Vortrag: Backnang auf dem Weg zur Klimaneutralität

Stefan Setzer referiert beim 230. Altstadtstammtisch über Maßnahmen, mit denen auf den Klimawandel reagiert werden kann.

Zum Klimaschutz gehört es, Alternativen zum Auto zu bieten. Etwa durch das neue Fahrradverleihsystem in Backnang. Archivfoto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Zum Klimaschutz gehört es, Alternativen zum Auto zu bieten. Etwa durch das neue Fahrradverleihsystem in Backnang. Archivfoto: Alexander Becher

Von Klaus J. Loderer

Backnang. „Es sind für die Stadt riesige Herausforderungen,“ fasste Baudezernent Stefan Setzer in einem Vortrag im Backnanger Helferhaus potenzielle Maßnahmen zusammen, die dazu dienen könnten, auf die Klimaveränderungen zu reagieren. Immer wieder gehen die Altstadtstammtische neben den historischen Vorträgen auch auf aktuelle Themen ein. Nun war das Thema, wie die Stadt auf den Klimawandel reagieren kann. Die genauen Zielpunkte zum Erreichen der Klimaneutralität wurden in Backnang noch nicht festgelegt. Die Stadtverwaltung erarbeitet die Bestandsaufnahmen, Grundlagen und Möglichkeiten, damit ein realistischer Fahrplan zur Klimaneutralität entstehen kann.

Lebhafte Diskussion mit den Bürgern

Dass der Weg zur Klimaneutralität nur mit den Bürgern gegangen werden kann, wurde vor allem in der lebhaften Diskussion deutlich, die sich an den Vortrag anschloss. Setzer scheute sich davor, diesen Weg mit Verboten zu erzwingen. „Es muss das gute Beispiel sein, das wir geben möchten.“ So sollen die Bürger gelockt und motiviert werden. Hier kommt auch Multiplikatoren wie dem „Klimaentscheid Backnang“ eine wichtige Rolle zu. Dass das Interesse an dem Thema nicht allzu groß ist, zeigte aber auch die Anzahl der Zuhörer in der Eingangshalle des Helferhauses. Setzer nutzte die Gelegenheit, um seine neue Mitarbeiterin Simone Lebherz vorzustellen, die als Klimamanagerin eine Stabstelle für Klimaschutz aufbaut. „In meinem Wohnort Fellbach bringe ich das Thema Klimaneutralität in den Gemeinderat ein,“ betonte Lebherz, die beim Landratsamt tätig war.

Bedarf an Informationen ist groß

Dass Bedarf für viel Information ist, wurde im Vortrag immer wieder deutlich. Setzer: „Man muss sich dessen bewusst sein, dass wir uns im Klimawandel befinden. Die Frage ist, wie wir Maßnahmen gestalten können.“ Vor allem sei es ein dringliches Thema. Vielleicht seien deshalb trotzdem verordnende Maßnahmen notwendig. Welche Kosten auf die Bürger zukommen könnten, um Sanierungsmaßnahmen durchzuführen, demonstrierte Setzer mit der astronomischen Zahl von 81 Millionen Euro. Soviel würde es pro Jahr kosten, jährlich allein vier Prozent der Gebäude energetisch zu sanieren, um die Treibhausgase von 120000 Tonnen langfristig auf 5000 Tonnen zu reduzieren. Dass solche Baumaßnahmen schon daran scheitern könnten, dass die Anzahl der Handwerker immer weiter sinke, machte Setzer allerdings auch deutlich. „Das bedeutet, dass Einsparungen nur durch geringeren Verbrauch möglich ist“, resümierte Setzer.

In seinem Arbeitsbericht konnte Setzer auf zahlreiche Maßnahmen der Stadt Backnang hinweisen, die an städtischen Gebäuden durchgeführt wurden, um Energie einzusparen. Hier liege der Schwerpunkt auf sinnvollen und langfristig wirkenden Maßnahmen. Als Vorreiter nannte er das Max-Born-Gymnasium mit seiner Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Als weiteres Beispiel ging Setzer auf die Sportkita mit ihrer energieschonenden Bauweise ein. Durch neue Straßenbeleuchtung konnten fast 2000 Tonnen Kohlendioxid und fast 700000 Euro eingespart werden. Im Zuge des Projekts IBA 27 sollen klimaaktive Freiräume mit starker Durchgrünung entstehen. Allerdings können nur zwei Prozent der Treibhausgasemissionen durch die Stadt beeinflusst werden. 98 Prozent der Treibhausgase entstehen durch Privatpersonen und die Wirtschaft.

Neuausrichtung der Stadtwerke ist nötig

Als vier Bausteine auf dem Weg zur Klimaneutralität zeigte Setzer die Eckpunkte kommunale Wärmeplanung, Mobilitätskonzept, Klimaschutzkonzept und Transformation der Wirtschaft auf. Zum letzten Punkt gehört auch die Neuausrichtung der Stadtwerke, da durch das Wegbrechen des Gasverkaufs die wichtigste Sparte langfristig an Bedeutung verlieren wird. Ein Bestandsplan über die Energiequellen ließ deutlich werden, dass in Backnang vor allem mit Erdöl und Gas geheizt wird. „Wir sind extrem stark abhängig von Erdgas!“ In einer Karte zum Stromverbrauch stachen vor allem die Gewerbeflächen hervor. Auf 450000 Megawattstunden summiert sich der Wärmeverbrauch in Backnang.

Radinfrastruktur wird weiter ausgebaut

Einen Schwerpunkt des Vortrags bildeten die Möglichkeiten der Mobilitätswende, um Alternativen zum Auto anzubieten. So sei Backnang schon dabei, die Fahrradinfrastruktur auszubauen. Von 41 geplanten Maßnahmen seien 23 vollständig ausgeführt. „Wichtig ist, dass wir ein Angebot schaffen für Radfahrer, damit die Bürger immer weniger Ausreden haben, das Rad nicht zu nehmen.“ Das neue Fahrradverleihsystem sei leider schnell durch üblen Vandalismus eingeschränkt worden (wir berichteten). Dieses sei nun ergänzt worden durch ein Leihsystem für Lastenfahrräder, das als Pilotprojektkooperation mit der Energieagentur Rems-Murr entstanden sei. Für Elektroautos sollen 27 neue Ladestationen entstehen. Im Zuge eines Bundesprojekts könnten in Backnang zwei Schnellladestationen entstehen.

Um die Verkehrssysteme zu vernetzen, ist Setzer der Ausbau Backnangs als Mobilitätsknoten wichtig, damit den Bürgern ein Übergang zwischen den Verkehrsmitteln angeboten wird. Denn Backnang befinde sich im Spannungsfeld zwischen Stuttgart und dem ländlichen Umland mit einem hohen Ziel-, Quell- und Durchgangsverkehr. Zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität der Innenstadt könnte ein Ringsystem beitragen. „Niemand muss mit dem Auto durch die Marktstraße oder die Grabenstraße fahren“, machte Setzer deutlich, wo er sich eine Reduzierung des Autoverkehrs wünscht.

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Erstellt:
12. Oktober 2022, 11:30 Uhr

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