Ralf Blum greift mit der Kamera nach den Sternen
Instagram-Übernahme Architekt Ralf Blum fotografiert schon seit seiner Kindheit. In den vergangenen Jahren hat er sein Hobby intensiviert und widmet sich unter anderem der Astrofotografie. Außerdem hat er einen Bildband über Backnang in der Coronapandemie veröffentlicht.

Die Stacking-Technik am Computer ermöglicht Ralf Blum spektakuläre Astrofotos wie hier vom Großen Orionnebel. Foto: Ralf Blum
Von Kornelius Fritz
Backnang. Die Fotografie begleitet Ralf Blum, seit er denken kann. Die erste Minikamera habe er schon als Siebenjähriger geschenkt bekommen, erzählt der 55-Jährige. Anfangs drückte er aber nur selten auf den Auslöser: Filme und Abzüge waren teuer und das Taschengeld war knapp. Das änderte sich, als er als Schüler mit Zeitungenaustragen sein erstes eigenes Geld verdiente. Mit 15 hatte er dann genug gespart, um sich seinen größten Wunsch zu erfüllen: eine eigene Spiegelreflexkamera. Seitdem ist Ralf Blum seinem Hobby treu geblieben. Eine Auswahl seiner Fotos wird er dieses Wochenende auf dem Instagram-Kanal der Backnanger Kreiszeitung präsentieren.
„Ich fotografiere alles, was mich interessiert“, erzählt der Backnanger. Dazu gehören natürlich Gebäude, denn Ralf Blum ist Architekt und arbeitet als Partner in einem Büro in Kernen im Remstal. Aber er fotografiert auch gerne bei Konzerten und Festen. So bummelt er zum Beispiel jedes Jahr am Backnanger Straßenfest über den Rummel auf der Bleichwiese, um die bunten Lichter und die schnellen Bewegungen der Fahrgeschäfte mit der Kamera einzufangen.
In den vergangenen Jahren sind noch zwei spezielle Formen der Fotografie hinzugekommen, nämlich Astro- und Makrofotografie. Für Astronomie hat sich Ralf Blum schon immer interessiert, mit den neuen Möglichkeiten der digitalen Fotografie kann er nun auch selbst beeindruckende Fotos von Planeten, Galaxien und Gaswolken im Weltall machen. Neben einem Teleskop nutzt Blum dafür die sogenannte Stacking-Technik: „Die Kamera macht dabei bis zu 200 Bilder, die am Computer übereinandergelegt werden“, erklärt Blum. So wird das Bildrauschen eliminiert und man bekommt gestochen scharfe Aufnahmen.
Blick ins Wespennest
unter dem Garagendach
Ebenso faszinierend findet der Hobbyfotograf, der schon mehrfach Preise beim Fotowettbewerb Blende gewonnen hat, aber auch den Mikrokosmos im eigenen Garten. Mit einem speziellen Makroobjektiv begibt sich Ralf Blum dort regelmäßig auf die Jagd nach Insekten, Käfern oder Spinnen. Als etwa die als friedfertig bekannte Haus-Feldwespe ein Nest unter seinem Garagendach baute, nutzte Blum die Gunst der Stunde, um das Sozialleben der Insekten und die Aufzucht ihrer Larven fotografisch zu dokumentieren. Durch die Fotosafaris im Miniaturformat sieht er seinen Garten in Waldrems mittlerweile mit anderen Augen: „Wenn man genau hinschaut, kriecht und krabbelt es da an allen Ecken und Enden.“
Für die sehr unterschiedlichen Motive braucht Ralf Blum natürlich auch die jeweils passende Technik. So ist seine Fotoausrüstung in den vergangenen Jahren nach und nach immer größer geworden. Aktuell besitzt er fünf Kameras und etwa 20 Objektive. Obwohl er diese zum Teil auch gebraucht kauft, investiert er dafür eine Menge Geld. Hinterher bearbeitet er seine Fotos dann noch mit der Software Lightroom. Dabei ist es ihm aber wichtig, das Original nicht zu stark zu verfremden. „Ich möchte ja den Moment einfrieren“, sagt Blum.
Obwohl er schon sehr lange und ambitioniert mit der Kamera auf die Pirsch geht, ist und bleibt die Fotografie für Ralf Blum ein Hobby: „Das ist für mich Ablenkung vom Alltag“, sagt der Vater von zwei erwachsenen Kindern. Deshalb hatte er eigentlich auch nie vor, seine Bilder auszustellen oder zu veröffentlichen. Eher zufällig kam er dann aber doch zu einem Buchprojekt. Ralf Blum hatte nämlich auch die Auswirkungen der Coronapandemie dokumentiert. Durch Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen wurde Backnang zeitweise zur Geisterstadt. „Ich fand es faszinierend, wie sich in dieser Zeit alles verändert hat. Das wollte ich einfach festhalten“, erinnert er sich. Blums Fotos zeigen leer gefegte Straßen, abgesperrte Spielplätze sowie jede Menge Verbots- und Warnschilder. Im Gespräch mit dem Verleger Jörg Esefeld entstand dann die Idee, dass daraus ein Buch werden könnte. Schriftsteller, Lyriker und Persönlichkeiten wie OB Maximilian Friedrich oder der frühere Bundespräsident Horst Köhler steuerten Texte dazu bei. Im vergangenen Jahr erschien dann der Bildband „Meinbaco“, der ein Stück Zeitgeschichte in Backnang für die Nachwelt dokumentiert (wir berichteten).
Das Ergebnis der eigenen Arbeit in den Händen zu halten, war für den 55-Jährigen eine besondere Erfahrung. Ohnehin betrachtet er gerne Bilder auf Papier. Von besonders gelungenen Aufnahmen lässt er deshalb Abzüge machen. Aber auch in der digitalen Welt ist Ralf Blum zu Hause und hat neuerdings auch einen eigenen Instagram-Kanal (@ralfblumfotografie). Für die Übernahme des BKZ-Kanals hat er eine Auswahl getroffen, die seine fotografische Vielseitigkeit belegt: Makroaufnahmen aus dem eigenen Garten sind ebenso dabei wie ein Schnappschuss vom Straßenfest-Rummel. Und natürlich darf auch ein Astrofoto nicht fehlen: Es zeigt den Kometen Neowise über dem Horbachhof bei Backnang.
Die Aktion Bei unserer Aktion „Instagram-Übernahme“ stellen unsere Zeitungsfotografen sowie Preisträgerinnen und Preisträger des Blende-Wettbewerbs jeweils an einem Wochenende bis zu zehn ihrer liebsten Fotos aus der Region auf unserer Instagram-Seite @backnanger_kreiszeitung vor. An diesem Wochenende geht es mit den Bildern von Ralf Blum weiter.
© rb
Eine Kamera hat Ralf Blum fast immer dabei. Meistens fotografiert er mit seiner Pentax K1, für die er Objektive mit Brennweiten zwischen acht und 450 Millimetern besitzt. Foto: privat