Seniorenwerkstatt bezieht ihr neues Domizil

Umzug vom Gebäude Schillerplatz 3 in die Wassergasse 1 in Backnang ist vollendet – Neuer Standort mit vielen Vorteilen – Großes Interesse an Mitarbeit

Endlich. Nach über zwei Jahren Planung ist die Seniorenwerkstatt von ihrem bisherigen Domizil im Gebäude Schillerplatz 3 in ihren neuen Standort Wassergasse 1 umgezogen. Die Räume in dem städtischen Gebäude wurden dafür für 50000 Euro saniert. Ebenfalls in dem Gebäude sind Computerschulungsräume für Senioren und zwei Büroräume für den Waldkindergarten Backnang.

Die neuen Räume der Seniorenwerkstatt sind hell und freundlich. Davon konnten sich alle Gäste und Erster Bürgermeister Siegfried Janocha (links) bei der Eröffnung selbst überzeugen. Zudem gibt es die Möglichkeit, die gefertigten Dinge besser zu präsentieren.Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die neuen Räume der Seniorenwerkstatt sind hell und freundlich. Davon konnten sich alle Gäste und Erster Bürgermeister Siegfried Janocha (links) bei der Eröffnung selbst überzeugen. Zudem gibt es die Möglichkeit, die gefertigten Dinge besser zu präsentieren.Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Bei brütender Hitze weihte Erster Bürgermeister Siegfried Janocha gestern die Seniorenwerkstatt am neuen Standort ein. Selbst die tropischen Temperaturen hielten eine große Anzahl an interessierten Gästen nicht davon ab, der lang ersehnten Eröffnung beizuwohnen.

Janocha blickte zurück auf die Anfänge der Werkstatt vor über 20 Jahren. Damals war die Realisierung dieser Werkstatt eines der ersten Projekte des Seniorenbüros. Sie wurde eingerichtet, um rüstige Rentner dafür zu gewinnen, sich sozial zu engagieren und den Ruhestand mit Aktivität zu füllen. Rund zehn Rentner bauten die Holzwerkstatt in den Kellerräumen des damaligen Sozialamtes Am Schillerplatz auf. Ein Jahr lang wurde renoviert, installiert und eingerichtet und dann die Seniorenwerkstatt in Betrieb genommen. Zunächst als Provisorium gedacht, verblieb die Seniorenwerkstatt letztendlich über 20 Jahre am Schillerplatz.

Wahrscheinlich wäre die Werkstatt heute noch an diesem Standort, wenn sich die Stadt nicht dafür entschieden hätte, das Gebäude zu verkaufen. Die Suche nach einem Ersatz gestaltete sich laut Janocha sehr schwierig. Grundsätzlich dürfe eine Schreinerwerkstatt nicht in einer Innenstadt genehmigt werden, sondern gehöre in ein Gewerbegebiet. Doch das lehnten die Senioren ab.

Letztendlich fiel die Entscheidung für das Gebäude Wassergasse 1. Hier waren jedoch umfangreiche Renovierungsarbeiten unumgänglich. So wurden ein neuer Bodenbelag, eine neue Elektroinstallation mit Starkstromanlage und eine neue Schließanlage eingebaut. Zudem waren mehrere kleinere Umbaumaßnahmen nötig. Die Kosten beliefen sich auf 50000 Euro. Janocha: „Gut angelegtes Geld.“

Für Harald Hildenbrandt vom Seniorenbüro ist eine Aufgabe des Projekts, Senioren zu animieren, ihren Ruhestand aktiv zu gestalten, um in der Werkstatt andere Menschen zu treffen und soziale Kontakte zu pflegen. Über all die Jahre wurde vieles geschafft. So wurden Spielzeug und Gebrauchsgegenstände gebaut oder Reparaturen für Spielzeug von Kindergärten ausgeführt. Seit Jahren ist die Seniorenwerkstatt am Weihnachtsmarkt präsent. Auch waren die Mitarbeiter für die Stadt Backnang tätig, etwa bei der Gestaltung des Bürgergartens beim Haus am Berg oder beim Energietag mit dem Bau von Bausätzen für Kinder. Lang war die Auflistung Hildebrandts. Er dankte daher den verbliebenen Gründern der Seniorenwerkstatt, die dem Projekt ihren Stempel aufgedrückt hatten: Friedrich Hocke, Werner Vorrath, Dieter Bäuchle und Wolf-Dieter Hergenröder. Auch dankte er Johanna Haß, die an der evangelischen Hochschule Ludwigsburg studiert und seit April im Rahmen ihres Projektstudiums die Seniorenwerkstatt begleitet. Ihre Aufgabe, neue Mitarbeiter anzuwerben und diese in das Team einzugliedern, hat sie Hildenbrandt zufolge mit Bravour erledigt. Und so wird der Umzug der Werkstatt von den Akteuren auch zu einem Neustart genutzt. Waren zuletzt nicht mehr viel Mitglieder aktiv, so haben sich jetzt mehrere Interessenten gemeldet, die mitschaffen möchten. Hildenbrandt hob etwa Siegmund Breckel hervor, der während des Umzugs bereits riesiges Engagement bewiesen hatte. Aber auch Beatrice von Arnim-Engel ist bereits Teil des Teams. Die 74-jährige Bauzeichnerin, der die handwerkliche Begabung in die Wiege gelegt wurde, ist aber nicht die einzige Frau. Auch Ingeborg Bögner (69) will sich künftig engagieren. „Ich habe schon immer gewusst, dass es die Werkstatt gibt, aber ich habe mir bislang nicht zugetraut mitzuschaffen. Das ändert sich jetzt. Ich finde das eine gute Sache.“ Das sieht auch Jürgen Geiger so. Der 66-Jährige ist erst vor Kurzem von Steinheim nach Backnang gezogen, hat aus der Zeitung von dem Projekt erfahren und sich schon angemeldet. Künftig wird er dann auch Martin Fischer treffen. Der 66-jährige ehemalige Techniklehrer war vor Jahren schon einmal im Keller des alten Standorts. Das hatte ihn aber nicht überzeugt. „Da konnte man nur schwer arbeiten. Alles war eng und es gab in den beiden Räumen nur ein Fenster.“ Auch Günter Wagner will wieder einsteigen. Der 77-jährige Fliesenleger zählte bis 2015 schon einmal drei Jahre lang zu den Mitarbeitern.

Die vorgeschriebene Absauganlage wird erst im September geliefert

Manfred Wörner ist einer der bisherigen Seniorenvertreter. Er verweist darauf, dass er zusammen mit Rosemarie Baur-Schwozer in vielen Sitzungen ständig Dampf gemacht habe, dass es mit dem Umzug klappt. Nun freut sich der 74-Jährige über die hellen und freundlichen Räume, und dass die Mitarbeiter mehr Platz haben und vernünftig arbeiten können. Auch könne das Holz besser gelagert werden. Und die Ausstellungsfläche ermögliche neue Möglichkeiten.

Alle, die gleich loslegen wollen, müssen sich jedoch noch ein wenig gedulden. denn die Absauganlage, die zwingend für Schreinereien vorgeschrieben ist, wird erst im September geliefert. Ungeachtet dessen treffen sich die Senioren heute schon jeden Dienstag und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr. Und sie sind glücklich über weitere Mitstreiter. Wer Interesse hat, kann vorbeikommen oder sich unter Telefon 07191/894- 319 melden.

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Erstellt:
27. Juni 2019, 06:00 Uhr

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