Neue Wohnungen auf der Schöntaler Höhe in Backnang

Auf dem ehemaligen Firmengelände der Korkfabrik Hackenschuh plant der Bauträger Aspa eine Wohnanlage mit 70 Einheiten. Die Stadt will in diesem Bereich auch die Schöntaler Straße sanieren und neu gestalten.

Die alten Gebäude an der Schöntaler Straße müssen weichen. Die stattliche Linde bleibt hingegen erhalten und soll den künftigen Quartiersplatz zieren. Foto: Kornelius Fritz

Die alten Gebäude an der Schöntaler Straße müssen weichen. Die stattliche Linde bleibt hingegen erhalten und soll den künftigen Quartiersplatz zieren. Foto: Kornelius Fritz

Von Kornelius Fritz

Backnang. Auf der Oberen Walke und dem IBA-Gelände entstehen in Backnang in den kommenden Jahren zwei große neue Wohnquartiere. Aber auch abseits dieser Flächen wird fleißig gebaut. Nächstes Jahr sollen die Bagger in der Schöntaler Straße anrücken: Der Bauträger Aspa plant dort ein Quartier mit 70 Wohnungen. Der Schwerpunkt liegt auf Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen, nur zehn Wohnungen werden vier oder fünf Zimmer haben.

Auf dem Gelände befand sich früher die Korkfabrik Hackenschuh, die ihren Sitz aber schon 1988 in die Gaildorfer Straße verlegt hat. Inzwischen wirkt das Gelände ziemlich verwildert, von den Häusern, die noch stehen, ist laut Aspa-Geschäftsführer Andreas Benignus nur noch eines bewohnt. Der Bauträger will das rund 6000 Quadratmeter große Areal nun aus seinem Dornröschenschlaf wecken. „Die Lage ist perfekt: ruhig, innenstadtnah und nicht weit vom Bahnhof“, schwärmt Benignus. Er ist überzeugt, dass die Nachfrage groß sein wird.

Wohnungen sollen 2025 fertig sein, was sie kosten werden ist ungewiss

Um ein städtebaulich ansprechendes Quartier zu bekommen, hatten der Bauträger und die Stadt Backnang einen Mini-Architektenwettbewerb ausgerichtet. Zwei beauftragte Büros hatten jeweils drei unterschiedliche Entwürfe vorgelegt. Aus den Vorschlägen kürte ein Preisgericht eine Arbeit des Stuttgarter Büros ARP zum Sieger. Architekt Matthias Igel stellte die Pläne nun im Ausschuss für Technik und Umwelt des Gemeinderates vor.

Eigentlich sind es nur vier große Gebäude. Durch die Dachgiebel und unterschiedliche Fassaden sieht es aber aus wie mehrere kleinere Häuser. Visualisierung: ARP Stuttgart

Eigentlich sind es nur vier große Gebäude. Durch die Dachgiebel und unterschiedliche Fassaden sieht es aber aus wie mehrere kleinere Häuser. Visualisierung: ARP Stuttgart

Sie sehen vier große Baukörper vor, die optisch aber jeweils in mehrere Teilgebäude untergliedert sind. Das erreichen die Architekten durch versetzte Gebäudekanten, unterschiedliche Fassaden und mehrere Dachgiebel pro Haus. So entstehe trotz der Größe des Projekts eine „kleinteilige Struktur“, die sich gut in die Umgebung einfüge, erklärte Matthias Igel. Auch die verwendeten Materialien sollen dazu beitragen. So sind teilweise Klinkerfassaden vorgesehen, die an die alten Fabrikhallen erinnern sollen, die hier einst standen. Die Gebäude gruppieren sich um einen Quartiersplatz, der auch ein Treffpunkt für die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner sein soll. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Leute, da abends auch mal ihre Tische rausstellen“, sagte der Architekt. Die stattliche Linde auf dem Grundstück soll erhalten bleiben und zum Mittelpunkt des neuen Wohnhofes werden. Im Erdgeschoss zur Schöntaler Straße hin könnten sich die Planer auch eine Bäckerei vorstellen.

