Neuer Skatepark kommt im Frühjahr

Ein lang gehegter Wunsch der Backnanger Jugendlichen geht bald in Erfüllung: Beim Sportplatz an der Eugen-Adolff-Straße will die Stadt einen Platz mit Rampen und Hindernissen anlegen. Eine größere Anlage könnte in ein paar Jahren auf dem IBA-Gelände entstehen.

Die Skateranlage im Wendebachtal in Nordrhein-Westfalen ist Vorbild für Backnang. Die Hindernisse können auch an einen anderen Standort versetzt werden. Foto: A. Kern/DSGN

© Alexandra Kern

Die Skateranlage im Wendebachtal in Nordrhein-Westfalen ist Vorbild für Backnang. Die Hindernisse können auch an einen anderen Standort versetzt werden. Foto: A. Kern/DSGN

Von Kornelius Fritz

Backnang. Ein Paradies für Skater war Backnang noch nie, bis vor ein paar Jahren standen aber immerhin noch ein paar bescheidene Rampen und Hindernisse neben dem Feuerwehrgerätehaus. Als 2016 der Annonaygarten gebaut wurde, mussten die dann auch noch weichen. Seitdem gibt es in der Stadt keinen legalen Treffpunkt mehr, wo die meist jungen Skateboarder ihre Tricks üben und präsentieren können.

Die gewählten Jugendvertreter haben in den vergangenen Jahren zwar immer wieder einen neuen Skatepark gefordert. Auch die Rollbrettfreunde Backnang, ein loser Zusammenschluss aktiver Skater, machten Druck. Unter anderem starteten sie eine Online-Petition, der sich knapp 400 Unterstützer anschlossen. Die Bemühungen blieben bisher aber ohne erkennbaren Erfolg.

Aber nun kommt doch noch Bewegung in die Sache. Im Technischen Ausschuss des Gemeinderats präsentierte Tiefbauamtsleiter Lars Kaltenleitner kürzlich recht konkrete Pläne für eine neue Skateranlage. Schon im nächsten Frühjahr soll sie in Betrieb gehen. Als Standort hat die Stadt eine Fläche neben dem Sportplatz an der Eugen-Adolff-Straße ausgewählt. Man habe einen Platz gesucht, der innenstadtnah und auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sei, gleichzeitig aber genug Abstand zu den nächsten Wohnhäusern hat, damit keine Anwohner gestört werden, erklärte Kaltenleitner. Beide Voraussetzungen seien an der Eugen-Adolff-Straße erfüllt. Die Stadt zieht diesen Platz deshalb auch dem ebenfalls diskutierten Standort an der Straße zum Freibad vor.

Trotzdem gibt es gewisse Einschränkungen: Weil sich dort ein unterirdisches Regenrückhaltebecken befindet, könne man keine schweren Hindernisse aus Beton, sondern nur Leichtbauelemente aufstellen, erklärt Ingo Naschold vom Büro DSGN Concepts aus Hagen, das die Anlage konzipiert. Auch das Budget setzt den Planern Grenzen: Insgesamt 100000 Euro will die Stadt für den neuen Skatepark lockermachen. „Das reicht nur für die Mindestausstattung“, erklärt Naschold, der mit seinem Büro auch schon Anlagen realisiert hat, die das Fünffache gekostet haben.

Im Gemeinderat kam deshalb die Sorge auf, dass man womöglich in eine Anlage investiert, die für die Zielgruppe gar nicht attraktiv ist: „Sehr prickelnd sieht das ja nicht aus“, meinte SPD-Fraktionschef Heinz Franke, als im Ausschuss Fotos von einer vergleichbaren Anlage aus der Gemeinde Wenden im Sauerland gezeigt wurden.

Diese Befürchtungen hält Ingo Naschold, der selbst leidenschaftlicher Boarder ist, aber für unbegründet. Die Anlage sei zwar nicht besonders groß, stelle aber auch Könner vor Herausforderungen. Auf einer rund 500 Quadratmeter großen asphaltierten Fläche sind insgesamt sechs Hindernisse für sogenannte Streetboarder geplant. „Skaten ist ein Sport, der eigentlich im urbanen Raum stattfindet“, erklärt Naschold. Dort überwinden die Sportler mit ihren Boards zum Beispiel Bordsteine, Sitzbänke oder Geländer. Die Elemente im Skatepark seien solchen natürlichen Hindernissen nachempfunden. Diese Variante des Boardens sei mittlerweile auch die populärste. Die aus den 1980er-Jahren bekannte Halfpipe sei heute dagegen kaum noch angesagt.

Jochen Stapf von den Rollbrettfreunden Backnang kann das bestätigen. „Wichtig ist ein guter Belag, damit man Tricks machen kann“, sagt der 38-Jährige. Den Schwierigkeitsgrad ihrer Sprünge würden die Skater dann selbst wählen, sodass sowohl Anfänger als auch Profis die Anlage nutzen könnten.

Er schätzt, dass es in Backnang derzeit etwa 50 aktive Skater gibt. Wenn die Anlage erst einmal steht, dürften es aber bald mehr werden. „Wo es ein Angebot gibt, steigt auch die Nachfrage“, ist er überzeugt. Stapf ist froh, dass der Wunsch der Skater endlich offene Ohren gefunden hat. Die Rollbrettfreunde wurden auch bei der Planung der Anlage miteinbezogen. Die Gruppe denkt nun darüber nach, sich als eingetragener Verein zu organisieren und wäre auch bereit, sich bei Pflege und Instandhaltung des Skateplatzes ehrenamtlich einzubringen.

Der Gemeinderat muss der Investition mit dem Haushalt für 2022 zwar noch zustimmen, aber die Reaktionen im Technischen Ausschuss lassen erwarten, dass das nur Formsache ist. „Es ist gut, dass sich die Stadt jetzt um dieses Thema kümmert. Die Jugendlichen sollten uns das Geld wert sein“, meinte Rolf Hettich (CDU). Auch Vertreter der anderen Fraktionen signalisierten Zustimmung. Jörg Bauer (Bürgerforum/FDP/BIG) regte an, den Skatern auch noch eine überdachte Sitzmöglichkeit zu spendieren.

Ob der Eugen-Adolff-Sportplatz auf Dauer die Heimat der Skater bleiben wird, ist allerdings noch ungewiss. In den Plänen für die Internationale Bauausstellung 2027 ist am Murrufer nämlich eine neue Parkanlage vorgesehen – eigentlich ein idealer Ort für einen Skatepark. Der könnte dann auch etwas größer ausfallen und richtig in die Landschaft modelliert werden. Jochen Stapf und die Rollbrettfreunde sind von dieser Idee begeistert, können vorerst aber auch mit der kleinen Lösung gut leben: „Wir sind erst mal froh, wenn es in Backnang überhaupt wieder etwas gibt.“

Neuer Skatepark kommt im Frühjahr

„Skaten ist ein Sport, der eigentlich im urbanen Raum stattfindet.“

Ingo Naschold,Planer

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Erstellt:
30. Juli 2021, 06:00 Uhr

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