Weniger Kriminalität in Backnang

Zahl der Straftaten ist 2018 erneut zurückgegangen – OB Frank Nopper sieht trotzdem keinen Grund zur Zufriedenheit

Die Zahl der registrierten Straftaten ist in Backnang zum dritten Mal in Folge deutlich gesunken. Laut Polizeistatistik, die der kommissarische Revierleiter Ulli Eder jetzt im Gemeinderat präsentierte, wurden im Stadtgebiet 2018 nur noch 1923 Delikte registriert, 2017 waren es noch 2287, im Jahr davor sogar 2670. Was erfreulich klingt, hat allerdings nicht nur positive Ursachen.

Weniger Kriminalität in Backnang

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Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Den unrühmlichen Titel als Kriminalitätshauptstadt des Rems-Murr-Kreises konnte Backnang schon im vergangenen Jahr an Fellbach abgeben, jetzt ist man im Sicherheitsranking auch an Winnenden vorbeigezogen. Schon zum dritten Mal in Folge ist die Zahl der Straftaten in Backnang gesunken, und zwar deutlich um 15,9 Prozent. Im gesamten Rems-Murr-Kreis liegt der Rückgang nur bei 2,6 Prozent, landesweit sogar nur bei 1,3 Prozent.

Ulli Eder nennt für diese Entwicklung verschiedene Gründe. Den Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen, die sich seit 2014 von 81 auf 25 pro Jahr reduziert haben, führt er auch auf mehr Polizeipräsenz in den Wohngebieten zurück. Die Beamten des Reviers seien dabei regelmäßig von Kräften der Bereitschaftspolizei und sogar von der Reiterstaffel unterstützt worden. Positiv bemerkbar macht sich auch, dass es gelungen ist, einige Intensivtäter aus dem Verkehr zu ziehen. Vor allem eine Familie sei in den vergangenen Jahren durch eine Vielzahl von Straftaten aufgefallen. Inzwischen sitzen mehrere Mitglieder dieses Clans in Haft oder wurden in ihr Herkunftsland abgeschoben. Bestimmte Delikte, etwa Diebstähle aus Büro- und Praxisräumen, gingen daraufhin schlagartig zurück.

Personalrückgang bei der Polizei macht Nopper Sorgen

Weniger Straftaten auf dem Papier bedeuten allerdings nicht in allen Fällen einen Rückgang der Kriminalität. Das deutliche Minus bei den Ladendiebstählen etwa könnte laut Eder auch damit zusammenhängen, dass weniger Ladendetektive im Einsatz waren oder den Geschäftsinhabern bei kleineren Diebstählen der Aufwand für eine Anzeige zu groß war. „Da verschwindet vieles im Dunkelfeld.“ Gleiches gilt auch für die Rauschgiftkriminalität, die nur ganz selten angezeigt wird. Die Fallzahlen korrelieren hier mit der Zahl der Kontrollen, und die musste aufgrund der Personalnot im Backnanger Revier im vergangenen Jahr zurückgefahren werden.

Auch deshalb sieht OB Frank Nopper keinen Grund, in Jubel auszubrechen. „Die Sicherheitslage ist nochmals besser geworden, aber sie ist immer noch nicht gut genug“, sagte Nopper. Die Zahl der verfügbaren Kräfte im Backnanger Revier sei seit 2016 von 86 auf 81 Beamte zurückgegangen: „Diese Abwärtsbewegung muss schleunigst beendet werden.“ Nopper forderte, die alte Besetzung müsse mindestens wiederhergestellt werden. Eder machte dem OB allerdings wenig Hoffnung. „Die Talsohle ist noch nicht erreicht“, sagte der Revierleiter. Weil es der Polizei an Nachwuchs fehle, müsse man noch mindestens zwei Jahre mit reduzierter Besetzung klarkommen.

Mit Sorge beobachtet Nopper die Zunahme bei Aggressions- und Gewaltdelikten, insbesondere unter Jugendlichen. Einen neuen Höchststand erreichten zudem sogenannte „Delikte der sexuellen Selbstbestimmung“, wobei dies laut Eder auch mit einem neuen Paragrafen im Strafgesetzbuch zu tun hat, der seit 2016 sexuelle Belästigung explizit unter Strafe stellt. Eder erwähnte in diesem Zusammenhang auch mehrere Vorfälle auf dem diesjährigen Straßenfest, bei denen Frauen begrapscht wurden. Bei den Tätern habe es sich um Männer aus afrikanischen Ländern gehandelt. Gegen sie wurden laut Ordnungsamtsleiterin Gisela Blumer Platzverweise und Aufenthaltsverbote ausgesprochen.

Insgesamt ist der Anteil der Ausländer unter den Tatverdächtigen zuletzt allerdings zurückgegangen, von 40,7 auf 35,7 Prozent. 9,4 Prozent der Straftaten wurden von Flüchtlingen begangen. Nopper und auch SPD-Stadträtin Siglinde Lohrmann forderten, straffällig gewordene Ausländer müssten konsequenter als bisher abgeschoben werden. Leider gebe es „verantwortungslose Politiker in Land und Bund, die nur die Täterperspektive einnehmen und die Opfer vergessen“, kritisierte der Oberbürgermeister.

Info
Unfallstatistik

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Backnanger Stadtgebiet ist 2018 leicht gestiegen von 355 auf 368, bei 117 Unfällen gab es Verletzte. Nach drei Jahren ohne Verkehrstote kamen wieder zwei Menschen auf Backnangs Straßen ums Leben.

Vier Unfälle ereigneten sich im vergangenen Jahr auf Schulwegen, drei davon in der Maubacher Straße. Ordnungsamtsleiterin Gisela Blumer kündigte an, man werde versuchen, die Probleme dort durch Veränderungen bei Beschilderung und Straßenmarkierung zu entschärfen.

Viermal waren im vergangenen Jahr Pedelecfahrer an Unfällen beteiligt, in den Jahren davor war es nur jeweils einer.
Revierleiter Ulli Eder vermutet, dass die Zahl der Unfälle mit E-Bikes in den kommenden Jahren deutlich zunehmen wird.

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Erstellt:
27. Juli 2019, 06:00 Uhr

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