Häufigste Krebsart

Wie steht es um die Darmkrebsfälle in Deutschland?

Darmkrebs zählt zu den häufigeren Krebsarten in Deutschland. Die Zahl der Todesfälle war in den letzten beiden Jahrzehnten rückläufig. Woran liegt das? Und wie steht es um andere Krebsarten?

3D-Illustration von Krebszellen: Rund 70 Prozent der Darmkrebs-Toten sind 70 Jahre und älter.

© Imago/Panthermedia

3D-Illustration von Krebszellen: Rund 70 Prozent der Darmkrebs-Toten sind 70 Jahre und älter.

Von Markus Brauer/dpa

In Deutschland sterben immer weniger Menschen an Darmkrebs. Innerhalb von 20 Jahren ging die Zahl der Todesfälle um 17 Prozent zurück.

  • Starben im Jahr 2003 noch 28.900 Menschen an dieser Krebsart, waren es im Jahr 2023 nur noch 24.100, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt. „Ein Grund für den Rückgang könnte neben einer verbesserten Therapie auch das nach und nach ausgebaute Früherkennungsprogramm in Deutschland sein“, heißt es.
  • Zugleich ist demnach die Zahl der Krankenhausbehandlungen aufgrund von Darmkrebs deutlich gesunken. So wurden 2023 rund 139.200 Menschen stationär behandelt, 30 Prozent weniger als im Jahr 2003.

Neuer möglicher Angriffspunkt für Therapie bei Darmkrebs Forschungsarbeit des Exzellenzclusters PMI und der DFG Forschergruppe „miTarget“ zeigt, dass im entzündeten Darm häufig vorkommendes Protein eine wichtige Rolle bei derhttps://t.co/NuIpi6Ohtcpic.twitter.com/VZS21nYgQg — Informationsdienst Wissenschaft - Nachrichten (@idw_online_de) March 25, 2025

Gegen den Trend: Zahl der Krebstoten insgesamt gestiegen

  • Die Zahl der Krebstoten insgesamt stieg im gleichen Zeitraum um zehn Prozent auf 230.300.
  • Zeitgleich wuchs demnach auch die Bevölkerung, und zwar um zwei Prozent auf 83,5 Millionen Menschen (Ende 2023). Den Angaben zufolge ist Darmkrebs nach wie vor die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache nach Lungen- und Bronchialkrebs.

Wie war die Entwicklung bei anderen Krebsarten?

„Einen größeren prozentualen Rückgang als bei den Todesfällen aufgrund von Darmkrebs gab es unter den weit verbreiteten Krebsarten lediglich beim Magenkrebs und beim Gebärmutterhalskrebs“, erklären die Statistiker.

  • An Magenkrebs starben im Jahr 2023 gut ein Drittel weniger Menschen (minus 34 Prozent).
  • Bei Gebärmutterhalskrebs wurde ein Rückgang von 20 Prozent innerhalb der 20 Jahre verzeichnet.
  • Einen deutlichen Anstieg der Todesfälle gab es dagegen bei Hautkrebs (plus 61 Prozent), Bauchspeicheldrüsenkrebs (plus 53 Prozent), oder Prostatakrebs (plus 32 Prozent).

Seit 2006 sterben anteilig mehr Männer an Darmkrebs

  • Einen deutlichen Rückgang bei den darmkrebsbedingten Todesfällen gab es bei den Frauen: „Im Jahr 2023 starben mit 11.100 Frauen rund 25 Prozent weniger an Darmkrebs als noch 20 Jahre zuvor, bei Männern waren es mit 13.000 Todesfällen rund 8 Prozent weniger“, heißt es.
  • 54 Prozent der im Jahr 2023 an Darmkrebs Verstorbenen waren Männer. Den Daten zufolge sterben seit dem Jahr 2006 anteilig mehr Männer als Frauen an Darmkrebs.

Vor allem ältere Menschen betroffen

„Wie bei den meisten Krebserkrankungen sind vor allem ältere Menschen betroffen“, berichtet das Bundesamt:

  • Im Jahr 2023 waren 71 Prozent der Darmkrebs-Toten 70 Jahre und älter.
  • 18 Prozent waren in der Altersgruppe von 60 bis 69 Jahren.
  • 8 Prozent waren im Alter von 50 bis 59 Jahre.
  • 3 Prozent waren jünger als 50 Jahre.
  • Der Statistik zufolge sind bei durchweg allen Altersgruppen ab 30 Jahren die darmkrebsbedingten Klinikbehandlungen im langfristigen Vergleich rückläufig. Dagegen stiegen die sie bei den 20- bis 29-Jährigen an, wenn auch mit niedrigen Fallzahlen: 2023 gab es rund 520 Patienten im Krankenhaus. 20 Jahre zuvor waren es 360.

Krebs zu haben, ist oft nur Zufall

Zwei Forscher der John Hopkins Universität in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland) haben in einer Studie bestätigt, was schon lange vermutet wurde: Das Krebsrisiko eines Menschen hängt auch stark vom Zufall ab, erklären der Krebsforscher Bert Vogelstein und sein Kollege, der Biostatistiker Cristian Tomasetti.

Die Wissenschaftler hatten für ihre Studie insgesamt 31 Krebsarten an verschiedenen Gewebetypen untersucht. Lediglich für neun Krebsarten (wie Haut- oder Lungenkrebs) sei der individuelle Lebensstil ausschlaggebend gewesen, bei den übrigen 22 (Karzinome der Bauchspeicheldrüse oder des Dünndarms) spielten Gene und Umweltfaktoren eine eher untergeordnete Rolle, so das Ergebnis.

Zellteilungen können zu bedrohlichen Fehlern im Erbgut führen

Anders ausgedrückt: Zwei Drittel aller Tumore sind die Folge zufälliger, von außen nicht zu beeinflussender Teilungen im Erbgut. Je häufiger sich Stammzellen teilen, desto höher ist das Krebsrisiko. Manche Gewebetypen erkranken mehrere Tausend Mal eher an Krebs erkranken als andere: So liegt das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken bei 6,9 Prozent, für einen Tumor am Kehlkopfknorpel aber nur bei 0,00072 Prozent.

Bei jeder Zellteilung wird das Erbgut kopiert. Dabei können sich fatale Fehler einschleichen. Zwar werden die Mutationen in der Regel vom Organismus repariert, doch schon kleinste genetische Abweichungen können sich mit der Zeit zu einem schwerwiegenden Problem summieren. Solche simplen Kopierfehler „scheinen“ ein „Hauptgrund für Krebs Menschen zu sein“, schreiben die Forscher.

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Erstellt:
27. März 2025, 09:06 Uhr

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