Vier Varianten für ein Energiekonzept

Das Thema Nachhaltigkeit soll in dem neuen Quartier eine wichtige Rolle spielen. Dazu sollen nicht nur Fotovoltaikanlagen auf den Dächern mit einer Gesamtfläche von 880 Quadratmetern beitragen, sondern auch das Energiekonzept, das die Aspa zusammen mit den Stadtwerken Backnang umsetzen will. Vier verschiedene Varianten stehen zur Diskussion: vom Blockheizkraftwerk, das mit Erd- oder Biogas betrieben wird, über einen Holzpelletkessel bis hin zu einer Wärmepumpenlösung mit einem Gasbrenner für die ganz kalten Tage. Für welche Variante sich die Aspa am Ende entscheiden wird, ist laut dem technischen Geschäftsführer Andreas Grüll noch offen. Angesichts der momentan unkalkulierbaren Preisentwicklung bei Gas und Holzpellets will sich der Investor damit noch Zeit lassen. Klar ist nur: Sollte die Wahl auf Pellets fallen, müsste dafür noch ein zusätzliches Lager gebaut werden, das in der aktuellen Planung nicht vorgesehen ist. Aus Platzgründen wäre dafür wahrscheinlich sogar ein zweites Untergeschoss nötig.

Darüber läge dann die Tiefgarage, die Platz für insgesamt 88 Fahrzeuge bietet. Der Investor hält sich damit an den „Backnanger Stellplatzschlüssel“, der je nach Wohnungsgröße ein bis zwei Stellplätze fordert. Zusätzlich sind noch neun oberirdische Parkplätze für Besucher vorgesehen.

Baustart wohl erst ab Mitte 2023

Welche Summe die Aspa auf der Schöntaler Höhe investieren wird, will Andreas Benignus nicht verraten. Er könne es auch gar nicht, sagt der Geschäftsführer, weil die Baupreise momentan kaum kalkulierbar seien. Dementsprechend wagt er auch noch keine Prognose zu den Quadratmeterpreisen, mit denen die Käufer der Eigentumswohnungen rechnen müssen: „Unsere Glaskugel ist gerade etwas getrübt“, sagt Benignus augenzwinkernd.

Aber es bleibt ja auch noch ein bisschen Zeit: Weil erst noch der Bebauungsplan geändert werden muss, rechnet der Aspa-Geschäftsführer mit einem Baustart erst Mitte 2023, die Bauzeit schätzt er auf zwei Jahre. Mit der Vermarktung werde man deshalb erst im kommenden Jahr starten. Klar ist allerdings schon jetzt, dass auch bei diesem Projekt die 2020 vom Gemeinderat beschlossene Sozialquote gilt. Rund 880 Quadratmeter Wohnfläche müssen deshalb als Mietwohnungen ein Drittel unter dem ortsüblichen Tarif angeboten werden.

Schöntaler Straße wird zur Allee

Im Technischen Ausschuss stieß das Konzept der Aspa auf einhellige Zustimmung. „Das wird ein schönes Wohnquartier, das gut in die Schöntaler Straße passt“, meinte CDU-Stadtrat Rolf Hettich. Auch Grünen-Fraktionschef Willy Härtner gefallen die Pläne. Er lobte vor allem die kleinteilige Struktur und die geneigten Dächer. Beim Energiekonzept forderte Härtner, auf den regenerativen Brennstoff Holz zu setzen.

Die Stadt will das private Bauprojekt zum Anlass nehmen, um auch die in diesem Bereich marode Schöntaler Straße zu sanieren. Auf einer Länge von 190 Metern sollen nicht nur der Belag erneuert und die Kanalrohre ausgetauscht, sondern auch der Straßenraum neu gestaltet werden. Mit einem hellen Pflasterbelag und Bäumen am Straßenrand werde die Schöntaler Straße „Alleencharakter“ bekommen, versprach Stadtplanungsamtsleiter Tobias Großmann. Die Bauarbeiten sollen etwa 1,3 Millionen Euro kosten und in mehreren Abschnitten bis Ende 2024 umgesetzt werden.

Bürgerinformation Die Stadtverwaltung und der Bauträger informieren die Bürgerschaft bei einer öffentlichen Veranstaltung über das Projekt. Diese findet am Dienstag, 26. Juli, um 18 Uhr im Technikforum, Wilhelmstraße 32, statt. Um eine Anmeldung per Mail unter stadtplanungsamt@backnang.de wird gebeten.

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Erstellt:
13. Juli 2022, 06:00 Uhr

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