Rohmüll kommt unter die Haube

Die Abdichtung des Altteils der Deponie Steinbach schreitet jetzt zügig voran – Bis zum Jahresende soll der erste Bauabschnitt fertig werden

Die Arbeiten zur Abdichtung des alten Teils der Mülldeponie Steinbach sind indiesem Jahr weit vorangekommen. Gerald Balthasar, Vorstandsvorsitzender der Abfallwirtschaft Rems-Murr, rechnet damit, mit diesem Bauabschnitt bis Jahresende fertig zu werden, von einigen Restarbeiten abgesehen. Der zweite Bauabschnitt soll dann folgen.

AWRM-Chef Gerald Balthasar (links) und der Polier Frank Skora von der Oberstdorfer Firma Geiger besprechen den Fortgang der Abdichtungsarbeiten auf dem Altteil der Deponie Steinbach. Ganz rechts ist bereits Erde aufgebracht worden, links daneben wird auf einem weißen Vlies Kies aufgebracht. Schwarze Folien aus Kunststoff dienen zur Abdichtung und werden miteinander verschweißt. Im linken Bereich ist die Baufirma, die eine Niederlassung in Herrenberg hat, noch mit dem Unterbau beschäftigt, der den steilen Hang stabilisieren soll. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

AWRM-Chef Gerald Balthasar (links) und der Polier Frank Skora von der Oberstdorfer Firma Geiger besprechen den Fortgang der Abdichtungsarbeiten auf dem Altteil der Deponie Steinbach. Ganz rechts ist bereits Erde aufgebracht worden, links daneben wird auf einem weißen Vlies Kies aufgebracht. Schwarze Folien aus Kunststoff dienen zur Abdichtung und werden miteinander verschweißt. Im linken Bereich ist die Baufirma, die eine Niederlassung in Herrenberg hat, noch mit dem Unterbau beschäftigt, der den steilen Hang stabilisieren soll. Foto: J. Fiedler

Von Armin Fechter

BACKNANG. Mehrere Hektar steiles Gelände, Hunderttausende Kubikmeter Erde, dazu Rohre und Folien, die es auszulegen gilt: Parallel zum normalen Betrieb auf dem neuen Teil der Deponie Steinbach läuft seit zwei Jahren die Deponieabdichtung auf dem Altteil. Es geht dabei um einen Deponiebereich, den einst noch die Stadt Backnang angelegt hat, bevor der Landkreis dafür zuständig wurde. Dieser befindet sich rechts der Zufahrtsstraße. Die ehemalige Kippe ist schon seit Jahrzehnten stillgelegt. Nach dem Ende des Deponiebetriebs war das rund 11,6 Hektar große Gelände in einem ersten Schritt mit Erde überdeckt worden. Das darunter gelagerte Müllgemisch hat seitdem einen großen Teil der entstehenden Gase abgegeben, allerdings noch längst nicht alles. Zudem hat sich auf der Oberfläche eine eigene Pflanzen- und Tiergesellschaft entwickelt, die auch etliche geschützte Arten aufweist.

Das hat bei der vor zwei Jahren angelaufenen endgültigen Deponieabdichtung ein etappenweises Vorgehen erforderlich gemacht. Wie AWRM-Chef Balthasar beim Beginn der Arbeiten erläuterte, galt es zuerst, Eidechsen und andere Tiere auf der ersten, sechs Hektar großen Teilfläche zum Zurückweichen zu bewegen, sie zu „vergrämen“, damit sie sich Ausweichquartiere suchen. Mittels eines Zauns wird verhindert, dass sie zurückwandern, nachdem die Bauarbeiten in Gang gekommen sind.

Über dem Rohmüllkörper wird im Zuge der Maßnahme eine aus mehreren Schichten bestehende dichte Haube errichtet. Zum Einsatz kommen dabei unter anderem fünf Zentimeter starke Bentonitmatten. Darüber werden Kunststoffdichtungsbahnen gelegt und miteinander verschweißt. Dieses Material hält, wie Balthasar erklärte, über 100 Jahre.

Zum Schutz der Kunststoffdichtung wird noch ein Vlies darübergezogen und das Ganze über zwei Meter hoch mit Rekultivierungsboden zugedeckt – pro Hektar Deponiefläche rund 20000 Kubikmeter Erde. Zudem werden ein Gassammelsystem eingebaut und eine Drainage für Niederschlagswasser angelegt.

Die Abdichtung verfolgt mehrere Ziele: Es soll zum einen kein Wasser mehr in den überdeckelten Deponiekörper eindringen und somit die Bildung von Sickerwasser vermindert werden. Gleichzeitig soll das unkontrollierte Austreten von Gas verhindert werden. Zuletzt soll auf der Oberfläche wieder Wald entstehen – eine Forderung seitens der Forstverwaltung, um Ersatz für den einst geopferten Wald zu bekommen.

Die Abdichtung im ersten Abschnitt sollte laut Balthasar an sich bereits im vergangenen Jahr fertig werden, damit die Arbeiten nach einer zweijährigen Ruhephase für die Tier- und Pflanzenwelt im Lauf des Jahres 2020 im zweiten Abschnitt weitergehen können. Doch wegen der häufigen Regenfälle im Jahr 2017 gerieten die Arbeiten über ein halbes Jahr in Verzug. Damit wackelte der weitere Zeitplan gewaltig. Balthasar hoffte deshalb, dass er dennoch wenigstens in Teilbereichen 2020 mit der Abdichtung weitermachen kann. Immerhin: In diesem Jahr hat das Wetter so weit mitgespielt, dass die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts kurz bevorsteht. Bis Oktober sollte halt das meiste geschafft sein, hofft Balthasar, denn später ist wieder mit Nässe oder gar Frost zu rechnen. Derzeit ist noch auf einem Reststück von 0,8 Hektar der Aufbau der Abdichtungsschichten zu erledigen. Ganz oben drauf kommt 2,30 Meter hoch Erde – die Rekultivierungsschicht. Insgesamt sind für die offenen Flächen rund 130000 Tonnen Erde zu bewegen.

Die Kosten für die Maßnahme sind enorm: Allein der erste Bauabschnitt ist auf fünf Millionen Euro veranschlagt. Zudem muss der Landkreis beziehungsweise die AWRM auch die stillgelegten Deponien in Schorndorf und Winnenden-Eichholz noch abdichten.

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Erstellt:
8. August 2019, 11:30 Uhr

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