Zu Fuß über die Alpen

Sechs Schüler der Conrad-Weiser-Schule Aspach laufen in sieben Etappen vom Tegernsee bis nach Sterzing in Südtirol

90 Kilometer und 7500 überwundene Höhenmeter in sieben Etappen liegen hinter sechs Schülern und drei Betreuern der Conrad-Weiser-Schule. Ihr Ziel war es, die Alpen zu überqueren. Das haben sie nicht nur geschafft, sondern dabei auch viel gelernt – über die Gemeinschaft, sich selbst und vieles mehr.

Pause muss sein. Und auf über 2000 Metern schmeckt das Vesper gleich doppelt so gut. Fotos: privat

Pause muss sein. Und auf über 2000 Metern schmeckt das Vesper gleich doppelt so gut. Fotos: privat

Von Silke Latzel

ASPACH. Casey Hehr, Jannika Schwarz, Lukas Bohn, Max Weigent, Johannes Krämer und Simon Gans sind schon so etwas wie Pioniere. Zumindest an der Conrad-Weiser-Schule in Aspach. Denn die sechs jungen Menschen der 7. und 8. Klasse sind dort die ersten Schüler, die sich an das Projekt Fernwanderung gewagt haben.

Die Idee entstand bereits im Januar 2018 – gemeinsam mit Werner Breisch vom Skiclub Aspach. Seit fast 20 Jahren wirkt er an der Kooperation zwischen Schule und Verein mit, steht mit Rat und Tat zur Seite, wenn jeden Winter die dreitätige Skiausfahrt der Schüler ansteht. „Das war einfach nur so eine Idee und dann bin ich im August 2018 die Strecke privat gelaufen, um mal vorzufühlen, ob sie überhaupt geeignet ist“, erzählt er. War sie. Aber: Dass es kein Zuckerschlecken werden würde, war von Anfang an klar. Denn zwischen dem Start am Tegernsee in Bayern und dem Ziel, Sterzing in Südtirol, liegt eine Fußstrecke von fast 90 Kilometern und 7500 Höhenmetern, die erst einmal überwunden werden müssen.

Außer Blasen und Sonnenbrand gibt es keine Blessuren

Werner Breisch sowie Rektorin Heidi Ahlers und Lehrer Diethart Hauke finden sich als Begleitpersonen. „Wir wollten auf Nummer sicher gehen. Falls einem unterwegs etwas passiert, wären dann immer noch zwei Verantwortliche dabei gewesen“, so Ahlers. Während Breisch die Etappenplanung übernahm, kümmerte sich Konrektor Tobias Stüer um die Unterkünfte für die Gruppe. Vom Hotel mit Pool über eine einfache Pension und eine Jugendherberge bis hin zur einfachen Hütte ohne Dusche – dafür aber mit Plumpsklo – war alles dabei.

Doch auch die Schüler konnten sich nicht einfach zurücklehnen und die Reise abwarten. Eine Probewanderung stand auf dem Programm. Zwölf Kilometer ging es durch den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Ganz wichtig: mit Gepäck. Denn auch bei der Alpenüberquerung musste jeder seinen Rucksack selbst tragen. Maximal acht Kilo durften es sein, gab Breisch als Vorgabe aus. Und nachdem die Schüler den Testlauf alle „bestanden“ hatten, ging es los.

Und wie war die Wanderung? Welche Erfahrungen hat die Gruppe bei der Alpenüberquerung gemacht? Die Schüler – und auch die Erwachsenen – erzählen alle durcheinander und oft auch gleichzeitig, so vielfältig sind die Eindrücke und Geschichten, von denen sie berichten möchten. Da gibt es die Begegnung mit der Kuhherde, die plötzlich einfach mitten im Weg stand und durch die sie sich haben bewegen müssen – der eine mehr, der andere weniger vorsichtig. Oder die beiden Frauen, die sie getroffen haben und die nicht nur bei der nächsten Fernwanderung der Schüler dabei sein wollen, sondern selbst eine Hütte in den Bergen haben, die sie gratis zur Übernachtung zur Verfügung stellen.

Wer aufsteigt, muss auch irgendwann wieder absteigen. Und das immer im eigenen Tempo.

Wer aufsteigt, muss auch irgendwann wieder absteigen. Und das immer im eigenen Tempo.

Da ist die stolzgeschwellte Brust auf fast 2400 Metern Höhe, dem höchsten Punkt der Tour. Da ist das Wassererlebnis auf der Blaubergalm, auf der eine Flasche mit 1,5 Litern Wasser ganze 4,50 Euro gekostet und die Schüler zuerst etwas ratlos und empört, später aber doch neugierig gemacht hat, als sie erfahren haben, wieso sie das Wasser auf der Hütte zwar zum Zähneputzen nutzen können, aber nicht trinken sollen. Da ist das tolle Alpenpanorama, das nicht nur den Jugendlichen, sondern auch den Erwachsenen den Atem raubte. Da ist das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern, die sich ab 1000 Höhenmetern duzen und sich plötzlich schweigend verstehen, weil sie gemeinsam mit den steilen Anstiegen, mit Regen, mit Abhängen und beschwerlichen Abstiegen zu kämpfen haben und zusammen leiden. Und da sind die gemeinsame Pausen, die Freude darüber, abends gesund und – abgesehen von Blasen oder einem Sonnenbrand – unversehrt die Etappe geschafft zu haben.

Kaum Gemecker, große Disziplin und ein tolles Gemeinschaftsgefühl

Zwei Tage dauert es, dann sind sie ein eingespieltes Team, jeder läuft sein eigenes Tempo, die Schnellen warten auf die etwas Langsameren, erzählen sie. „Es gab nur ein einziges Mal Gemecker“, verrät Ahlers und ist sichtlich stolz auf ihre Schüler. „Das Laufen hat uns zusammengeschweißt. Und man hat einfach gemerkt: Wenn es nicht langweilig ist, hat man auch keine Zeit, um zu streiten. Das habe ich in dieser Form auch noch nie auf einer Klassenfahrt erlebt.“ Auch Breisch findet nur lobende Worte: „Sie alle haben große Disziplin gezeigt. Wenn es hieß, dass wir um 8.30 Uhr starten, dann waren alle um 8.30 Uhr bereit.“

Zwischen 400 und 500 Euro pro Person hat die Alpenüberquerung gekostet. Damit die Familien die Kosten nicht alleine tragen müssen, wurden bereits vorab Sponsoren gesucht. Durch die Unterstützung lokaler Firmen – Firma Erkert, Erlebnishotel Sonnenhof, Autohaus Möhle, Bike’s+more Gassmann und „bemarkenswert“ – blieben noch rund 200 Euro Selbstbeteiligung übrig.

Das Projekt Fernwanderung kam so gut an, dass es 2020 wiederholt werden soll. „Wir werden allerdings unsere Packliste überarbeiten“, so Ahlers. Die anderen pflichten ihr bei: „Man braucht nicht jeden Tag ein neues T-Shirt.“

Die Pioniere der Conrad-Weiser-Schule samt ihren erwachsenen Begleitern.

Die Pioniere der Conrad-Weiser-Schule samt ihren erwachsenen Begleitern.

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Erstellt:
24. Juli 2019, 16:00 Uhr

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