Nilgänse machen kaum Probleme

Im Gegensatz zu Stuttgart, wo aktiv gegen die weitere Vermehrung von Nilgänsen vorgegangen wird, geben die gefiederten „Fremden“ im Rems-Murr-Kreis noch selten Anlass zum Handeln. Gleiches gilt für die Rostgans. Gern gesehen sind die Brutpaare aber auch hier nicht.

Mit ihrem exotischen Aussehen sind sie echte Hingucker: Zwei Nilgansmännchen sind seit dem vergangenen Winter an der Murr im Bereich der Backnanger Bleichwiese anzutreffen. Fotos: Klaus Dahl, Nabu-Ortsgruppe Backnang

Mit ihrem exotischen Aussehen sind sie echte Hingucker: Zwei Nilgansmännchen sind seit dem vergangenen Winter an der Murr im Bereich der Backnanger Bleichwiese anzutreffen. Fotos: Klaus Dahl, Nabu-Ortsgruppe Backnang

Von Nicola Scharpf

Backnang/Murrhardt. Am Feuersee in Murrhardt war im zurückliegenden Frühjahr ein Nilganspaar zu Gast, genauso wie im Frühjahr zuvor. Doch nach einer Woche oder ein paar Tagen mehr ist das Pärchen wieder abgezogen, so die Beobachtung von Christian Schweizer, der aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft seines Schweizer-Museums zum Feuersee schon seit vielen, vielen Jahren das Getier auf dem im Park gelegenen Gewässer besonders im Blick hat. „Vielleicht ist es ihnen zu kalt gewesen“, vermutet er. Oder zu voll, schließlich tummelt sich am Feuersee einiges an Wasservögeln. In Oppenweiler ist die Lage anders: Ein Brutpaar hat sich im Bereich um den Schlosssee eingenistet und Junge zur Welt gebracht, sodass dort dieses Jahr schließlich zehn Nilgänse anzutreffen waren, berichtet Bürgermeister Bernhard Bühler. Und auch in Backnang an der Bleichwiese bekommt man die ursprünglich aus Nordafrika stammenden Gänse mit dem bräunlich-grauen Gefieder und den braunen Ringen um die Augen zu Gesicht. Klaus Dahl vom Backnanger Naturschutzbund hat seit dem vergangenen Winter immer wieder zwei Männchen dort beobachtet. Auf den Wiesen an der Murr auf Höhe der Kläranlage Neuschöntal hat er vor zirka zwei Jahren die ersten Nilgansexemplare gesehen.

Im Rems-Murr-Kreis gibt es gar nicht so wahnsinnig viele Brutpaare

Im Gegensatz zu Stuttgart, wo man auf ein Nilgansmanagement zum Dezimieren der invasiven Gänseart setzt, weil die starke Vermehrung der Tiere zu allerhand Problemen führt, wird man im Rems-Murr-Kreis noch nicht derart aktiv gegen die gebietsfremden Gänse. „Es gibt gar nicht so wahnsinnig viele Brutpaare“, sagt Markus Wegst vom Amt für Umweltschutz im Landratsamt. „Die Art ist uns dennoch ein Dorn im Auge. Es ist wieder mal ein Neozoen. Diese Neuweltbürger unter den Tieren sind alle plus/minus unerwünscht.“ Die Zahl der Brutpaare belaufe sich auf 25 bis 30 Stück, deren Vorkommen sich auf Bereiche an der Rems, der Murr oder an größeren Gewässern wie Baggerseen konzentriere. „Es ist durchaus vorstellbar, dass es mehr Brutpaare werden“, so Wegst weiter. Er spricht eine weitere nicht heimische Vogelart an, von der es etwa zehn Brutpaare an kleineren Gewässern und Bächen im Welzheimer Wald gibt: die Rostgans. Sie ist zwar auf der gesamten nördlichen Hemisphäre ursprünglich beheimatet – von Skandinavien über Kanada, Zentralsibirien bis zum Schwarzen Meer. In hiesigen Gefilden sei sie aber nicht heimisch, so Wegst. „Warum die bei uns Gefallen gefunden hat, ist ein bisschen ein Rätsel. Das ist dubios.“

