habe.