Politik zum Anfassen

Backnanger Schüler diskutieren beim Aktionstag „Schule trifft Rathaus“ mit OB Frank Nopper

Was macht eigentlich ein Bürgermeister und welche Aufgaben hat ein Gemeinderat und welche die Stadtverwaltung? Unter dem Titel „Schule trifft Rathaus“ veranstaltete die Landeszentrale für politische Bildung einen Aktionstag: Schüler schnupperten in die Kommunalpolitik und konnten Oberbürgermeister Frank Nopper Fragen stellen.

Fragen über Fragen und jede Menge Anregungen hatten die Schüler an Oberbürgermeister Frank Nopper (links). Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Fragen über Fragen und jede Menge Anregungen hatten die Schüler an Oberbürgermeister Frank Nopper (links). Foto: A. Becher

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG. Ein ungewohntes Bild ergibt sich da. Anstatt Härtner und Ulfert, statt Franke und Schweizer sitzen an diesem Dienstagmorgen Schüler der Max-Eyth-Realschule im Sitzungssaal des Kreisverwaltungsgebäudes. Das ist heute nicht der Gemeinderat, aber diejenigen, die in Zukunft die Kommunalpolitik mitbestimmen, sich in ihrer Stadt engagieren und mitreden können.

Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB) veranstaltete gestern in Zusammenarbeit mit der Stadt Backnang einen Aktionstag zur Festigung von Grundlagen der Kommunalpolitik und Jugendbeteiligung. Unter dem Titel „Schule trifft Rathaus“ bekamen Schüler einen Einblick in die Aufgaben und Zuständigkeiten der Kommunalpolitiker, die kürzlich stattgefundenen Wahlen und die Aufgaben einer Kommune.

In Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Landeszentrale für politische Bildung, Charlotte Meyer zu Bexten, Theresa Mießlang und Nico Roth, durften die Jugendlichen träumen. Träumen von einer idealen Stadt mit idealen Begebenheiten. „Da konnten sie sich alles überlegen und ihre Wünsche und Ideen äußern“, erklärt Mießlang, freie Mitarbeiterin der LpB. Dann wurde nach und nach ausgesiebt: Was ist umsetzbar, was nicht? Woran können solche Umsetzungen scheitern? Was müssen Kommunalpolitiker leisten, nach welchen Kriterien entscheiden sie? So wurden die Top Vier der Schüler vorgestellt: weniger Plastik, eine Schlittschuhbahn, ein Park oder Naturschutzgebiet und ein Streetfood-Festival.

Und mit wem lässt sich besser über solche Themen sprechen, wenn nicht mit dem Oberbürgermeister persönlich? Er ist die Konstante an diesem Tag im Sitzungssaal und sitzt am gewohnten Platz: Oberbürgermeister Frank Nopper ist gekommen, um mit den Schülern über ihre Themen zu diskutieren, sich ihre Themen anzuhören und Stellung zu beziehen.

Lucy tritt als Vertreterin des Themas „Weniger Plastik“ nach vorne. Festivitäten wie das Straßenfest stehen da auch immer im Fokus. Der Oberbürgermeister sagt aber klar: „Seit 1988 ist Einweggeschirr verboten, es halten sich nur nicht alle dran.“ Ein Verbot sei bereits Realität im Regelwerk, in der Wirklichkeit weitgehend umgesetzt.

Sofort kommt da die Nachfrage aus dem Plenum: Wie sieht es bei anderen Festen aus? Nopper weist darauf hin, dass es bei städtischen Veranstaltungen stets Vorgabe ist, Mehrweggeschirr zu benutzen, bei privaten werde eine Empfehlung ausgesprochen. „Aber mal vom Klima abgesehen, macht es ja auch keinen Spaß, sein Essen von einer Plastikgabel zu essen.“ Die Stadt hat erst im vergangenen Jahr rund 50 Mülleimer im Stadtgebiet neu aufgestellt.

Den Schülern fehlen Grünflächen in der Stadt

Frank Nopper appelliert an die Jugendlichen und macht deutlich: „Eine Stadt allein wird es nicht schaffen, jeder ist selbstverantwortlich. Wir brauchen Bürger mit Umweltbewusstsein.“ Deshalb veranstaltet die Stadt auch jährlich eine Flurputzete und lädt dazu Vereine ein, um Bewusstsein zu schaffen. „Wenn ihr dieses Jahr am Samstag der Flurputzete auch mitmacht, bin ich bei euch dabei“, verspricht das Stadtoberhaupt.

Ein weiteres Thema, was den Schülern am Herzen liegt und das Klima betrifft, sind Grünflächen und Bepflanzung in der Stadt. Selina als Vertreterin der Gruppe schlägt vor, aus der großen Fläche neben dem PicksRaus in der Gartenstraße eine Grünfläche wie einen Park anzulegen. Doch Nopper muss die Schüler direkt enttäuschen: „Da geht es nicht.“ Die Fläche ist bereits verkauft, dort sollen Wohnungen entstehen. „Es gibt viele Menschen, die auf der Suche nach Wohnraum sind.“ Deshalb sei der Wohnbau ebenso ein wichtiges Thema. Doch trotzdem hat der Oberbürgermeister auch gute Neuigkeiten, wie beispielsweise den Annonaygarten. „Das ist nicht nur ein Spielplatz mit Klettergerüst, sondern auch ein Park.“

Zudem hat die Stadtverwaltung mehrere Bäume pflanzen lassen und Blühstreifen an verschiedenen Orten in Backnang angebracht, wie beispielsweise in der Martin-Dietrich-Allee oder an der Oberen Bahnhofstraße. „Wir wollen solche Maßnahmen in den kommenden Jahren verstärken“, verspricht Nopper. Aber auch hier sei wieder Eigeninitiative gefragt. „Jeder kann sich beteiligen“, so Charlotte Meyer zu Bexten, freie Mitarbeiterin im Fachbereich Politische Tage der LpB. Dafür bietet sich auch die Bürgersprechstunde an, zu der Nopper einmal im Monat einlädt: „Jeder darf kommen. Ich habe ein offenes Ohr für alle Belange jeder Altersgruppe.“

Für Backnang wünschen sich die Schüler ein Streetfood-Festival mit allem, was dazugehört. Elena findet: Man könnte auf der Bleichwiese Wagen aufstellen, an denen leckere Kleinigkeiten verkauft werden. Das würde den Tourismus ankurbeln, vor allem, da solche Feste rund ums Essen aus aller Welt absolut im Trend liegen. Nopper nimmt die Idee gerne auf, möchte aber überlegen, das Thema Streetfood in bestehende Feste besser zu integrieren. Zum Beispiel am Straßenfest Schwerpunkte zu legen.

Info
„Schule trifft Rathaus“

Der Aktionstag will nicht nur das Wissen festigen, das bereits laut Bildungsplan im Unterricht erworben wurde. Vielmehr sollen den Schülern Wege aufgezeigt werden, um ihre Gemeinde mitzugestalten.

Dabei lernen sie Beteiligungsmöglichkeiten in der Stadt Backnang kennen. Der Politische Tag wird durch ein junges Expertenteam des Fachbereichs Politische Tage der LpB durchgeführt.

Durch die ausgewählten Methoden wird das Thema für die Schüler erlebbar.

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Erstellt:
10. Juli 2019, 06:00 Uhr

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