20 bewegte Jahre Schwoba-Folkrock mit Wendrsonn
Bands von hier Die Mundartband Wendrsonn ist die wohl bekannteste Band aus dem Raum Backnang. Frontmann und Gründer Markus Stricker blickt auf die vergangenen 20 Jahre zurück. Im Februar 2005 hatte die Gruppe ihren ersten Auftritt in der Sulzbacher Belinda.

Wendrsonn, das sind Klaus Marquardt, Markus Stricker, Anke Hager (vordere Reihe, von links), Micha Schad, Rob Wittmaier und Martin Hofpower (hinten, von links). Foto: Thilo Ortmann
Von Marina Heidrich
Backnang. „Viele Dinge klingen auf Hochdeutsch einfach hart. Mundart, vor allem die schwäbische, ist irgendwie weicher, poetischer. Und wir haben für einen Begriff viel mehr Worte.“ Markus Stricker muss nicht lange überlegen, als ihm die Frage gestellt wird: Warum singt er ausgerechnet auf Schwäbisch? Wenn der Tod kein Schrecken, sondern „vielleicht au an Engl, wunderschee, mit feierrode Hoor“ ist, wenn „Madengele“ blühen und „Nebelgoischter“ durch das Tal ziehen, dann weiß der Hörer: Do ben i dahoim.
Der Frontmann, Texter und Musiker ist der Schöpfer der erfolgreichsten Mundartband der Region: Wendrsonn. Jedes Jahr sind sie unter den letzten 100 bei der SWR-Hitparade vertreten. Immer wieder wird die Band ausgezeichnet, 2024 wählte die Jury des Bundeswettbewerbs Deutscher Rock- und Pop-Preis Markus Stricker auf Platz eins als besten Mundartinterpreten.
Im selben Jahr wurde Wendrsonns Titel „Geile Zeit“ beim ersten Landespreis für Dialekt zum Sieger in der Kategorie Musik/Lied gekürt. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann überreichte der Band die Siegerurkunde mit einem herzlichen „Machet weiter so!“.
Ihre siebte CD „Älles oder Nix“ ist vor Kurzem erschienen. Es läuft also für die Band, scheinbar mühelos und von selbst. Wie viel harte Arbeit, wie viele Rückschläge und wie viel persönliches Engagement tat-sächlich hinter diesem Erfolg stecken und wie oft er selbst kurz davor war, alles hinzuwerfen, das deutet Markus Stricker nur auf Nachfrage an. „Gott sei Dank habe ich seit Beginn Micha Schad als Wegbegleiter und Mitgründer an meiner Seite. Auf ihn, seine Liebenswürdigkeit und seinen Optimismus kann ich mich zu 100 Prozent verlassen. Er ist die Seele der Band.“

© Jörg Fiedler
2014 rocken Micha Schad (von links), Markus Stricker, Biggi Binder, Klaus Marquardt, Heiko Peter (Schlagzeug) und Ove Bosch (hinten rechts) die Murrhardter Festhalle. Archivfoto: J. Fiedler
Seit 20 Jahren sind Schad und Stricker ein Team, seit dem legendären Tsunami-Benefizkonzert im Februar 2005 in der Sulzbacher Belinda, als Stricker drei Songs präsentierte. „Wendrsonn“ nannte er das damalige Projekt. Kurz nach diesem Konzert stieg Biggi Binder als Sängerin ein. 2025 ist aus dem damaligen Trio ein Sextett geworden. Markus Stricker findet nicht nur für seinen herausragenden Gitarristen von Herzen kommende Worte. Auch Ausnahmemusiker und Teufelsgeiger Klaus Marquardt ist mittlerweile schon lange dabei und bringt sich mit seiner ganzen Persönlichkeit mit ein. Aktuell wird Wendrsonn ergänzt durch Sängerin Anke Hagner, Schlagzeuger Rob Wittmaier und Bassist Martin Hofpower, allesamt professionelle Musiker mit Können und viel Herz. Im Lauf der vergangenen zwei Jahrzehnte gab es einige Umbesetzungen, viele großartige Künstlerinnen und Künstler waren Teil dieser außergewöhnlichen Band und haben sich eingebracht. Markus Stricker möchte keinen von ihnen missen, er ist dankbar über jeden. Genauso dankbar ist er auch dem Produktionsteam Werner „Vier“ Bayer und Hubertus „Huptus“ Amann, die die Band bei der neuesten CD unter ihre erfahrenen Fittiche nahmen.
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Wie lange wird es die Band noch geben? Was sind die Zukunftspläne? Markus Stricker ist nachdenklich. „Wenn ich an all die Jahre zurückdenke, dann sehe ich auch, wie sich das Business verändert hat. Nach Corona gab es viele Clubs und Veranstaltungsorte nicht mehr, weniger Platz für junge und etablierte Künstler, um kreativ zu sein.“ Auch das Thema KI in der Musikbranche sieht er mit gemischten Gefühlen.
Ein Unfall beim Bergsteigen hat Markus Stricker gelassener werden lassen
Stricker macht Musik, seit er ein kleiner Junge war. Mittlerweile ist er 60 geworden, der frühere wilde Rockmusiker hat Familie, Frau und Enkel. Viele Menschen aus seinem privaten und musikalischen Umfeld sind weg. Verzogen, verstorben. Ende Juni 2022 ist Wendrsonns Bassist Ove Bosch unerwartet an einem Herzinfarkt gestorben. Ein schwerer Verlust für alle, die ihn kannten.
Auch Markus Stricker selbst wird die eigene Vergänglichkeit immer wieder deutlich vor Augen geführt. Ein schwerer Unfall beim Bergsteigen 2024 hat ihm dies noch mal heftig klargemacht, hat ihn gelassener werden lassen. An seinem 60. Geburtstag stürzte er beim Abstieg vom Großen Krottenkopf im österreichischen Tirol, brach sich den Knöchel und rutschte in eine Spalte. Nur 30 Meter waren es bis zur Bergwand, die 350 Meter tief abfiel. Ohne die Spalte, sagt Markus Stricker, wäre er weg gewesen. „Ich hatte unglaubliches Glück.“
Er weiß, dass nichts ewig dauert. Auch nicht Wendrsonn. Aber solange diese Band noch existiert, wird sie Botschafterin ihrer schwäbischen Heimat sein, die sich für eine einzigartige Mundart jenseits aller Klischees einsetzt. Facettenreich, voller Fröhlichkeit, Poesie, Heimatliebe und Emotionalität. Und mit einem Markus Stricker, der Dankbarkeit und Demut darüber empfindet, dass er das alles erleben durfte und vor allem: mit diesen Menschen.
Serie Mit diesem Artikel endet unsere Serie „Bands von hier“. Vorgestellt wurden Bands, die bis heute – oder heute wieder – aktiv sind und so für einen guten Ruf der „Rock-City BK“ gesorgt haben. Alle Folgen kann man hier nachlesen.