Nicht mehr mit Abwasser gießen
Die Stadt hat mit Brauchwasser Bäume gegossen, um Trinkwasser zu sparen. Damit ist nun Schluss.

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Drei Jahre lang wurde in Stuttgart zu einem großen Anteil mit Brauchwasser gegossen.
Von Judith A. Sägesser
Stuttgart - Der Sommer naht, bald werden die Gießwagen der Stadt wieder unterwegs sein, um durstige Bäume zu wässern. Der Inhalt ihres Tanks aber löste Diskussionen und Zwist aus. Zwischen 2021 und 2023 hatte die Stadt ihre Stadtbäume nicht nur mit Trinkwasser gegossen, sondern zu einem großen Teil mit geklärtem Abwasser. 2023 waren zwei Drittel der 6600 ausgebrachten Kubikmeter Gießwasser Brauchwasser aus dem Hauptklärwerk Mühlhausen sowie aus den beiden kleineren Kläranlagen in Möhringen und Plieningen. Durch einen Zufall war dann herausgekommen, dass dies gar nicht gestattet ist. Die wasserrechtliche Genehmigung des Landes fehlte. Seit 2024 wird daher wieder mit Trinkwasser gegossen, was Stadträten und der Stadtverwaltung missfiel.
Nun steht fest, dass fortan Trinkwasser zum Einsatz kommen muss, wie der Technikbürgermeister Dirk Thürnau und der Leiter des Amts für Umweltschutz, Andreas Neft, im Ausschuss für Klima und Umwelt erläuterten. Der Schutz der Stuttgarter Heilquellen ist dabei ein wesentliches Argument der prüfenden Behörde. „Die Bewässerung mit Abwasser ist laut Regierungspräsidium Stuttgart nur außerhalb der Wasserschutzgebiete und des Heilquellenschutzgebietes gestattet“, erklärt die Stadt. In diesen Gebieten liege aber nur etwa ein Fünftel der Stadtbäume. Die übrigen rund 80 Prozent dürften deshalb nicht mit Abwasser gegossen werden. Um weiterhin mit Brauchwasser zu gießen, müsste eine lange Liste an Voraussetzungen erfüllt sein – von Bodenmonitoring über Wasseranalysen bis hin zu Arbeitsschutz für die gießenden Mitarbeiter. Am Brauchwasser festzuhalten, sei „aus logistischen, personellen und finanziellen Gründen nicht sinnvoll und nicht machbar“, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung. Der Ausschuss stimmte zu.