Jägerschaft ist mit der Bekämpfung der Waschbären beschäftigt

Das Dilemma mit den Nilgänsen sei, dass es häufig keine Angaben über Brutplätze gebe und dass es kaum zu schaffen sei, sie wieder wegzubekommen. „Ich kriege die nicht mehr vom Hof“, sagt Wegst. Zumal die Jägerschaft mit der Bekämpfung der Waschbären beschäftigt sei. Die aktuelle Lage in Bezug auf die Nilgänse stellt sich allerdings auch noch nicht als dramatisch dar: „Im Rems-Murr-Kreis gibt es offensichtlich genug Platz, dass es zu keinen Kollisionen zwischen Menschen und Nilgänsen kommt.“ Das ist die eine Sorge, die es gibt, wenn sich die Nilgans immer weiter ausbreitet. „Die sind sehr unerschrocken“, so Wegst. „Die haben überhaupt keine Scheu“, bestätigt Klaus Dahl, „insbesondere wenn sie Junge haben.“ Und Bernhard Bühler schildert: „Die Tiere machen auch vor Anglern, Spaziergängern, Passanten nicht halt. Sie sind sehr laut und angriffslustig. Und sie machen enormen Dreck.“ Wenn die Nilgänse mit ihren Hinterlassenschaften Wiesen und Wege verschmutzen, wird’s lästig.

„Nilgänse treten dominant auf, machen anderen Seebewohnern Konkurrenz“

Die andere Sorge ist, dass die Nilgänse auch mit anderen gefiederten Zeitgenossen robust umgehen, zur Brutzeit und bei der Aufzucht wenige Nachbarn in ihrem Gebiet dulden, also andere Arten aus deren Lebensraum verdrängen. Bühler hat beobachtet: „Nilgänse treten sehr dominant auf und machen den anderen Seebewohnern Konkurrenz. Wir haben verschiedene Entenarten, aber auch Gänsesäger, Graureiher, Eisvögel und so weiter am See. Die Gänse verdrängen die heimischen Arten.“ Die hier eigentlich ursprünglich heimische Art wäre die Graugans, sagt Wegst. Allerdings sei sie auch zu Zeiten, als sich die Nilgans im Rems-Murr-Kreis noch nicht etabliert habe, kaum gesichtet worden. Ob ein wirklicher Schaden bei den verdrängten Tieren – beispielsweise heimischen Enten und Gänsen – entstehe, sei bisher nicht nachgewiesen.

In Oppenweiler gibt es aktuell keine Nilgänse. Bühler: „In Abstimmung mit dem Kreisjagdamt fand dann eine Vergrämung statt. Ich gehe aber davon aus, dass wir auch in Zukunft gegen die Tiere, die ja hier nicht heimisch sind, vorgehen werden.“

Auch auf den Wiesen bei der Kläranlage in Neuschöntal sind Nilgänse zu finden.

Auch auf den Wiesen bei der Kläranlage in Neuschöntal sind Nilgänse zu finden.

Die ägyptische Nilgans

Aussehen Die Nilgans, die ganzjährig bei uns zu beobachten ist, ist zwischen 63 und 73 Zentimetern groß. Sie ist eine auffällig gezeichnete, kräftige Gans mit langen roten Beinen und einem rotbraunen Ring um die Augen. Ihr Kopf ist weißgrau mit variablem rostroten Nackenfleck oder Halsring. Der Rücken ist dunkelbraun, zum Bürzel hin beige oder rotbraun. Am Bauch variiert die Farbe zwischen hellem Beige und Grau. Am Flügel kann seitlich die weiße Zeichnung zu sehen sein.

Brut Beim Brutplatz ist die Nilgans nicht wählerisch. Man findet ihre Nester in Storchenhorsten oder auf Brückenpfeilern. Sie bauen sie sehr flexibel im Röhricht, Felsgestein oder auch in Baumhöhlen. Beide Elternteile beteiligen sich an der Aufzucht der Jungtiere.

Lebensraum Nilgänse kommen ursprünglich aus Afrika. Entflohene Exemplare aus Haltungen gelangten über die Niederlande schließlich auch nach Deutschland. Man sieht sie hier hauptsächlich in Parks und an Gewässern aller Art. Auch auf Feldern trifft man sie bisweilen bei der Rast und der Nahrungssuche an.

Gefährdung Die Population nimmt bei uns stetig zu. Die Nilgans steht auf der EU-Liste der invasiven Arten. Quelle: www.nabu.de

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Erstellt:
15. Oktober 2022, 16:00 Uhr

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